20. Mai 2001 Ehemalige Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF) haben sich nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft zu einer neuen Terrorgruppe zusammengeschlossen. Zu der Gruppe, die spätestens im April 1999 gegründet worden sei, sollen die ehemaligen Mitglieder der RAF-Kommandoebene Daniela Klette und Ernst- Volker Staub gehören, wie die Bundesanwaltschaft am Samstag in Karlsruhe mitteilte.
Der Verdacht gründet sich unter anderem auf Speichelspuren in Gesichtsmasken, die bei einem Überfall auf einen Geldtransporter im Juli 1999 in Duisburg verwendet wurden. Der Überfall, bei dem rund eine Million Mark erbeutet wurde, trage alle Merkmale einer terroristischen Beschaffungstat, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke-Katrin Scheuten.
Alte RAF-Logistik intakt
Die Behörde geht Scheuten zufolge davon aus, dass die neue Terrorgruppe die Logistik der alten RAF benutze,
darunter konspirative Wohnungen, gefälschte Ausweise oder bis heute unentdeckte RAF-Waffendepots. Die
Bundesanwaltschaft halte es zudem für lebensfremd anzunehmen, dass ehemalige RAF-Kader ihr Leben nun als normale Schwerkriminelle ohne revolutionäres Ziel verbringen. Die Bundesanwaltschaft bestätigte damit einen
entsprechenden Bericht des Hamburger Nachrichtenmagazins Der Spiegel. Scheuten betonte, dem Verdacht stehe auch
nicht die Auflösungserklärung der RAF entgegen.
An dem Überfall in Duisburg waren laut Bundesanwaltschaft neben dem 46-jährigen Staub und der 44-jährigen Klette zwei weitere unbekannte männliche Täter beteiligt. Sie waren mit einer Panzerfaust und einem Schnellfeuergewehr bewaffnet und hatten neun Geldkoffer mit mindestens einer Millionen Mark erbeutet. An den zuvor gestohlenen Fluchtfahrzeugen hatten die Täter in RAF-Manier Doubletten-Kennzeichen von tatsächlich existierenden baugleichen Autos angebracht.
Neue Erkenntnisse durch DNS-Tests
Dank neuer Analysemethoden ist es der Bundesanwaltschaft zufolge nun gelungen, die Speichelreste an den Masken sowie weitere Abriebspuren dem DNS-Profil von Klette und Staub zuzuordnen. Der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof hatte deshalb gegen die beiden bereits im vergangenen November erweiterte Haftbefehle wegen schweren Raubes und Mitgliedschaft in einer neuen Vereinigung erlassen, deren Zwecke und und Tätigkeiten darauf gerichtet sind, Mord und Totschlag zu begehen.
Das Bundeskriminalamt plant nun weitere DNS-Tests zu den 19 Anschlägen der RAF. Hierzu gehörten auch rund 50 Haare, die am Tatort des 1989 ermordeten Bankiers Alfred Herrhausen gefunden worden seien. Mehr als zehn Jahre nach dem RAF-Attentat auf Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder in Düsseldorf war in der vergangenen Woche bekannt geworden, dass durch eine neuartige Genanalyse nun eine heiße Spur auf eine Tatbeteiligung des mutmaßlichen RAF-Terroristen Wolfgang Grams schließen lasse. Eine Haarspur am Tatort konnte den Ermittlern zufolge zweifelsfrei Grams zugeordnet werden, der am 27. Juni 1993 unter nie ganz geklärten Umständen bei einer Polizeiaktion gegen die RAF in Bad Kleinen ums Leben gekommen war.
Text: @dho, mit Material von dpa
Bildmaterial: dpa
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