
Sehr gelungener Artikel! Das Zentrum des wirtschaftlichen Weltgeschehens verschiebt sich zunehmend nach Asien und das nicht nur in Bezug auf Aufschwung sondern auch in Bezug auf eines moeglichen Abschwungs. Doch auch dann sollte Chinas Krisenfestigkeit nicht unterschaetzt werden.

1. wieviel war denn ein Dollar 1964 real wert und was ist er heute wert? Würde der Autor einen realen Dollar statt einem nominalen heranziehen, würden sicher nicht plötzlich 500 Mio. Chinesen die Armutszone verlassen haben. Abgesehen davon dass diese Defintion der Armut (1$ am Tag) die Armut in Deutschland KOMPLETT auf 0 % reduzieren würde. Nur wird hier natürlich anders gerechnet (60% des Durchschnittseinkommens als Grenze). 2. es erscheint mir mehr als fraglich, China bis 2020 ein jährliches Wachstum von 5-6% zu bescheinigen. Unter den gegebenen Umständen wird das sicher nicht eintreten (Rohstoffverknappung).

Deutschland hat sich in die Sackgasse manövriert: Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit, ungesichertes Sozial- ,Renten- und Gesundheitssystem, sinkende Reallöhne, Auszehrung der staatstragenden Mittelschicht, byzantinische Bürokratie, Bildungsnotstand, demographische Verwerfungen mit katastrophaler Langzeitwirkung. Nach dem Krieg hatten die Menschen die Nase voll von Ideologien. Sie schauten nach vorne und bauten das Land wieder auf. Diese später als "spießbürgerlich" diskreditierte Zeit war in Wirklichkeit unsere beste Zeit. In den Wirtschaftswunderjahren wurde das Fundament unseres Wohlstands gelegt. Was später kam war schlechter. Beginnend mit der Generation der 68er ist ein schrecklicher Verfall des Verantwortungsgedankens eingetreten. Es hat sich ein schleichender Übergang vom Leistungs- zum Wohlfahrtsstaat vollzogen. Wir stehen am Ende einer Epoche über die eines Tages das schmähliche Wort "Versäumnis" geschrieben werden muss. Was sollen die Chinesen also von uns lernen? Wie man mit unseriöser Politik den Staat an die Wand fährt? Wie man das Geld der Bürger verschwendet? Man kann sie nur warnen: Übernehmt ja nicht zu viel von uns. Die wahren Gründe der Anti-China Kampagne sind Angst und Neid auf diese aufstrebende Nation. China soll geschwächt werden, damit wir leichter konkurrieren können.

Eine ausgezeichnete Zusammenfassung, die vor allem sehr ausführlich beschreibt, wie und in welcher Folge selbst ein kommunistisches Regime die eigenen Resourcen an Menschen, Kapital und Arbeit erzeugt und fördert, dabei aber auch schlitzohrig positiv andere Volkswirtschaften wie die deutsche mit ihrem Möchtegern-Sozialismus überrollt. Ein gegenüberstellender Vergleich der angewandten wirtschaftspolitischen Mittel in China und in Deutschland der letzten 50 Jahre wäre sicherlich ein interessantes Thema, weil es die Unterlegenheit eines egoistisch-narzistischen Mehrparteien-Regimes gegenüber einer Einparteien-Herrschaft mit dem Sinn für die Prosperität eines ganzen Volkes vergleichen ließe. Während in China sich der Wohlstand von der kommunistischen Partei ausgehend über das ganze riesige Land lawinwnartig vermehrt, weil die Partei mehr und mehr von ihren Machtansprüchen abgibt und deligiert, wurde in Deutschland der genau umgekehrte Weg gegangen, indem seit Kriegsende die ärmelaufkrempelnde Wirtschaft zunehmend von den Parteien vereinnahmt wurde, die ihre Machtbefugnisse selbstbestimmt über die Gesetzgebung mehr und mehr erweitern konnten. Bei uns zählt heute in erster Linie die Wohlfahrt der Parteien und des Öffentlichen Dienstes.

Kompliment, ich bin angenehm überrascht. Dies ist endlich einmal ein sachlicher, fundierter und informativer Artikel über China. Das ist die Qualität, die man es von der FAZ erwartet und die man in der sehr emotional geführten China-Debatte bisweilen leider vermissen musste. Immerhin ist China nicht irgendeine Bananenrepublik, sondern das volkreichste Land der Erde und einer unserer wichtigsten Wirtschaftspartner. Daher die Empfehlung: Lassen Sie künftig die Propaganda weg, sonst konkurrieren Sie irgendwann mit der Bildzeitung. Bringen Sie statt dessen mehr Fakten und sauber recherchierte Informationen so wie in diesem Artikel. Diese Art Journalismus passt viel besser zur FAZ.