17. Juli 2003 Die amerikanischen Soldaten im Irak müssen sich aus Sicht ihres Oberbefehlshabers einem klassischen Guerillakrieg stellen. Anti-amerikanische Kämpfer und auch Terrorgruppen seien inzwischen immer besser organisiert, sagte der aus Libanon stammende General John Abizaid, der seit vergangener Woche das Oberkommando Mitte befehligt, im Pentagon in Washington.
Zwar handele es sich der Militärdoktrin Washingtons zufolge um einen Konflikt geringer Intensität. Wie immer man es auch beschreibt, es ist ein Krieg", sagte Abisaid. Wir müssen uns an ihre Taktiken, Techniken und Methoden anpassen".
Abizaid sagte, auf regionaler Basis hätten Mitglieder des früheren Saddam-Regimes Zellen gebildet, die einen Feldzug nach klassischer Guerilla-Art gegen uns führten. Sollte die Lage im Irak bedrohlicher werden, werde er notfalls mehr Soldaten aufbieten. Bis auf weiteres werde an der Truppenstärke von 148.000 Amerikanern und 13.000 Mann anderer Koalitionskräfte festgehalten.
Überraschende Bemerkung
Nach Einschätzung Abizaids müssen sich seine Soldaten auf noch mehr Angriffe sowohl von islamistischen Terroristen als auch von Anhängern des früheren Staatschefs Saddam Hussein einstellen, die beide den Übergang des Landes zu einer Demokratie sabotieren wollten. Damit könne die amerikanische Streitmacht aber umgehen, sagte er. Sie werden uns nirgends vertreiben.
Die Bemerkung Abizaids über einen Guerillakrieg kam für Beobachter überraschend, weil Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den Begriff noch in der vergangenen Woche abgelehnt hatte. Für eine Guerilla-Taktik seien die Angriffe auf die Truppen zu sporadisch und zu unorganisiert, meinte der Politiker.
Angesichts der anhaltenden Angriffe im Irak wird bei den Vereinten Nationen hinter verschlossenen Türen über eine internationale Stabilisierungstruppe mit UN-Mandat diskutiert. Das bestätigte UN-Generalsekretär Kofi Annan am Mittwoch. Es gehe darum, ob der Sicherheitsrat die UN- Aktivitäten (im Irak) erweitert und möglicherweise an die Mitgliedstaaten appelliert, Truppen, Polizisten und andere Ressourcen für die Stabilisierung des Irak zur Verfügung zu stellen, sagte Annan.
Fischer bietet humanitäre Hilfe an
Deutschland lehnt ein militärisches Engagement im Irak ab. Doch Außenminister Joschka Fischer bot in Washington abermals eine Beteiligung an humanitärer Hilfe und dem wirtschaftlichen Wiederaufbau an, wenn die Voraussetzungen dafür geklärt seien.
Fischer kam am Donnerstag im Weißen Haus mit dem amerikanischen Vizepräsidenten Dick Cheney zusammen. Anschließend betonte er, Washington sei für die Sicherheit der Europäer zentral, wie auch die Europäer für die Sicherheit der Vereingten Staaten. In der Frage der Truppenentsendung nach Irak machte er allerdings keine Zusagen. Er verwies auf die Äußerungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), wonach ohne ein UN-Mandat kein Bundeswehreinsatz in Irak in Erwägung gezogen werden könne.
Text: @tor, @gf
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