Unwetter

Orkantief „Franz“ wütet über Europa

Die umwerfende Wirkung des Orkantiefs “Franz“

Die umwerfende Wirkung des Orkantiefs "Franz"

12. Januar 2007 Entwurzelte Bäume, umgestürzte Lastwagen und stürmische See: Der erste Orkan des Jahres wütete am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag über Europa und riss mindestens sieben Menschen in den Tod. In Deutschland tobte Sturmtief „Franz“ mit bis zu 140 Kilometern in der Stunde vor allem an der Küste, doch verursachte das Unwetter nach Polizeiangaben vergleichsweise geringe Schäden. Im Hamburger Hafen wurde der Fischmarkt überschwemmt. Die Halligen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste meldeten „Land unter“. An Nord- und Ostsee wurde der Fährverkehr teilweise eingestellt.

Vor der Küste Irlands ertranken mindestens fünf Fischer in stürmischer See. „Es hat nur Sekunden gedauert, bis die aufgewühlte See die „Pere Charles“ verschlungen hat“, sagte ein Einsatzleiter der irischen Küstenwache. Acht Stunden später verlor die Besatzung der „Honey Dew II“ ihren Kampf gegen die Atlantikwellen. Retter zogen zwei der vier Männer des Fischkutters aus der tobenden See. Die anderen beiden werden vermisst. Am Donnerstag war in Großbritannien ein Autofahrer von einem umstürzenden Baum erschlagen worden.

Frankreich: Tausende Haushalte ohne Strom

Zwei vor Großbritannien in Seenot geratene Schiffe mit insgesamt 103 Menschen an Bord wurden von Rettungsschiffen ins Schlepptau genommen. „Beide Schiffe werden in sichere Häfen gebracht, niemand wurde verletzt“, sagte ein Sprecher der britischen Küstenwache.

An der französischen Nordküste tobte der Orkan mit mehr als 120 Stundenkilometern und brachte den Schiffsverkehr von und nach Calais zum Erliegen, Tausende Haushalte waren zeitweise ohne Strom. Eine Schule mit 600 Schülern in Boulogne-sur-Mer wurde evakuiert, weil der Sturm Teile des Daches weggerissen hatte. In Belgien verunglückte auf der Autobahn von Brüssel nach Lüttich ein Autofahrer in dem Sturm tödlich.

In Österreich war der Touristenort Sölden am Freitag zeitweise mit dem Auto nicht mehr erreichbar, da die Zufahrtsstraße wegen der Gefahr eines Felssturzes gesperrt wurde. „Die Straße ist jetzt nach einer Sprengung der lockeren Felsmassen wieder endgültig frei“, sagte eine Sprecherin des Ötztal-Tourismus am Abend. Helfer hatten zwischenzeitlich schon Notquartiere eingerichtet. „Franz“ war auch durch Österreich mit großer Wucht gezogen. Am Feuerkogel im Salzkammergut wurde eine Windgeschwindigkeit von 161 Kilometern pro Stunde gemessen.

Helgoland vom Festland abgeschnitten

In Hamburg standen am Freitag der Fischmarkt und ein Bürohaus unter Wasser. Die Speicherstadt und das nördliche Elbufer wurden gesperrt, Autos aus der Gefahrenzone abgeschleppt. Die Flut stieg bis auf 2,68 Meter über dem mittleren Hochwasser. In Nordfriesland meldeten die Halligen „Land unter“. Helgoland war am Freitag weiter vom Festland abgeschnitten. Auf der Fehmarnsundbrücke in Schleswig-Holstein warf der Sturm einen Lastwagen um. In Mecklenburg-Vorpommern wurde ein Mensch verletzt, nachdem ein Baum auf ein Auto gestürzt war, ein mit Geflügel beladener Lastwagen kippte auf der Autobahn 19 um.

Die Thüringer-Wald-Autobahn war von Donnerstagnachmittag bis Freitagmorgen neun Stunden lang gesperrt. Orkanböen hatten auf der 60 Meter hohen Reichenbachtalbrücke in kurzer Zeit einen unbeladenen Laster mit Anhänger sowie drei Kleintransporter umgerissen. Wegen der Böen konnten die Fahrzeuge erst am frühen Morgen geborgen werden.

In Nordrhein-Westfalen wurden drei Menschen durch den Orkan verletzt: Ein Mann fiel aus vier Meter Höhe von der Leiter, als er nach einer undichten Stelle im Dach suchte. Die Böen fegten einen 49 Jahe alten Mann von seinem Motorroller und rissen eine Frau vom Fahrrad. In Gemeinden in Rheinland-Pfalz sowie in der benachbarten Region Offenburg (Baden-Württemberg) fiel der Strom aus. Auf der Autobahn 98 bei Konstanz warfen Windböen einen Getränke-Lastwagen um.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AFP, AP, ddp, dpa, REUTERS

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