Partielle Sonnenfinsternis

Schummriger Nationalfeiertag

02. Oktober 2005 Das seltene Himmelsschauspiel einer ringförmigen Sonnenfinsternis ereignet sich am Vormittag des 3. Oktobers über Europa. Von Deutschland aus sind allerdings nur die partiellen Phasen zu sehen. Dabei wird der Mond die Sonnen höchstens bis etwa zur Hälfte verdecken. Angesichts der Leuchtkraft unseres Zentralgestirns wird sich dies bestenfalls in einem leicht schummrigen Licht bemerkbar machen. Wer sich am Tag der Deutschen Einheit jedoch die Mühe macht, mit einer Schutzbrille die Sonne zu betrachten, der wird die Verdeckung durch die Mondscheibe deutlich erkennen können.

Eine Sonnenfinsternis tritt nur ein, wenn der Mond in Neumondstellung kommt und gleichzeitig die Erdbahnebene passiert. Dann schiebt er sich zwischen Erde und Sonne und verdunkelt unseren Stern - jedenfalls von bestimmten Standorten der Erde aus gesehen - ganz oder teilweise. Der Effekt entsteht dadurch, daß der Schatten des Mondes statt irgendwo im All zu verschwinden auf die Erdoberfläche fällt.

Heller Ring um die Neumondscheibe

Dabei gibt es einen besonderen Fall, der auch diesmal eintritt. Der Mond befindet sich am 3. Oktober auf seiner Bahn um den Globus an einem relativ weit von der Erde entfernten Punkt. Aus diesem Grund reicht der Kernschattenkegel des Mondes nicht vollends bis auf die Erdoberfläche. Es kommt somit nicht zu einer totalen, sondern zu einer ringförmigen Finsternis. Die dunkle Neumondscheibe erscheint von der Erde aus etwas kleiner als die Sonne - es ist ein heller Ring um die Mondscheibe zu sehen. Die Zone, in der die ringförmige Phase sichtbar wird, ist nur 164 Kilometer breit aber einige tausend Kilometer lang. Für etwa viereinhalb Minuten ist zum Höhepunkt die ringförmige Phase zu sehen.

Nur mit Schutzbrille in die Sonne schauen! Ringförmige Sonnenfinsternis: Das werden die Madrilenen sehen Sofi aus dem All: Der Mondschatten trifft auf die Erde

Die Zone, in der die ringförmige Finsternis zu sehenn ist, beginnt im Nordatlantik, überquert die iberische Halbinsel, wobei Madrid mitten in ihr liegt. Sie zieht sich weiter über das Mittelmeer, über Nord- und Ostafrika, verläßt die ostafrikanische Küste am Äquator und endet im Indischen Ozean.

Nur mit Schutzbrille anschauen

Von Mitteleuropa aus betrachtet, bedeckt der Mond die Sonne nur teilweise. In Berlin und Kiel werden maximal 39 Prozent der Sonnenscheibenfläche vom Mond verfinstert, im schweizerischen Bern 60 Prozent, in München 51 Prozent und in Stuttgart 53 Prozent. Selbst in der maximalen Phase wird es in Deutschland nur unwesentlich dunkler. Wenn der Himmel wolkenlos klar ist, benötigt man keine künstliche Beleuchtung. Keineswegs kann man mit bloßen Augen Sterne sehen, wie dies bei einer totalen Sonnenfinsternis möglich ist.

Auf keinen Fall darf man das Ereignis mit bloßem Auge betrachten, warnen Mediziner. Auch das Zukneifen der Augen reicht nicht aus. Sonnen- oder Gletscherbrillen, gerußte Glasscheiben oder belichtete Filme böten ebenfalls keinen ausreichenden Schutz. Wer nicht ausreichend geschützt oder gar ohne Schutz in die Sonne blickt, riskiert Sehschäden oder sogar eine Erblindung. Ausreichenden Schutz bieten vor allem Sonnenfinsternisbrillen, die bei Augenoptiker-Geschäften erhältlich sind.

Beim direkten Blick in die Sonne seien die Augen einer Helligkeit ausgesetzt, die etwa 50.000 Mal stärker sei als die hellsten natürlichen Dinge auf der Erde, beispielsweise in der Sonne glitzernder Schnee. Beim ungeschützten Blick brennen sich daher die Sonnenstrahlen schlimmstenfalls regelrecht in die Netzhaut ein. An der Stelle des schärfsten Sehens entstehe ein blinder Bereich. Prominente Opfer seien unter anderem Kaiser Konstantin VII., Galileo Galilei und Isaac Newton gewesen.

Mit Finsternissen sind Ängste verbunden

Schon früh in der Menschheitsgeschichte war die überragende Bedeutung der Sonne für alles irdische Leben bekannt. Verständlich, daß unsere fernen Ahnen daher mit großer Besorgnis reagierten, wenn sich die Sonne zu verfinstern begann. Würde sie eventuell auf Nimmerwiedersehen verschwinden? Noch heute geraten Menschen in ängstliche Stimmungslagen, wenn die Sonne sich verfinstert.

Trotz Weltraumfahrt und High-Tech-Astronomie blüht auch nach wie vor der Aberglaube: Milch sollte man keine trinken und nach einer Sonnenfinsternis mindestens zwölf Tage fasten. Hoch stehende Persönlichkeiten seien vom Tod bedroht, Ausschreitungen und Revolutionen seien ebenfalls zu erwarten. Nachgewiesen und kein Aberglaube ist hingegen die Erkenntnis, daß die Umsätze von Optikfachgeschäften und Augenärzten bei Sonnenfinsternissen steigen. Die nächste von Deutschland aus partiell beobachtbare Sonnenfinsternis findet am 29. März 2006 statt, danach erst wieder am 1. August 2008.




Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: dpa, picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa/dpaweb

 
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