04. Juli 2005 Die umstrittene Benutzung des Begriffs Fremdarbeiter durch Spitzenkandidat Oskar Lafontaine stellt offenbar keine Belastung für das neue Linksbündnis aus WASG und PDS dar.
Bei einem gemeinsamen Auftritt wiesen Lafontaine und PDS-Chef Lothar Bisky am Montag in Berlin Vorwürfe des Rassismus zurück. Beide erklärten zudem, es gebe zwischen den Wahlprogrammen keine inhaltlichen Widersprüche. Unterdessen gab der Schauspieler Peter Sodann (Tatort) seine Kandidatur für die PDS in Sachsen bekannt.
Eine infame Unterstellung
Lafontaine forderte abermals Beweise dafür, daß der Begriff Fremdarbeiter klassischer nationalsozialistischer Sprachgebrauch sei. Gleichzeitig gestand der WASG-Spitzenkandidat ein, er werde bei seiner Wortwahl zukünftig darauf achten, daß keine Mißverständnisse entstehen.
Bisky sagte, er sei nicht dazu da, Lafontaine den Filter vorzuhalten. Den früheren SPD-Vorsitzenden der Fremdenfeindlichkeit zu bezichtigen, sei jedoch eine infame Unterstellung.
Manifest der Unglaubwürdigkeit
Lafontaine sagte, man wolle drittstärkste Kraft im Bundestag werden. Er könne jeden Satz des PDS-Programms unterschreiben. CDU und CSU sprach er die Eignung ab, Regierungsverantwortung zu übernehmen. Das Wahlmanifest der SPD nannte er ein Manifest der Unglaubwürdigkeit. Der Linksschwenk der SPD sei völlig unglaubwürdig.
Bisky erklärte, der Entwurf des PDS-Wahlprogramms werde zum Sonderparteitag am 17. Juli vorgestellt. Er sei zuversichtlich, daß die Basis dann auch der Umbenennung in Linkspartei zustimmen werde. Er gestand Kritik aus den eigenen Reihen ein. Diese dürfe uns nicht daran hindern, die Kräfte der Linken zu bündeln.
Sodann tritt für PDS an
Beide kündigten an, sich stärker Künstlern und Kultur öffnen zu wollen und präsentierten den 69 Jahre alten Schauspieler Sodann als neuen Mitstreiter. Er soll am kommenden Wochenende im PDS-Landesverband Sachsen zum Spitzenkandidaten gekürt werden.
Sodann sagte, er werde als parteiloser Kandidat antreten, nachdem unter anderem Bisky und der ehemalige PDS-Chef Gregor Gysi ihn angesprochen hätten. Freiheit ist, sich für alles verantwortlich zu fühlen, deshalb bekenne er jetzt Farbe. Wenn er helfen könne, daß mit den Linken eine neues Gewicht in den Bundestag komme, würde er sich sehr freuen, sagte Sodann. Mit dem MDR habe bereits eine Verständigung stattgefunden, er werde seiner Tätigkeit als Tatort-Kommissar weiter nachgehen.
Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: AP, dpa