Australien

Sandsturm bringt Leben in Sydney zum Stillstand

Von Alexander Hofmann

Auf der Harbour Bridge

Auf der Harbour Bridge

23. September 2009 So stellt man sich die Apokalypse vor. Orangefarbener Dunst beherrschte Sydney am Mittwochmorgen, bevor er sich in giftgelben Nebel verwandelte, der wenig später braunen Staub niederrieseln ließ. Einwohner und Touristen in der größten australischen Stadt waren entgeistert. Flugzeuge mussten umkehren, weil der Flughafen sie zurückwies; es gab Verspätungen von bis zu sechs Stunden.

Die Fähren im Hafen stellten ihren Betrieb ein. Alle Autos nahmen dieselbe Farbe an. Und wer ins Freie ging, flüchtete schnell wieder vor den Staubmassen, die einem die Luft zum Atmen nahmen. Der schlimmste Sandsturm seit rund 70 Jahren endete erst am Nachmittag: Erfrischende Winde verjagten den Spuk, der Himmel war wieder blau, die Gäste kehrten in die Cafés zurück, und die Surfer ritten wieder die Wellen, als ob nie etwas passiert wäre.

Eltern behielten ihre Kinder zu Hause

Ein extremes Tiefdruckgebiet und heftige Stürme hatten den puderfeinen Wüstenstaub aus dem ausgetrockneten Landesinneren Hunderte Kilometer weit durch die Luft getragen - nach Schätzungen von Wissenschaftlern sollen es rund 1000 Tonnen gewesen sein. Die Luftverschmutzung erreichte nie zuvor gemessene Werte. In einigen Stadtteilen wurde die als gesundheitsschädlich geltende Obergrenze um fast das Zwanzigfache übertroffen.

Rund 500 Menschen wurden in Krankenhäuser gebracht, die meisten mit Atemschwierigkeiten. Kinder, Alte, Kranke, vor allem Asthmatiker, wurden aufgefordert, in geschlossenen Räumen zu bleiben. Schulkinder mussten die Pausen in den Klassenzimmern verbringen, anstatt wie üblich im Frühling bei 22 Grad draußen zu spielen. Der Sportunterricht wurde gestrichen, viele Eltern behielten ihre Sprösslinge gleich ganz zu Hause. Postboten schützten sich mit Atemmasken aus der Apotheke oder wenigstens mit Schals vor Mund und Nase. Die Bauarbeitergewerkschaft setzte durch, dass ihre Mitglieder nach Hause gehen durften. Die Feuerwehr musste oft ausrücken, weil automatische Feueralarmanlagen von dem Staub ausgelöst wurde, der so fein war, dass er durch alle Ritzen zu dringen schien.

Ein Glück für die Besitzer von Autowaschanlagen

Begeistert waren nur die Fotografen. Die orangefarbene Luft bot die Gelegenheit, beliebte Motive wie das weltberühmte Opernhaus und die benachbarte Hafenbrücke in völlig neuem Licht abzubilden - wenn auch nicht unbedingt auf demselben Foto, denn trotz der Nähe der beiden Ikonen war der Nebel so stark, dass man nicht vom einen zum anderen Wahrzeichen sehen konnte.

Froh waren auch die Besitzer von Autowaschanlagen, die noch tagelang von dem Wetterphänomen profitieren werden. Am Nachmittag erreichte die Staubwolke die 800 Kilometer nördlich gelegene Stadt Brisbane, deren eine Million Einwohner aber nicht ganz so stark betroffen waren. Auch in der Hauptstadt Canberra sah es düster aus. In den australischen Skigebieten ist er Schnee zum Saisonabschluss rot gefärbt. Nun könnte die 600 Kilometer lange Wolke sogar das 2500 Kilometer entfernte Neuseeland erreichen.

.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, REUTERS

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2010.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Die perfekte Wohnung oder das ideale Haus zum Kaufen oder Mieten: Jetzt über 960.000 Angebote bei Immowelt.de und FAZ.NET!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche