Hitzebilanz

So heiß und sonnig wie nie

Juli 2006: Sonnenverwöhnt und gut gelaunt

Juli 2006: Sonnenverwöhnt und gut gelaunt

31. Juli 2006 „In den Archiven des Deutschen Wetterdienstes finden wir keinen Monat, der heißer und sonniger war als der Juli 2006. Dieser Monat schlägt alle Rekorde.“ Die Worte von Wolfgang Kusch, dem Präsidenten des Deutschen Wetterdienstes (DWD), sind eindeutig. Bis zum 1901 reicht die Wettermessung zurück, doch einen Monat wie den vergangenen gab es in Deutschland noch nie. Daran ändert auch die spürbare Abkühlung am letzten Tag nichts mehr.

Kuschs Statement wird gestützt durch die Auswertung der gemessenen Daten in den rund 2600 Meßstationen des DWD, die in ganz Deutschland verteilt sind. Angesichts der enorm hohen Zahl an Sonnenstunden ist es schon erstaunlich, daß der Juli 2006 trotzdem nicht zu den trockensten Monaten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zählt. Wenn der vergangene Monat auch kein Rekordhalter in dieser Hinsicht ist, so war es nach Erkenntnissen des DWD dennoch im Mittel in Deutschland deutlich zu trocken in den vergangenen vier Wochen - mit den entsprechenden Folgen: ausgetrocknete Böden, möglicherweise schlechte Ernten.

Die größte Hitze: 38,9 Grad in Bernburg/Saale

Mit 22,1 Grad lagen lagen die Temperaturen für ganz Deutschland gesehen 5,2 Grad über dem langjährigen Durchschnitt von 16,9 Grad. An etwa 80 Prozent der ausgewerteten Wetterstationen wurde der heißeste Monat seit Beginn der lokalen Wetteraufzeichnung registriert. In einigen Orten - darunter die Städte Karlsruhe, Trier und Jena - ging jeder Juli-Tag mit einer Höchsttemperatur von mehr als 25 Grad auch meteorologisch-formal als „Sommertag“ in die Chronik ein. Im Südwesten und in Brandenburg wurde die 30-Grad-Marke vielerorts an mehr als 20 Tagen übertroffen. Und auch einige Hitzerekorde purzelten: zum Beispiel in Kalkar am Niederrhein mit 38,6 Grad am 19. Juli oder in Wernigerode im Harz mit 36,4 am 20 Juli. Am wärmsten war es am selben Tag mit 38,9 Grad in Bernburg an der Saale.

Völlig fehlte im gesamten Juli ein Landregen. Wenn es regnete, dann oft sehr heftig, immer aber in Schauern oder bei Gewittern. Das gilt für ganz Deutschland. Laut Wetterdienst war die Niederschlagsbilanz daher sehr unterschiedlich, wenn auch im Gesamttrend negativ, es regnete also insgesamt zu wenig. Bundesweit fielen durchschnittlich etwa 45 Liter pro Quadratmeter. Das entspricht knapp 60 Prozent des klimatologischen Mittelwertes von 78 Liter pro Quadratmeter. Vor allem der Osten Deutschlands, aber auch Gebiete im Norden und ganz im Westen litten unter großer Trockenheit. Gebietsweise gingen dort nicht einmal 20 Prozent der üblichen Regenmenge nieder. Wo es besonders häufig Gewitter gab, lagen die Niederschlagsmengen dagegen deutlich über dem langjährigen Mittel. In Karlsruhe fielen allein am 7. des Monats 76,5 Liter pro Quadratmeter - soviel wie noch nie im Juli. Auch in Erfurt und Stuttgart waren die Unwetter besonders stark.

Nie war es sonniger

Doch von diesen kurzen, aber heftigen Gewittern abgesehen, schien die Sonne überall in Deutschlabd unablässig. „Der Juli 2006 war der sonnigste Monat seit Aufzeichnungsbeginn“, stellt der DWD daher eindeutig fest. An den meisten Wetterstationen wurden die Rekordwerte für die Sonnenscheindauer eines Monats übertroffen. Durchschnittlich schien die Sonne 336 Stunden, normal sind im Juli 209 Stunden. Die Menschen im Nordosten und in den deutschen Mittelgebirgen durften sich sogar über mehr als 80 Prozent mehr Sonnenschein freuen, mußten aber auch mit den Hitzefolgen leben. Besonders sonnenscheinreich war nach Angaben des DWD die Ostseeküste. Dort konnte man nahezu 400 sonnige Stunden am Strand verbringen.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sportverletzung? Sorgen Sie vor - mehr Leistung für weniger Geld. Vergleichen Sie jetzt online die Leistungen verschiedener privater Krankenversicherungen!

Am Ammersee ist der Wasserstand wie in vielen anderen Seen auch auf RekordtiefEs gab sie auch noch im Juli: dankbare SonnenanbeterUnd immer gut eincremen, bei so viel Sonne!Abtauchen: Eisbärin Yerka im Wuppertaler ZooWegen Waldbrandgefahr werden abendliche Spaziergänge verbotenErst die Hitze, dann die Gewitter: Überflutete Straße in HamburgSonnenlicht auf Regenfront: Regenbogen nach einem Gewitter in NiederbayernViel Sonne: Der 2006er könnte ein Ausnahmewein werdenDer Landwirtschaft machte die Trockenheit zu schaffen Die Hitze entfachte Feuer: Brennendes Feld bei KrefeldSieht wunderschön aus, ist aber gefährlich: Wegen der Hitze blühen massenhaft giftige Blaualgen in SeenZwischendurch: kurze, hochwillkommene Abkühlungen - wie hier in BremenWasserschwund: Der Dresdner Stadtteil Zschieren war noch im April von Hochwasser überflutet. Im Juli sieht es dort ganz anders ausJubel über den Rekord-Juli: Am Strand bei List auf SyltVielerorts standen Keller unter WasserWas für ein Strandmonat: 400 Stunden Sonne an der OstseeSelbst Sonnenblumen ließen die Köpfe hängenSpurrillen: die Juli-Hitze war zuviel für den Asphalt (hier auf der A1)