Jagdfieber

„JJ“ reißt wieder Schafe

Abguß der Problembär-Tatzen

Abguß der Problembär-Tatzen

05. Juni 2006 Der seit Wochen im deutsch-österreichischen Grenzgebiet gesuchte Bär hat in Bayern erneut blutige Spuren hinterlassen: Am Pfingstwochenende riß der Braunbär sechs Schafe und verletzte vier weitere Tiere, von denen eins notgeschlachtet werden mußte.

Eine akute Gefahr für Touristen und Wanderer besteht nicht, wie die bayerische Landesregierung versicherte. Der „Problembär“ muß aber auch nach Ansicht der Umweltschützer vom WWF so schnell wie möglich gefangen werden. Bayern will nun finnische Experten mit Hunden auf seine Spur ansetzen.

Wehe wenn der Bauer nachschaut

Anders als zuvor bewegte sich der Bär am Pfingstwochenende in einem kleinen Radius: In der Nacht zu Montag drang er im oberbayerischen Mittenwald am Lautersee in einen Pferch ein und tötete drei Schafe mit Prankenschlägen, wie der Sprecher des bayerischen Umweltministeriums, Roland Eichhorn, am Montag in München sagte. Schon am Pfingstsonntag hatte er nur vier Kilometer entfernt bei Klais im Landkreis Garmisch-Partenkirchen drei Schafe getötet. Drei weitere Schafe und ein Ziegenkitz wurden verletzt.

Touristen und Wanderer seien akut zwar nicht gefährdet, sagte Eichhorn weiter, das Risiko bestehe aber, daß ein Bauer in der Scheune nachsehe, während der Bär dort marodiere und das Tier dann auf ihn losgehe. „Er muß so schnell wie möglich raus aus der freien Wildbahn“, unterstrich Eichhorn. „Der Bär ist kein Menschenjäger“, sagte WWF-Experte Jörn Ehlers. „Was ihn zur Gefahr macht ist, daß er besiedelte Gebiete nicht scheut.“

„Auffälliges Tier“

Der aus Italien stammende Bär namens „JJ1“ macht das Grenzgebiet zwischen Deutschland und Österreich seit Wochen unsicher. Allein in Bayern hat er 25 bis 30 Schafe gerissen sowie mehr als ein Dutzend Hühner. 25 Mal hat er sich nach Angaben der Landesregierung menschlichen Siedlungen genähert. Ein normaler Bär meidet dagegen Menschen und reißt pro Jahr im Schnitt zwei Schafe.

Auch der WWF spricht von einem „problematischen, auffälligen Tier“. Das untypische Verhalten hat „JJ1“ von seiner Mutter „Jurka“ gelernt, die ihr Futter mit Vorliebe in der Nähe von Siedlungen sucht. Das haben sich ihre 2004 geborenen Kinder, „JJ1“ und sein Zwillingsbruder „JJ2“ abgeguckt.

Er jagt wie ein „Marathonläufer“

Zugleich legt der Braunbär weite Strecken zurück: Vor fünf Tagen war er noch beim 80 Kilometer entfernten Achensee im österreichischen Teil Tirols gesichtet worden. Der Bär jage wie ein „Marathonläufer“ durch die Alpen, sagte Eichhorn. „Das ist auch der Grund, daß wir ihn nicht fangen können.“

Bayern setzt nun auf eine neue Fangstrategie: In dieser Woche wird voraussichtlich ein Team von vier finnischen Bärenfängern mit vier karelischen Hunden die Spur des Bären aufnehmen. Sie sollten das Tier zusammen mit einem österreichischen Betäubungsexperten fangen. Das Motto sei dabei „Lieber fangen als töten“, sagte Eichhorn. Die von dem bayerischen Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) erteilte Abschußgenehmigung bleibt aber bestehen. Sie war vor allem bei Tierschützern auf Kritik gestoßen.

Man braucht viel Zeit und Geduld

„Wenn man einen Bären fangen will, braucht man viel Zeit und Geduld“, mahnte WWF-Experte Ehlers. Zuletzt sei 1898 in Tirol ein Bär geschossen worden. Die Jagd habe immerhin sechs Jahre gedauert.

Wird der Bär lebendig gefangen, könnte er nach Angaben Eichhorns in ein artgerechtes Bärengehege bei München gebracht werden. Es gebe aber auch ein Angebot Italiens, das Tier wieder in dem Adamello-Brenta-Naturpark in Trentino in Norditalien auszusetzen, aus dem es stammt.

Text: FAZ.NET mit Material von AFP
Bildmaterial: dpa

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Machen Sie den Preisvergleich: Mit dem Gastarifrechner von FAZ.NET finden Sie den für Sie günstigsten Anbieter.

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche