24. Juli 2008

Interview

„Der Messebesuch lohnt sich"

Von Die Fragen stellte Anne Jacoby.



Jens Plinke, Verantwortlich für den Bereich "Candidates Attraction & Care" beim Recruitingdienstleister Access.
08. März 2004 
Die CeBIT und die Hannover Messe Industrie sind riesig, der Trubel groß, die Aufregung der Bewerber auch. Jens Plinke ist beim Recruitingdienstleister Access in Köln für den Bereich Candidates Attraction & Care" verantwortlich und erklärt, wie sich Berufseinsteiger und Young Professionals auf ihr Bewerbungsgespräch am Messestand vorbereiten, sich optimal präsentieren und nach der Messe erfolgreich mit den Unternehmen in Kontakt bleiben.



? Herr Plinke, laut VDI und Bitkom nimmt die Bedeutung der CeBIT und vor allem der Hannover Messe als Rekrutierungsveranstaltung immer mehr ab. Lohnt es für Hochschulabsolventen noch, sich auf diesen Messen potentiellen Arbeitgebern vorzustellen?



Es lohnt sich - jetzt erst recht. Gerade in der momentanen Situation ist es für Bewerber wichtig, keine Möglichkeit der Stellensuche ungenutzt zu lassen. Der Besuch von Messen sollte im Mix der Suchstrategien nicht fehlen. Manche Aussteller sind zwar nach wie vor zurückhaltend, das ist aber konjunkturell bedingt und ändert nichts an der Bedeutung der Messen insgesamt. Daß der Job & Career Market" in diesem Jahr wieder auf beiden Messen - CeBIT und Hannover Industrie - vertreten ist, zeigt deutlich, daß auch auf der Seite der Aussteller weiterhin Interesse besteht.



? Hat sich die IT-Branche von ihrem großen Einbruch 2001 mittlerweile erholt? Wie schätzen Sie die Jobperspektiven für (Wirtschafts-)Informatiker in diesem Jahr ein?



Die Talsohle ist durchschritten. Daß Branchenriese IBM weltweit bis zu 15.000 neue Mitarbeiter einstellen will, läßt auf einen erneuten Wachstumsschub hoffen. Es wird zwar kein Boom sein, wie er um die Jahrtausendwende stattgefunden hat, aber die Jobperspektiven für IT-Leute sehen ganz gut aus - nicht nur in der klassischen EDV-Branche, sondern zunehmend auch in der Automobilbranche. Schauen Sie sich die Ausstellerliste der CeBIT an: Von Audi über BMW, Bosch und Ford sind hier sehr viele Automobilhersteller und -zulieferer vertreten. IT-Experten können zur Zeit gute Jobs finden, sie sollten jedoch ihre Köpfe auch für weitere Branchen als lediglich die IT/TK-Branche öffnen. So erhöhen sie die Erfolgswahrscheinlichkeit bei ihren Bewerbungen signifikant.



? Seit Jahren wird von einem Ingenieurmangel gesprochen. Wie sehen die Perspektiven für Ingenieure und Maschinenbauer aus?



Ingenieure gehören zu der Absolventengruppe mit den besten Perspektiven für 2004. Mechatronik, Mikrosystemtechnik und die Vernetzung von Diensten sind nach wie vor wichtige Wachstumssegmente, für die laufend hochqualifiziertes Personal gesucht wird. Daß die Unternehmen im vergangenen Jahr nicht so laut wie sonst nach Absolventen gerufen haben, liegt daran, daß allgemein weniger rekrutiert wurde und marktbedingt auch der Umfang der Initiativbewerbungen massiv zugenommen hat. Die steigenden Studentenzahlen in den Ingenieurfächern sollten jedoch nicht über den de facto vorhandenen Ingenieurmangel hinwegtäuschen. Denn bis die jetzigen Erstsemester ihr Studium abgeschlossen haben, gehen noch mindestens vier bis fünf Jahre ins Land, je nach durchschnittlicher Studiendauer auch mehr.



? Mit wem lohnt sich das Gespräch am Messestand: Müssen es Personaler sein oder ist auch ein Gespräch mit einem Fachexperten sinnvoll?



Für Berufseinsteiger ist der Personaler der richtige Ansprechpartner; für Young Professionals und für alle, die fachlich Orientierung suchen, ist es häufig der Experte aus dem Fachbereich, der Ihnen die eingesetzten Technologien sowie Karriereperspektiven im spezifischen Bereich kompetent erläutern kann. Aber Vorsicht: Häufig sind gerade in den Hallen für das Fachpublikum auch externe Mitarbeiter zu Promotionzwecken engagiert, die Ihnen zwar die neuen Produkte erläutern, Ihnen jedoch nichts zum Thema Berufseinstieg und Karriere sagen können. Mit diesen Fachinformationen glänzen Sie dann aber gegebenenfalls im folgenden Bewerbungsgespräch.



? Sollte man im Vorstellungsgespräch denn fachsimpeln?



Am elegantesten ist es, wenn Sie zeigen, daß Sie sich gut vorbereitet haben. Lassen Sie Ihre Recherchen über das Unternehmen und die Branche in das Gespräch einfließen. Wenn aktuell keine Stellen ausgeschrieben sind, haben Sie hiermit einen Aufhänger für Ihr Gespräch, um konkret nach Wachstumsbereichen sowie Chancen von Initiativbewerbungen zu fragen. Sie sollten auch Ihren Werdegang geschickt einfließen lassen. Bei Fachsimpelei ist Vorsicht geboten: Personaler sind nicht immer die richtige Adresse für tiefgreifende Fachgespräche über die neuesten Technologien. Wenn Sie mit einem Fachexperten sprechen, sollten Sie auch nicht künstlich mit Fremdwörtern und Abkürzungen um sich werfen. Ein Patentrezept für Vorstellungsgespräche gibt es nicht, vertrauen Sie dabei einfach auf Ihr Fingerspitzengefühl.

Text: Hochschulanzeiger Nr. 71, 2004
Bildmaterial: access