11. November 2004 Der niederländischen Polizei sind innerhalb von 24 Stunden während ihrer Anti-Terror-Razzia acht Verdächtige ins Netz gegangen. Nach der spektakulären Aktion in Den Haag, bei der zwei Beamte durch die Explosion einer Handgranate schwer verletzt wurden, wurden fünf weitere Männer in Amsterdam und Amersfoort festgenommen. Zur Identität der Festgenommen und der Frage, ob sie untereinander in Verbindung standen, teilten die Behörden bisher nichts mit.
Nach mehr als zwölf Stunden dauernder Belagerung hat die niederländische Polizei am Mittwoch ein Haus in Den Haag gestürmt, in dem Anhänger einer radikal-islamischen Terroristen-Gruppe vermutet wurden. Wie ein Polizeisprecher am Mittwochabend mitteilte, wurde dabei einer der Verdächtigen an der Schulter verletzt und in ein Krankenhaus gebracht.
Zwei Polizisten erlitten schwere, aber nicht lebensbedrohliche Verletzungen, die nach Angaben der Staatsanwaltschaft von der Explosion einer Handgranate herrührten. Außerdem seien die Beamten aus dem Gebäude beschossen worden. Die Polizei riegelte daraufhin das Stadtviertel weiträumig ab und zog Sondereinsatzkräfte der niederländischen Streitkräfte zur Verstärkung heran. Der Luftraum über Den Haag wurde bis zu einer Höhe von etwa 700 Metern gesperrt. Das Viertel im Zentrum der Stadt ist inzwischen wieder freigegeben worden. Die Bewohner, die die Nacht zum Donnerstag in einem Schulgebäude verbracht haben, konnten in ihre Häuser zurückkehren.
Anschläge auf Moscheen und Schulen
Ob der Einsatz im Zusammenhang mit dem Mordanschlag auf den Autor und Filmemacher Theo van Gogh stehe, wollte ein Polizeisprecher nicht bestätigen. Seit dem Tod van Goghs hält jedoch eine Welle der Gewalt die Niederlande in Atem. Nur wenige Stunden nach van Goghs Einäscherung setzten Unbekannte eine muslimische Schule im südniederländischen Ort Uden in Brand. Auf den Mauern standen die Worte Theo ruhe in Frieden geschrieben.
Van Gogh war am Dienstag vergangener Woche von einem Niederländer marokkanischer Herkunft auf offener Straße erschossen worden. Der Attentäter hatte nach Regierungsangaben aus radikal-muslimischen Motiven gehandelt. Der Anschlag auf die Schule wird von den Behörden als Vergeltungsakt gesehen, da der Van-Gogh-Attentäter ein islamischer Fundamentalist sein soll.
Bereits am Montag war eine Koranschule in Eindhoven durch einen Bombenanschlag schwer beschädigt worden. Zugleich hat es Übergriffe gegen christliche Kirchen gegeben. Am Dienstag abend brannte eine Kirche in Boxmeer. Am Vortag war versucht worden, vier andere Kirchen in den Niederlanden anzuzünden. In allen Fällen blieb der Schaden begrenzt. Die Gewalt hat in dem Land eine heftige Diskussion über seine bisherige Politik der Toleranz und Integration von Ausländern ausgelöst.
Balkenende: Spirale der Gewalt durchbrechen
Bei der Trauerfeier für Van Gogh hatte der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende am Dienstag zu einer Rückkehr der traditionellen Toleranz aufgerufen: Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren", sagte er. Wir müssen die Spirale der Gewalt und Unsicherheit durchbrechen. Diese Gewalt ist nicht zu akzeptieren. Ich bin verärgert, daß das hier geschieht. Die Niederlande waren immer ein Land mit Respekt für die verschiedenen Kulturen. Van Gogh hatte den Islam unter anderem für dessen Umgang mit Frauen scharf kritisiert.
Hunderte Menschen hatten in Amsterdam Abschied von dem am 2. November ermordeten Filmregisseur genommen. Angehörige und Freunde waren zu der im niederländischen Fernsehen direkt übertragenen Zeremonie im Krematorium zugelassen. Mehrere hundert Menschen verfolgten die Trauerfeier auf riesigen Bildschirmen vor dem Gebäude.
Text: Bc. / Frankfurter Allgemeine Zeitung / FAZ.NET mit Material von Reuters, dpa und afp
Bildmaterial: AP, dpa, dpa/dpaweb
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