
Wenn man sich vor Augen führt, dass vier von fünf potentiellen Wählern der "neuen" Linkspartei selbst angeben, die Partei bei einer vorgezogenen Linkspartei nicht wegen programmatischer Inhalte sondern aus Protest gegen die Politik der anderen Parteien zu wählen - ist es dann so verkehrt, von Frustrierten als dominante Wählerschaft dieser Partei zu sprechen? Und wenn, gemäß den aktuellen Umfragewerten der demoskopischen Institute, diese Partei in den nicht mehr so neuen Bundesländern knapp sechsmal so viele Stimmen erhält wie in den alten Bundesländern, kann man dann nicht mit Fug und Recht davon sprechen, dass die Zahl der Frustrierten in "Ost"-Deutschland deutlich höher ist als im "Westen"? Aufgepasst, diese These bedeutet nicht, dass "der Ostdeutsche" mit "dem Frustrierten" gleichzusetzen ist!
Genau diese Pauschalisierung erfolgt derzeit aber auf breiter Front, aus verschiedenen Gründen. Statt in ein reflexartiges, mediengestütztes Aufheulen einzustimmen sollten sich verantwortliche Politiker in Ost und West lieber überlegen, wie diese erschreckend hohe Zahl an Frust-Protest-Wählern dazu gebracht werden kann, konstruktiv von Ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, anstatt Populisten den Weg zu ebnen und den Niedergang Deutschlands damit voranzutreiben.
Hätte Stoiber statt von Klugheit von "politischer Klugheit", also dem verantwortungsbewuten Umgang mit der eigenen Wählerstimme gesprochen, wäre vielleicht klarer geworden, an und gegen sich seine Worte richten.