Bundestagswahl

Einigung: Es wird nur ein Fernsehduell geben

Schlagabtausch auf vier Kanälen

Schlagabtausch auf vier Kanälen

03. August 2005 Bundeskanzler Gerhard Schröder und die Kanzlerkandidatin der Union, Angela Merkel, bestreiten im Wahlkampf lediglich ein Streitgespräch im Fernsehen. Es findet zwei Wochen vor der Bundestagswahl, am 4. September, in Berlin statt und soll 90 Minuten dauern.

Sendebeginn wird um 20.30 Uhr sein - ARD, ZDF, RTL und Sat.1 werden live übertragen. Das vereinbarten Vertreter von SPD und Union sowie der großen privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehsender am Mittwoch in Berlin. Die Sendung aus den Fernsehstudios in Berlin-Adlershof wird von vier Moderatoren geleitet: Für die ARD ist Sabine Christiansen dabei, für das ZDF Maybrit Illner, für RTL Peter Kloeppel und für SAT.1 Thomas Kausch.

Vor der abschließenden Verhandlung hatte sich schon das Einlenken der SPD und des Kanzleramtes angedeutet: „Wenn Frau Merkel weder Zeit noch Mut hat, an zwei Fernsehduellen teilzunehmen, dann wird es eben nur eines geben“, sagte Regierungssprecher Anda. Der Kanzler wäre gerne bereit gewesen, dem Wunsch der Fernsehsender nach zwei Rededuellen zu folgen.

Unionspolitiker drängten Merkel zu zweitem Rededuell

Kurz vor diesen Verhandlungen hatten auch Politiker aus dem Unionslager ihrer Kanzlerkandidatin geraten, ein zweites Fernsehgespräch mit Schröder zu führen. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Josef Göppel hatte der „Bild“-Zeitung gesagt, er empfehle Merkel sehr, zwei Duelle zu absolvieren. Merkel brauche sich mit ihren Argumenten nicht zu verstecken, sagte Göppel. Der CDU-Bundestagabgeordnete Siegfried Helias sagte der Zeitung, es lohne sich in jedem Fall für Merkel, zu zeigen, daß sie die bessere Kandidatin sei, wenn sie „irgendwie die Zeit findet“. Die der CDU angehörende Kommunikationsberaterin Gertrud Höhler sagte: „Angela Merkel hat einen Sympathiebonus, sie kann auf den „Good will“ des ganzen Landes setzen. Warum das nicht zweimal ausspielen?“

Die Unionsspitze hatte ein zweites Duell Merkels mit Schröder mit dem Hinweis auf Zeitmangel abgelehnt. CDU-Generalsekretär Volker Kauder bekräftigte diese Haltung am Mittwoch. „Das ist alles ein Zeitproblem“, sagte Kauder im ZDF. Merkel habe in allen Bundesländern Wahlkampfauftritte zu absolvieren und sei auch in anderen TV-Formaten als einem direkten Rededuell mit dem Kanzler präsent. Ein Duell reiche zudem aus, um die politischen Positionen deutlich zu machen.

Möglichst lebendig und spontan

Nun stehen die Regularien für das Duell Schröder - Merkel also fest: Durch die verschiedenen Themenkomplexe werde jeweils ein Moderatorenpaar führen, kündigten die Sender an. Über die Zusammenstellung der Paare werde noch entschieden.

Im Unterschied zum vergangenen Bundestagswahlkampf solle es diesmal kein strenges Zeitreglement geben. Alle Beteiligten seien sich einig gewesen, daß das Duell möglichst „lebendig und spontan verlaufen“ solle, hieß es. Die Moderatoren sollten lediglich auf etwa gleichgewichtige Redeanteile achten.

Schon vor den abschließenden Beratungen hatte sich abgezeichnet, daß als Kompromiß im Streit über Anzahl und Gestaltung der „Fernsehduelle“ ein einziges Gespräch in Überlänge vereinbart werden könnte. „Wir haben uns zwei Duelle gewünscht“, erklärte ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann. „Aber wir akzeptieren das Ergebnis der Gespräche und machen uns jetzt an die Umsetzung.“

Kanzler: „Kein Staatsaktion“

Schröder selbst hatte vor den abschließenden Beratungen der Sendern und Sekundanten eingelenkt: „Man sollte daraus nicht das eigentliche Ereignis der Wahlauseinandersetzung machen“, sagte er vor der Entscheidung. Er komme „zur Not auch alleine“ und sehe das alles „nicht so problematisch“. Die Praxis der Fernsehduelle nach amerikanischem Vorbild habe sich im Wahlkampf 2002 bewährt und sei eine „gute Übung“ gewesen, sagte Schröder. Er hätte sich vorgestellt, daß diese Übung fortgesetzt werde.

Gleichwohl hatte Schröder die Sender auch aufgefordert, die Haltung Merkels nicht zu akzeptieren. Wenn die CDU-Vorsitzende sage, sie habe für ein zweites Duell keine Zeit, sei dies ein vorgeschobenes Argument. „Es ist letztlich Sache der Sendeanstalten, ob sie sich von der CDU diese Informationsverweigerung bieten und an der Nase herumführen lassen oder nicht“, hatte Schröder der in Mainz erscheinenden „Allgemeinen Zeitung“. anvertraut.

Die Veranstaltung sollte jedoch nicht von Inhalten ablenken. „Wir sollten daraus keine Staatsaktion machen.“ Schröder vertrat die Ansicht, der Streit sei eher eine Frage, die das Selbstbewußtsein der Sender und Journalisten berühre. 2002 seien beide Debatten von 15 Millionen Zuschauern gesehen worden. „Es war der dringlichste Wunsch der Union seinerzeit, daß diese Diskussionen stattfanden.“ Im Wahlkampf 2002 hatten sich Schröder und der damalige Kanzlerkandidat Edmund Stoiber je ein Fernsehduell im öffentlich-rechtlichen und im Privatfernsehen geliefert.

Duell auch mit Lafontaine?

Die SPD-Abgeordnete Sigrid Skarpelis-Sperk brachte dagegen eine neue Variante ins Spiel, indem sie Schröder ein TV-Duell mit seinem Widersacher Oskar Lafontaine (WASG) empfahl.

Die Politikerin sagte „Bild“: „Ich fände es gut, wenn der Kanzler nicht nur mit Angela Merkel, sondern auch mit Oskar Lafontaine im Fernsehen diskutieren würde. Für Wähler wäre das dann eine klare Alternative.“

(Siehe auch: )

Text: FAZ.NET mit Berichten von Reuters, dpa
Bildmaterial: ddp

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben

Ist die Pkw-Maut gerecht?

Ergebnis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche