Antisemitismus-Affäre

Entlassener General Günzel erwägt Klage gegen Struck

Verteidigungsminister Peter Struck

Verteidigungsminister Peter Struck

08. November 2003 Der seines Kommandos enthobene General Reinhard Günzel hat den gegen ihn erhobenen Vorwurf des Antisemitismus als „aberwitzig“ zurückgewiesen. Der Offizier erwägt nach einem Bericht von „Bild am Sonntag“ auch eine Klage gegen Bundesverteidigungsminister Peter Struck, der Günzel nach dessen Lob für eine umstrittene Rede des CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann entlassen hatte.

Günzel sagte der Zeitschrift „Focus“, der Text der Rede, die Hohmann ihm zugesandt hatte, sei nach seiner „festen Überzeugung nicht antisemitisch“ gewesen. Er räumte aber ein, daß ein von dem CDU-Politiker gezogener Vergleich zwischen Verbrechen von Deutschen und Juden zur Vorsicht hätte mahnen müssen. Sein Ruf sei jedoch „in übler Weise beschädigt“ worden, fügte er in „Bild am Sonntag“ hinzu. Er überlege, ob er gegen Struck wegen Rufschädigung klage.

Ihm sei klar, daß Struck Generale ohne Angabe von Gründen entlassen könne. Doch wehre er sich dagegen, daß Struck ihn als „verwirrt“ bezeichnet habe. Reportern des ZDF-Magazins „Frontal“ warf Günzel vor, seinen Brief an Hohmann abgefilmt und dem Verteidigungsministerium zur Verfügung gestellt zu haben. Damit sei das Briefgeheimnis „verletzt und Hohmann übel gelinkt“ worden. Als Kommandeur der Elitetruppe Kommando Spezialkräfte (KSK) habe er stets die Zusammenarbeit mit Israel gefördert, sagte Günzel. Mit einem israelischen General sei er befreundet. Im vergangenen Jahr habe er in der Gedenkstätte Jad Vaschem einen Kranz niedergelegt.

Nach dem sächsischen Bundestagsabgeordneten Henry Nitzsche wurde inzwischen ein weiteres Mitglied der Unionsfraktion mit Bemerkungen über Ausländer zitiert. Die „Frankfurter Rundschau“ berichtete am Samstag, der Karlsruher CDU-Abgeordnete Axel Fischer habe die durch Einwanderung geprägte Bevölkerungsentwicklung in Großstädten als „Horrorszenario“ bezeichnet. Fischer habe erklärt, die Generation der unter 40jährigen stelle sich die Frage, wie sie sich in die „neue Mehrheitsgesellschaft“ von Einwanderern integrieren solle. Nitzsche war zuvor durch abfällige Bemerkungen über das vermeintliche Wahlverhalten von Türken und Muslimen in die Kritik geraten.

Text: AP
Bildmaterial: AP

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