Botschaften in Indonesien bedroht Kurz vor der erwarteten Hinrichtung der Bali-Attentäter

04. November 2008 job. BANGKOK, 4. November. Kurz vor der erwarteten Hinrichtung dreier Terroristen in Indonesien haben westliche Botschaften in Jakarta Bombendrohungen erhalten. Die Vertretung der Vereinigten Staaten teilte am Dienstag mit, dass sie die Drohungen ernst nehmen und eng mit der indonesischen Polizei zusammenarbeiten werde. Die Polizei bestätigte, dass auch die australische Botschaft bedroht wurde. In den vergangenen Tagen waren bereits Bombendrohungen an anderen Orten eingegangen, die sich aber als falsch erwiesen hatten.

Unterdessen wurde spekuliert, dass Imam Samudra, Amrozi Nurhasyim und Ali Ghufron an diesem Mittwoch oder Donnerstag hingerichtet werden könnten. Vermutet wird, dass die Regierung die Wahlen in den Vereinigten Staaten als geeigneten Zeitpunkt betrachtet, weil sie die Aufmerksamkeit von der Exekution abziehen. Die indonesischen Behörden befürchten, dass Gesinnungsgenossen der Islamisten nach der Hinrichtung gewaltsame Protestaktionen beginnen könnten. Die Polizei riegelte bereits den Hafen der südjavanischen Stadt Cilacap ab, der gegenüber dem "Nusakambangan"-Gefängnis liegt, wo die Todeskandidaten einsitzen. Demonstranten sollen unter anderem mit Elektrozäunen zurückgehalten werden. Das australische Außenministerium sprach eine Reisewarnung aus.

Bei den Anschlägen vom Oktober 2002 waren insgesamt 202 Personen getötet worden, die sich in zwei Nachtclubs auf der indonesischen Urlaubsinsel Bali aufgehalten hatten. Unter den 164 ausländischen Opfern befanden sich 88 Australier. Auch sechs Deutsche wurden in den Tod gerissen. Dutzende Verdächtige wurden in den Monaten nach den Anschlägen verhaftet und verurteilt, drei von ihnen zum Tode. Während des Prozesses in Bali im Jahr 2003 hatten sich Samudra, Amrozi und Ghufron als Märtyrer stilisiert und ihren Tod begrüßt. In den Jahren danach unternahmen ihre Anwälte aber immer wieder Versuche, die Exekution aufzuschieben.

Die Staatsanwaltschaft hatte Ende vergangenen Monats angekündigt, dass die Exekution im "frühen November" stattfinden würde und die Rechtsmittel ausgeschöpft seien. Eine abermalige Eingabe der Anwälte wurde Anfang der Woche von einem Verfassungsrichter zurückgewiesen. Kurz zuvor hatte das Verfassungsgericht einen damit in Verbindung stehenden Antrag der Delinquenten abgewiesen, durch Enthauptung getötet zu werden. Geplant ist nach Auskunft der Justizbehörden, dass die drei Häftlinge zur selben Zeit an verschiedenen Orten von Erschießungskommandos hingerichtet werden. Sie sollen inzwischen in eine Sonderzelle verlegt worden sein. Unklar ist, ob den Angehörigen ermöglicht wird, von den Delinquenten Abschied zu nehmen. Am Montag waren sie an der Gefängnispforte abgewiesen worden.

Text: F.A.Z.

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