07. August 2005 Zweieinhalb Wochen nach den fehlgeschlagenen Terroranschlägen vom 21. Juli hat die britische Polizei einen der mutmaßlichen Attentäter formell des versuchten Mordes beschuldigt. Yassin Hassan Omar soll am Montag vor Gericht in London erscheinen, wie die Polizei mitteilte. Ein in Sambia festgenommener Terrorverdächtiger wurde am Sonntag nach Großbritannien abgeschoben. Die britische Regierung verteidigte unterdessen ihr geplantes drastisches Vorgehen gegen Haßprediger.
Dem 24 Jahre alten Omar werde Verschwörung zur Ermordung von Passagieren des öffentlichen Nahverkehrs und der Besitz von Sprengstoff vorgeworfen, erklärte die Londoner Polizei. Omar wurde am 26. Juli in Birmingham festgenommen. Zwei weitere mutmaßliche Attentäter wurden zwei Tage später in Londongefaßt, ein vierter in Rom.
Leibwächter von Usama bin Ladin?
Wie das sambische Innenministerium mitteilte, verließ der Terrorverdächtige Haroon Rashid Aswat das Land am Sonntag vormittag in einem von Großbritannien bereitgestellten Flugzeug. Aswat war am 20. Juli festgenommen worden. Er soll Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Qaida haben. Ob der Brite indischer Herkunft auch in die Terroranschläge von London verstrickt ist, ist aber noch unklar. Britische Zeitungen berichteten unter Berufung auf Sicherheitskreise, die Ermittler gingen nicht von einer Beteiligung Aswats aus.
Der 31jährige Verdächtige wurde in Sambia wegen mehrerer Telefongespräche verhört, die er mit einigen der mutmaßlichen Selbstmordattentäter vom 7. Juli geführt haben soll. Auch von britischen und amerikanischen Ermittlern soll er befragt worden sein. Gegenüber sambischen Ermittlern gab Aswat an, Leibwächter von Al-Qaida-Chef Usama bin Ladin gewesen zu sein.
Blair will Konsens für Anti-Terror-Gesetze
Der britische Premierminister Tony Blair bemüht sich seit der Terrorserie in London um einen breiten politischen Konsens für die neuen geplanten Anti-Terror-Gesetze. Unter anderem sollen Ausländer, die Gewalt und Terror verherrlichen, ausgewiesen und religiöse Fanatiker nicht ins Land gelassen werden. Moscheen, die mit Extremisten in Verbindung stünden, sollen geschlossen werden. Notfalls will die Regierung dafür auch die Grundrechte ändern.
Die Anschläge vom 7. Juli mit 52 Toten hätten gezeigt, daß die Regierung gegen das Anwerben von Selbstmordattentätern vorgehen müsse, sagte Lordkanzler Charles Falconer. Kritiker fürchten dagegen eine weitere Entfremdung der britischen Muslime. Auch der Vorsitzende der Liberaldemokraten, Charles Kennedy, warnte, die Maßnahmen könnten die 1,8 Millionen gesetzestreue Muslime vor den Kopf stoßen. Die Sicherheit der Bürger müsse auf jeden Fall gewährleistet werden, betonte Kennedy. Dabei dürften aber die Bürgerrechte und die Redefreiheit nicht in Gefahr geraten.
Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: dpa/dpaweb