Irak

FBI untersucht Anschlag von Nadschaf

Schiiten trauern um al-Hakim

Schiiten trauern um al-Hakim

01. September 2003 Die amerikanische Bundeskriminalpolizei FBI schaltet sich in die Untersuchung des Anschlags vor der Moschee in der irakischen Pilgerstadt Nadschaf ein. Ein Expertenteam des FBI soll die irakische Polizei bei der Ermittlungsarbeit unterstützen. Das FBI werde bei der gerichtsmedizinischen Analyse der Beweisstücke helfen und auch anderweitig tätig werden, kündigte ein FBI-Sprecher am Sonntag in Washington an. FBI-Beamte sind auch in die Aufklärung der Attentate gegen das UN-Hauptquartier und die jordanische Botschaft in Bagdad eingebunden.

Der Gouverneur von Nadschaf, Haidar al-Majali, sagte am Sonntag, die Polizei habe fünf Iraker als Verdächtige festgenommen. Insegsamt hatte die irakische Polizei hatte bis Samstag nach eigenen Angaben 19 Verdächtigte festgenommen, darunter mehrere Ausländer. Alle hätten Verbindungen zum gestürzten Regime von Saddam Hussein. Eine mögliche Verwicklung des Terrornetzwerks Al Qaida von Usama bin Ladin werde untersucht. Bei dem Attentat von zwei Autobomben mit rund 700 Kilogramm Sprengstoff seien außer dem schiitischen Religionsführer Ajatollah Mohammed Baqir al-Hakim nach jüngsten Angaben 124 andere Menschen ums Leben gekommen, sagte al-Majali.

Das saudi-arabische Außenministerium wies unterdessen Berichte über eine Verwicklung eigener Staatsangehöriger in den blutigen Anschlag in Irak zurück. Diese Berichte stützten sich auf keinerlei Beweise, sagte am Sonntag ein Vertreter des Ministeriums. Falls diese Quellen in Irak Beweise hätten, sollten sie diese doch vorlegen, ansonsten aber keine unbewiesenen Behauptungen aufstellen, erklärte der Sprecher weiter. Unter den festgenommenen Verdächtige befinden sich auch mehrere Saudi-Araber.

General warnt vor „Bürger- und Religionskrieg“

Der amerikanische General und ehemalige Nahost-Gesandte Anthony Zinni warnte vor einem „Bürger- und Religionskrieg“ im Irak. Die Lage im Irak könnte nach dem Anschlag von Nadschaf innerhalb weniger Wochen außer Kontrolle geraten, sagte er der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“. „Die Vereinigten Staaten verfügen nicht über genügend Ressourcen noch Personal für die Sicherheit und den Wiederaufbau des Irak zu gewährleisten“, meinte Zinni. Ein „massives Eingreifen“ der internationalen Gemeinschaft sei nötig, fügte er hinzu. Zugleich müsse ein „echte irakische Regierung“ eingesetzt werden.

Am Sonntag hatten tausende Schiiten an Trauermärschen für Baqir al-Hakim teilgenommen. Die Prozession mit einem mit schwarz-grünem Tuch verhüllten Sarg an der Spitze begann an der Imam-al-Chadam-Moschee am Tigris-Ufer in Bagdad. Dann bewegte sie sich in Richtung der den Schiiten heiligen Stadt Kerbela, rund 80 Kilometer südlich der Hauptstadt.

Kritik an Amerika

Die amerikanischen Truppen hielten sich im Hintergrund. Die Sicherheit lag in den Händen von Milizen des Obersten Rates für die Islamische Revolution im Irak (Sciri) - der Organisation, die Baqir al-Hakim geführt hatte. Es gab keine Berichte über Zwischenfälle. In einer Ansprache kritisierte der Bruder des Ermordeten, Abdelaziz al-Hakim, scharf die amerikanischen Besatzungstruppen und ihre Politik. „Die Besatzungstruppen sollten für das in Bagdad, Nadschaf und anderswo vergossene irakische Blut verantwortlich gemacht werden“, sagte Abdelaziz al-Hakim, der dem Provisorischen Regierungsrat angehört und seinem Bruder als Chef des Sciri nachfolgen wird. „Sie haben uns von Anfang an gesagt, daß sie für die Sicherheit verantwortlich seien, aber sie haben ihr Versprechen gebrochen. Sie sollten die bislang verfolgte Politik aufgeben.“

Der Sarg Hakims soll am Dienstag feierlich in Nadschaf beigesetzt werden. Der Provisorische Regierungsrat hat eine dreitägige Staatstrauer verkündet. Die Spannungen in der Stadt sind gestiegen. Am Sonntag eröffneten die Leibwächter eines anderen Geistlichen das Feuer auf ein Fahrzeug, das mit hoher Geschwindigkeit an dem Haus des Mullahs vorbeifuhr. Dabei wurden die beiden Insassen getötet, meldete CNN.

Schüsse auf amerikanische Soldaten

Amerikanische Soldaten gerieten am Sonntag im Irak erneut unter Beschuß, meldete der arabische Fernsehsender Al Dschazira. Der amerikanische Stützpunkt in der Stadt Al-Huweija nordöstlich von Bagdad wurde mit Panzerfäusten angegriffen. Ein weiterer Angriff richtete sich gegen einen amerikanischen Militärkonvoi westlich von Bagdad. Ziel der dritten Attacke war laut Al Dschasira ein Straßenkontrollpunkt westlich der Stadt Hit. Es gab keine Todesopfer.

Der Übergangsrat im Irak hat derweil nach Angaben eines seiner Mitglieder die 25 Minister nominiert, die das erste Kabinett nach dem Sturz von Saddam Hussein bilden sollen. Wie Jonnadam Jussef Kanna am Montag mitteilte, entspricht die konfesssionelle und ethnische Zusammensetzung des Kabinetts derjenigen des Übergangsrats: 13 schiitische und fünf sunnitische Araber, fünf Kurden, sowie jeweils ein Mitglied der christlichen und der turkmenischen Volksgruppe.

Text: dpa, AP
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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