18. März 2006 Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht die zu langen Ausbildungszeiten als einen Grund für die sinkende Geburtenrate in Deutschland. In den letzten 30 Jahren ist das Zögern, ein Kind in die Welt zu setzen, immer größer geworden. Das hat auch damit zu tun, daß Deutschland zu einer Insel der Langsamkeit geworden ist mit unendlich langen Ausbildungszeiten, sagte die Ministerin in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.).
In Deutschland seien junge Menschen 29 Jahre alt, wenn sie nach ihrer Ausbildung an das Kinderkriegen dachten. In Frankreich oder England hingegen schlössen sie schon mit 23 Jahren ihr Studium ab. In diesem Alter ist man noch viel risikofreudiger, auch naiver. Da ist man eher bereit, Kinder in die Welt zu setzen, sagte von der Leyen. Die Ministerin wandte sich gegen Diskussionen über ein bevorzugtes Familienmodell. Patchwork-Familien genießen genauso meine Anerkennung wie andere Formen des familiären Zusammenlebens, weil sie alle Verantwortung für Kinder übernehmen, sagte von der Leyen. Debatten über dieses oder jenes Modell seien deshalb müßig.
Die große Koalition hat die Familienpolitik zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit erklärt. Innerhalb der Europäischen Union (EU) ist die Geburtenrate zurzeit nur in Tschechien, Polen und Griechenland niedriger als in Deutschland. Nach einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Studie ist sie in Deutschland auf den niedrigsten Stand der Nachkriegszeit gesunken. Der Trend werde sich noch verstärken, so daß ohne ein Gegensteuern im Jahr 2050 nur noch etwa halb so viele Kinder geboren würden wie im Jahr 2005.
Das vollständige Interview mit Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen lesen Sie in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 19. März 2006
Text: F.A.S.
Bildmaterial: dpa/dpaweb