25. Juli 2008

Vorbereitung

Gut vorbereitet ist halb gewonnen

Von Anne Jacoby




08. März 2004 
Es ist wie bei den Superstars: Vor dem großen Auftritt ist viel Arbeit angesagt. Die Selbstpräsentation muß geprobt werden, außerdem gehört zu jedem Gespräch eine umfangreiche Recherche. Und wer ganz sichergehen will, bemüht sich auch noch um eine Terminabsprache.



Michele Brandstetter hatte nichts dem Zufall überlassen: In ihrer Mappe steckten sorgfältig vorbereitete Bewerbungsunterlagen, außerdem hatte die Studentin der Ostasienwissenschaft vor der Messe Termine mit den wichtigsten Gesprächspartnern vereinbart. Ich wollte gerne in einem japanischen Unternehmen arbeiten und habe vorher geübt, mich nicht nur auf deutsch, sondern auch auf japanisch und auf englisch vorzustellen", sagt sie. Eine gute Idee: Während der Messe mußte sie mehrmals von einer Sprache zur nächsten wechseln, und das nicht nur bei den japanischen Unternehmen.



Sie müssen Ihren Gesprächspartner in ein bis zwei Minuten überzeugen! Bereiten Sie Ihre Selbstpräsentation deshalb sehr intensiv und gut vor", rät der Autor von Karrierebüchern, Jürgen Lürssen. Dazu gehört nicht nur die schriftliche Ausarbeitung von Lebensläufen, die jeweils genau auf die verschiedenen Unternehmen zugeschnitten sind - sondern auch eine Generalprobe mit Kostüm vor Publikum. Sie haben richtig gehört: Generalprobe mit Anzug, Schlips und Kragen - vor Ihren Freunden oder Ihrer Familie. Es mag zwar ziemlich komisch aussehen, wenn Sie sich in Ihrer Studentenbude im Anzug aufbauen und Small talk üben, es hat aber den Vorteil, daß Sie sich schon einmal an Ihr neues Ego gewöhnen: Sie, der Business-Man beziehungsweise die Business-Woman. Sie werden sehen, im Anzug nehmen Sie gleich eine andere Haltung an. Und eine Selbstpräsentation in geschliffenem Hochdeutsch, ohne Herumgedruckse und Ähs" muß einfach geübt werden.



Wenn Sie außerdem über die Dienstleistungen, Produkte und die Geschichte des jeweiligen Unternehmens Bescheid wissen, hinterlassen Sie bei Ihren Gesprächspartnern einen guten Eindruck und können die knapp bemessene Zeit auch besser nutzen, um wirklich wichtige Fragen zu stellen. Schauen Sie sich deshalb kurz vor Ihrem Auftritt am Messestand die Websites der Firmen an, klicken Sie sich dabei unbedingt auch durch die Pressemitteilungen - über neueste Entwicklungen im Hause sprechen Unternehmensvertreter gerne. Hier können Sie auch Anknüpfungspunkte für Ihre Jobfragen finden: Das Unternehmen hat einen Großauftrag akquiriert? Da braucht es doch möglicherweise neue Leute. Ob man vor der Messe Gesprächstermine vereinbaren sollte - dazu gehen die Meinungen und Gepflogenheiten weit auseinander. SAP zum Beispiel vereinbart grundsätzlich keine Termine. Der administrative Aufwand ist einfach zu hoch", erklärt Axel Kersten, Leiter Personalmarketing/Recruiting der SAP AG in Walldorf. Außerdem dauerten die Gespräche unterschiedlich lang, so daß es immer wieder Verschiebungen und Leerlauf gebe, manchmal erschienen die Kandidaten auch nicht zum vereinbarten Gespräch. Allerdings laden wir Kandidaten, die uns auf einer Messe positiv auffallen, auch schon mal von uns aus zu einem ausführlichen Gespräch ein", sagt Kersten.



Bei anderen Unternehmen - wie etwa der IDS Scheer AG aus Saarbrücken - hat es sich bewährt, Bewerbungstermine im Vorfeld der Messe zu vereinbaren. Dies reduziert den Streß auf beiden Seiten", erklärt Recruiting Manager Inken Lewerenz. Bei spontanen Bewerbungen sei es auf jeden Fall sinnvoll, an der Rezeption des Messestandes einen passenden Termin zu erfragen. Auch Accenture rät dazu, möglichst vorab Gesprächstermine zu vereinbaren. Diese Gelegenheit sollte man auf jeden Fall wahrnehmen, um in ruhiger und ungestörter Atmosphäre ein Gespräch zu führen", sagt Simone Spacke, Recruiting Specialist bei Accenture, und sie hat noch einen Tip parat: Sollte dies nicht möglich sein, kann der Bewerber im Rahmen eines Spontaninterviews nach der Möglichkeit fragen, das Gespräch im Laufe der Messe zu einem festen Zeitpunkt zu vertiefen. Es kann aber auch ganz anders kommen - so wie bei Michele Brandstetter: Zufällig kam ich mit einem Ansprechpartner eines französischen Automobilzulieferers ins Gespräch. Dabei stellte sich heraus, daß sein Unternehmen gerade eine Kooperation mit einer japanischen Firma aufbaute und dringend jemanden suchte, der sich in der Branche auskennt und Japanisch spricht." Der Personaler wurde herbeigerufen. Wir sprachen eher über allgemeine Themen, nicht sofort über einen Job", erinnert sich die 28jährige. Sie skizzierte kurz, wann sie ihr Diplom machen würde, übergab ihren Gesprächspartnern ihren Kurzlebenslauf - das war's dann schon. Nach drei Monaten kam der Anruf aus Frankreich, ein weiteres Vorstellungsgespräch - und voilà: Michele Brandstetter hatte ihren ersten Job. Auch so kann es gehen: Ich bin auf der Messe über dieses Unternehmen gestolpert", zieht die Ostasienexpertin ihr Fazit. Von allein wäre ich auf diesen Namen nicht gekommen."

Text: Hochschulanzeiger Nr. 71, 2004
Bildmaterial: labor