Kommentar

Ausbruch

17. März 2004 Im kosovarischen Mitrovica verbinden sich die albanisch-serbischen Konflikte wie unter einem Brennglas: An eine Versöhnung zwischen wechselseitig vertriebenen Serben und Albanern ist nicht zu denken, zu schweigen von einem wirtschaftlichen Aufbau, der die verfeindeten Volksgruppen zu einem Neuanfang veranlassen könnte.

Es reicht ein Gewaltausbruch wie der vom Mittwoch, um die Protektoratskonstruktion des Kosovo wie ein Kartenhaus dastehen zu lassen: Die ausländischen Truppen geraten zwischen die Fronten zweier ethnischer Parteien, die offenbar nur darauf warten, die Zwecklosigkeit internationaler Bemühungen zu demonstrieren, sie in ein Korsett multiethnischen Miteinanders zu pressen.

Serbien pocht nach der Wahl Kostunicas zum Ministerpräsidenten auf eine Kantonalisierung der Provinz, um sie nicht vollends zu verlieren. Die Albaner könnten damit nur dann leben, schlösse es für sie die Möglichkeit nicht aus, sich mit dem Großteil des Kosovo endlich von Serbien loszusagen. Die Motive beider Seiten widersprechen sich - ein Grund, aus der verfahrenen Situation (wieder) den Weg der Gewalt zu suchen. Der unentschiedenen EU und den Vereinten Nationen droht die Kontrolle zu entgleiten.



Text: kum.; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2004, Nr. 66 / Seite 10

 
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