Interessenten für die Dresdner Bank

Wer hinter der China Development Bank steckt

Von Christoph Hein

Die Schnellbahn in Tianjin - nur eines der vielen Projekte, die die chinesisc...

Die Schnellbahn in Tianjin - nur eines der vielen Projekte, die die chinesische Staatsbank unterstützt. In ihrer Funktionsweise ist die CDB allenfalls mit der KfW vergleichbar

27. August 2008 Ganz gleich für welche chinesische Bank, die Übernahme der Dresdner Bank wäre der größte Brocken für jede von ihnen. Dass nun die Chinesische Entwicklungsbank (CDB) und keine der Geschäftsbanken am Hebel ist, erklärt sich einzig über die chinesische Industriepolitik: Peking will und muss seinen Finanzmarkt rasch internationalisieren. In der Heimat arbeiten die Staatsbanken inzwischen relativ erfolgreich. Im Weltmarkt aber sind sie kaum vertreten. Geld spielt auf diesem Weg keine Rolle – die Regierung hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sie willens ist, zur Stärkung der eigenen Volkswirtschaft und Industrielandschaft jeden Betrag in die Hand zu nehmen.

Erst im Januar hatte die China Investment Corp. (CIC), Chinas im Ausland so gefürchteter, aber noch junger Staatsfonds, der CDB 20 Milliarden Dollar übertragen. Die CDB ist ein Vehikel der Regierung in Peking. So arbeitet sie nicht etwa unter der Führung der Bankenaufsicht, sondern untersteht direkt dem chinesischen Staatsrat. Die CDB, die allenfalls mit der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau zu vergleichen ist – mit der die CDB auf mehreren Feldern zusammenarbeitet –, führt die Weisungen der Politik aus: Sie könnten lauten, durch die Übernahme oder eine große Beteiligung an der Dresdner Bank vor allem Fachwissen aus dem deutschen Bankwissen abzuschöpfen. Leerstellen haben die Chinesen immer noch in Feldern der Informationstechnologie oder des Managements.

Übernahmeversuche im Westen scheiterten immer wieder

Zugleich wäre die Übernahme ein Fanal: Den Chinesen, deren Übernahmeversuche im Westen immer wieder an politischen und gesellschaftlichen Vorbehalten scheitern, wäre damit auf einen Schlag der Sprung in ein wichtiges westliches Land gelungen. Interesse an einem Verkauf nach China aber dürfte auch der Allianz-Konzern haben: Er ringt seit Jahren darum, tiefer nach China vorzudringen. „Würde die Allianz die Dresdner Bank an China verkaufen, würden ihr dies die Chinesen auf ewig danken. Ihr stünden Tür und Tor in China offen“, sagt Horst Löchel, Leiter des Shanghai International Banking and Finance Institute. „Allerdings glaube ich, die Wahrscheinlichkeit liegt allenfalls bei 20 Prozent.“

Aufgrund der hohen Hürden könnte Peking die CDB ausgewählt haben, meint Löchel. „Als politische Bank erscheint sie im Ausland weniger aggressiv als eine der Geschäftsbanken.“ Unwahrscheinlich ist es nicht, dass die CIC auch aus diesem Grund die CDB mit der Milliardenspritze gestärkt hat. Die eigentlichen Aufgaben der Entwicklungsbank liegen auf anderer Ebene: Sie verfügt über keine Privat- oder Geschäftskunden im herkömmlichen Sinne. Gegründet wurde sie erst 1994. „Die CDB ist ein führender Spieler bei der Finanzierung von langfristigen Projekten, Infrastruktur und Schlüsselindustrien, die lebenswichtig für die Entwicklung der nationalen Wirtschaft sind“, stellt sich die Bank vor.

Beteiligt ist sie unter anderem auch an der Projektfinanzierung von Olympia in Peking und der Expo 2010 in Schanghai. Fast 2 Trillionen Yuan (199 Milliarden Euro) hat die Bank zu unterschiedlichen Konditionen bislang zur Verfügung gestellt. Widersprechen würde die Übernahme einer ausländischen Geschäftsbank den eigenen Statuten nicht: Die CDB werde „dauerhaft die internationale Kooperation suchen und die Umsetzung der staatlichen Strategie zur Globalisierung (Go global!) unterstützen“, heißt es da. „Die CDB wird sich in eine Finanzinstitution entwickeln, die den Markt durch den Einsatz staatlicher Kredite heranzieht, die Lösungsansätze für die Prioritäten der Regierung ausarbeitet und die in der Lage ist, Chinas Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.“ Auch ihr Gouverneur Chen Yuan ist ehrgeizig: „Wir wollen besser sein als die Geschäftsbanken, unsere Ergebnisse zählen zu den besten der Welt“, sagte der gut in der Partei vernetzte 62 Jahre alte Manager jüngst. Dank seiner Aufgabe, Geld auch in entlegenen Provinzen zu verteilen, hat er inzwischen viele Freunde. Seit einer Dekade führt er das Institut nun.

Spekulationen über die Verleihung einer Lizenz als Geschäftsbank

Schon länger wird in den Bankenkreisen der Volksrepublik spekuliert, die CDB solle eine Lizenz als Geschäftsbank verliehen bekommen. Eine Übernahme einer Filialbank dürfte dieses wohl bedingen. Im Vordergrund aber steht die Aufgabe, Vorreiter für die nächste Entwicklungsstufe des chinesischen Bankwesens zu werden, die Internationalisierung in großem Stile. Vorreiter auf diesem Weg war bislang die CIC. Sie beteiligte sich mit 3 Milliarden Dollar glücklos am Börsengang des Finanzinvestors Blackstone in Amerika und mit 5 Milliarden Dollar an Morgan Stanley. Die Internationalisierung hat Chen auch seinem eigenen Haus verordnet: „In der Zukunft wird die Bank sich darauf konzentrieren, eine im internationalen Vergleich erstklassige Finanzinstitution zu werden mit einem herausragenden Marktauftritt.“

Ein erster Schritt auf diesem Weg war der Erwerb von 3,1 Prozent an der britischen Barclays Plc für 1,5 Milliarden Pfund (1,9 Milliarden Euro). An ihr hält auch der Singapurer Staatsfonds Temasek 2 Prozent. Allerdings zahlte sich die Investition bislang nicht aus, da der Aktienkurs von Barclays im Zuge der Finanzkrise einbrach. Gleichwohl schossen die CDB und andere Aktionäre im Juni weiteres Kapital nach. Allerdings verwehrten Chinas höchste Gremien in – wie sich inzwischen erwies – weiser Voraussicht den Versuch der CDB, im Januar für 2 Milliarden Dollar bei der Citigroup einzusteigen. Der innerchinesische Disput darüber wurde in Bankenkreisen aufmerksam verfolgt und diente nicht dem Ruf der CDB als Investor.

Die Werte lassen sich in China politisch steuern

Stimmen die Angaben, sehen die Zahlen der CDB freilich gut aus: Ende vergangenen Jahres hatte die CDB ein Anlagevolumen von 2,9 Billionen Yuan, 25,1 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Reingewinn stieg auf 29,6 Milliarden Yuan, der Anteil uneinbringlicher Kredite lag bei 0,59 Prozent. Schon vor der Finanzspritze der CIC verfügte die CDB über eine Kernkapitalquote von 12,8 Prozent – 8 Prozent sind die Voraussetzung für die Kommerzialisierung eines Institutes.

All diese Werte aber lassen sich in China mit einem Federstrich politisch steuern. Wirklich wichtig ist nur die richtige strategische Ausrichtung der Unternehmen. Wie heißt es in den Richtlinien der CDB? „Die Bank strebt danach, Pionier, Schrittmacher und Vorhut im Aufbau der sozialistischen Marktwirtschaft zu werden, um Chinas wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung voranzutreiben.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: CDB

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