Von Katja Gelinsky, Washington
28. Februar 2007 Eine Oase für Fische und andere Meerestiere sollte vor Fort Lauderdale in Florida entstehen, als 1972 bis zu zwei Millionen Altreifen knapp zwei Kilometer vor der Küste versenkt wurden. Doch entgegen den damaligen Erwartungen erwiesen sich die Altreifen nicht als exzellentes Material für ein künstliches Riff. Im Gegenteil: Die Altreifen seien eine Korallen-Zerstörungsmaschine, sagt William Nuckols von der Küstenschutzbehörde Costal America, die nun mithilft, das verfehlte Umweltprojekt zu beseitigen.
Ich blicke zurück und sehe, dass es eine schlechte Idee war, gesteht auch Ray McAllister ein. Der Professor für Meerestechnik an der Florida Atlantic University hatte das missglückte Riffprojekt vor 35 Jahren mit Zustimmung der für Wasserprojekte zuständigen Pioniereinheit Army Corps of Engineers wesentlich mitgestaltet.
Reifenmüllplatz statt Riffs
Damals hatte man sogar einen golden gestrichenen Reifen versenkt als Symbol für die goldene Zukunft, die sich die Organisatoren von dem Altreifenriff für das Meeresleben vor Fort Lauderdale erhofften. Doch statt Fische und andere Meerestiere anzulocken, richteten Tausende Reifen, die sich bei Stürmen aus den mit Stahl- und Nylonseilen vertäuten Altreifenbündeln gelöst hatten, in zwei nahe gelegenen natürlichen Riffs schwere Zerstörungen an.
Damit ist auf dem Meeresboden auf einer Fläche von 14 Hektar ein Reifenmüllplatz entstanden. Außerdem verschmutzen heraufgespülte Reifen Strände Floridas. Ähnliche Debakel habe man auch in anderen Ländern erlebt, in denen man versucht habe, aus Altreifen Unterwasserwelten zu schaffen, sagt der amerikanische Meeresbiologe Jack Sobel und verweist auf Projekte in Indonesien und Malaysia.
Drei Dutzend Taucher im Einsatz
In Florida sollen nun Hunderttausende Altreifen, die sich noch aus dem künstlichen Riff lösen und damit weitere Schäden verursachen könnten, wieder vom Meeresgrund heraufgeholt werden. Auch das amerikanische Militär wird beim Aufräumen helfen. Im Juni werden drei Dutzend Taucher der Marine und des Heeres unter Einsatz eines Kranschiffes Methoden zur Bergung der Altreifen erproben. Die Reifen sollen dann auf Müllhalden gelagert oder in Verbrennungs- und Recyclinganlagen entsorgt werden.
Der Einsatz der Taucher kostet den Bundesstaat Florida nichts, da er Teil des Trainingsprogramms der Streitkräfte zur Bergung gesunkener Schiffe und anderen militärischen Geräts ist. Dennoch wird die Bergung der Reifen teuer. Charlie Christ, der Gouverneur Floridas, hat vorgeschlagen, dafür zwei Millionen Dollar bereitzustellen. Insgesamt werden die Aufräumarbeiten nach ersten Schätzungen 3,4 Millionen Dollar kosten und bis 2010 dauern.
Text: F.A.Z., 28.02.2007, Nr. 50 / Seite 9
Bildmaterial: AP, REUTERS