Bärenjagd

„Bruno“ heißt in Wirklichkeit „JJ1“

30. Mai 2006 Das Rätsel um die Herkunft des Braunbären im österreichisch-bayerischen Grenzgebiet ist gelöst: Bei dem zotteligen Streuner, der für soviel Wirbel gesorgt hat, handelt es sich um das Tier „JJ1“ aus Italien. Das hat ein genetischer Vergleich von Bärenhaaren ergeben, wie das bayerische Umweltministerium am Dienstag in München mitteilte.

Damit sehen sich bayerische Experten in ihrer Einschätzung bestätigt, daß es sich um einen Problembären handele. Denn Bärenmutter „Jurka“ und ihr zweiter Sohn „JJ2“ seien wegen mangelnder Scheu vor menschlichen Siedlungen ebenfalls in der Vergangenheit schon aufgefallen, sagte Ministeriumssprecher Roland Eichhorn.

Neue Heimat in Poing?

Die Genanalyse wurde vom Südtiroler Amt für Jagd und Fischerei erstellt. Die Tiere stammen aus einem Bären-Wiederansiedlungsprojekt im Adamello-Brenta-Naturpark in Südtirol. „JJ2“ war im vergangenen Jahr in der Schweiz und in Tirol beobachtet worden, und zunächst wurde auch der jetzt in Bayern und Tirol gesichtete Streuner für „JJ2“ gehalten. Eine erste Genanalyse hatte das jedoch ausgeschlossen. Sein nun identifizierter Bruder „JJ1“ ist der erste Sohn von Bärenvater „Jose“ und von „Jurka“, sein Name ergibt sich aus den beiden Anfangsbuchstaben der Eltern und der Numerierung.

„JJ1“ hatte in Bayern mehrere Schafe gerissen und war schließlich in einen Hühnerstall eingedrungen. Nach eingehender Beratung mit Bärenexperten stufte das bayerische Umweltministerium das Tier daraufhin als gefährlich ein und gab es zum Abschuß frei. Auch in Teilen Tirols wurde der Bär zum Abschuß freigegeben. Natur- und Tierschützer protestierten dagegen. Experten der Umweltstiftung WWF versuchen weiter, das Tier mit einer Falle einzufangen. Nach den Plänen Bayerns könnte es dann im Wildpark Poing bei München in einem Gehege untergebracht werden.

Von der Mutter „falsch gepolt“

„JJ1“ sei von seiner Mutter falsch gepolt worden, sagte Eichhorn. „Der Bär kann praktisch gar nichts dafür.“ Wiederholt, aber vergeblich sei versucht worden, der Mutter das Herannahen an menschliche Siedlungen durch sogenannte Vergrämung - unter anderem mit Beschuß durch Gummikugeln - auszutreiben. „Die Mutter hat quasi ein langes Vorstrafenregister.“

Der Jungbär sei von der Mutter auch dahingehend konditioniert worden, daß er niemals an eine Stelle zurückkehre, an der er ein anderes Tier gerissen habe. Dieses ständige Herumstreunen mache es so schwer, den zuletzt in Tirol gesichteten Bären einzufangen.



Text: FAZ.NET mit Material von dpa, ddp
Bildmaterial: dpa

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