Anbau von Genmais

Schnipp und Schnapp mit der Natur

Wie weit dürfen wir uns von der Natur entfernen? Ein Gießener Pflanzenzüchter will im Mai wieder Genmais aussäen, der resistent gegen Schädlinge ist. Der Vertreter der deutschen Öko-Branche findet das jedoch unnötig. Denn die Natur sei schlau - und brauche die Hilfe der Gentechnik nicht. Von Florentine Fritzen

Lesermeinungen zum Beitrag

01. April 2008 08:05

Sind die Deutschen klüger? @Armin Quentmaier

Los Närgli (lma666)

Ich empfehle Ihnen den Bericht über Monsanto auf Arte.
Wenn Bauern durch eine gesteuerte Monopolisierung in die Situation getrieben werden, ihr Saatgut nur noch bei Monsanto kaufen zu können, sich dafür verschulden zu müssen und dabei letztendlich pleite zu gehen, dann sehe ich darin keinen "Fortschritt".

Im Übrigen gibt es leider (u.a. "dank" Monsanto) kaum objektive Studien über die mittel- und langfristigen Konsequenzen von genveränderten Sorten, von den Schäden, die durch die flächendeckende Verwendung von "Roundup" entstehen ganz zu schweigen.
Auch die Ergebnisse ungewollter Kreuzungen von z.B. "Gen-Mais" mit anderen Sorten ist noch so gut wie nichts bekannt.

Von "Hysterie" kann hier kaum die Rede sein, wenn man einfach mit Vollgas im Blindflug fährt, dann ist das einfach gefährlich.

Die wirtschaftlichen Konsequenzen eines Saatgutmonopols brauche ich Ihnen wohl nicht erläutern, ebensowenig wie die damit einhergehende Macht.

Wenn es erst mal so keine in der F1 keimfähigen Sorten mehr gibt, dann werden vielleicht auch Sie aufwachen und den "Gen-Kaffee" schmecken, dessen Preis Monsanto dann kontrolliert.

Ja, der "Rest der Welt" macht hier Fehler und Deutschland (ausnahmweise mal) was richtig. Selten genug...

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28. März 2008 05:55

gucken wir doch mal hinter die Tür

Klaus K. E. Wagner (KlaKoWa)

080328fr0544

Aber Hallo, liebe Mit-Leut,
schauen wir doch mal hinter die Tür...
Da soll also ein Genmais ausgesät werden, der resistent gegen Schädlinge ist.

Verstehe ich das also richtig, daß das Fungizid bezw. Pestizid nunmehr in und nicht mehr auf der Pflanze ist.

Mir fällt auf, wenn ich hier frischen Paprika habe, dann kann ich den bis zur Schrumpeligkeit lagern, ohne daß er wirklich verdirbt. Wenn ich ihn aber anschneide, dann beginnt nahezu augenblicklich die Verderbnis.

Wat is nu?
Hat der Paprika eigene "Abwehrkräfte"
oder
sind es doch die Pestizide, die ich meinte zuvor abgewaschen zu haben?
Das "systemeigene" Pestizid beim Genmais kann ich garantiert nicht abwaschen, gelle?

Ach, die Verderbnis wird zumindest gehindert, wenn ich den an trockener Luft lagere. Was ja im Winter bei der geringen Luftfeuchtigkeit im Raume nicht all zu schwierig ist, gelle?

Mit herzlichem Gruß und kühl-rauchendem Kopfe
Ihr Mit-Leben und Nachbar
Klaus Wagner
Dat KlaKoWa

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27. März 2008 14:03

@ Hr. Quentmeier: Die Fliegen, die sich bekanntlich zu Tausenden...

Gabor von Zoltan (Putinras)

...von Fäkalien ernähren, sind eben trotzdem kein Beweis, dass die besonders lecker sind.

Die Kritiker, die auf die Gefahren eines offenen Anbaus (und somit der nicht zu verhindernden Verbreitung) genmanipulierter Pflanzen hinweisen, können sich auf gut dokumentierte wissenschaftliche Arbeiten stützen.

Wenn wir nun das Geld in Betracht ziehen, welches den beiden Seiten dieses Disputs jeweils zur Verfügung steht, um an die Öffentlichkeit zu gelangen, so geht ihr Schuss gar nach hinten los:

Trotz allem Brachiallobbying der Grosskonzerne hat sich ein sehr grosser Teil aufgeklärter Menschen erst mal für vorsichtiges Abwarten entschieden. Was den Grosskonzernen, die von der hybridbedingten Abhängigkeit von Bauern weltweit profitieren wollen, natürlich gar nicht passt.

Echte Verbesserungen werden seit Jahrtausenden auf der ganzen Welt vorgenommen. Kreuzungen und Züchtungen haben Pflanzen hervorgebracht, die jeweils perfekt an ihre Umwelt - also den jeweiligen Ort und dessen Witterungs- und Bodenverhältnisse - angepasst haben. Diese individuellen Züchtungen zu nutzen und modernst weiterzukreuzen, wäre eine Verbesserung.

Das Zerstören dieses Schatzes, durch hybride Gen-Monokulturen weltweit ist es sicher nicht!



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27. März 2008 13:53

@Herr Quentmeier

Johanna Colsman (nebomoreoblaka)

Ihrem Kommentar entnimmt man, dass es darum geht, eine wie auch immer geartete Entwicklung nicht zu verpassen, also mitzuhalten, und dass die Kritik an der Gentechnik nur Horrorszenarien und die Kritiker Spinner seien.

Gibt es vielleicht abseits dieser eher emotionalen Aussagen auch irgendwelche Beweise oder Gründe für diese Haltung?

Aber bevor man einen Blick auf die tatsächlichen Folgen der Gentechnik in den jetzt betroffenen Ländern wirft oder auf die Frage, wem sie letztendlich zu Gute kommt, und was sich in der momentanen Rechtslage damit an Schaden anrichten lässt, wirft man lieber mal eben das Spinner-in-Strickjacken-Argument in den Raum und die eigentliche Sache ist vom Tisch.

Trinken Sie ihr Leitungswasser, gehen Sie an einem Fluss ohne Abwasserschaum entlang, fahren Sie durch eine Heckenlandschaft und freuen Sie sich, dass man es sich in Deutschland - im Gegensatz zu China, Brasilien, Paraguay, Indien usw. - leisten konnte, auch irgendwann einmal Stop zu sagen.







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26. März 2008 20:23

Sind die Deutschen wieder mal klüger als der Rest der Welt?

Armin Quentmeier (thiotrix)

Weltweit werden auf über 100 Millionen Hektar (das ist die dreifache Fläche von Deutschland!) gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Allen voran die USA (ca. 60 Millionen ha, gefolgt von Argentinien, Brasilien, Kanada. China, Paraguay (!) Indien, Philippinen usw. So manches Drittweltland überholt Deutschland! Meist handelt es sich um gentechnisch veränderten Mais, Baumwolle und Sojabohnen, die seit Jahren problemlos auf riesigen Flächen kultiviert werden. Demnächst kommt gentechnisch verbesserter Reis auf den Markt; dann wird die Anbaufläche für „Gentech-Pflanzen noch viel stärker zunehmen als in den vergangenen Jahren. In anderen Ländern werden die Möglichkeiten der neuen Technik entschlossen genutzt, in Deutschland wird wieder einmal das Potential einer moderne Technik verschlafen, vor allem weil zu viele rot-grüne Traumtänzer, Hysteriker und regelrechte Spinner sich in Horrorszenarien über eingebildete Gefahren ergehen. Museumsbauernhof statt High Tech ist offenbar die Devise der Gentechnik-Feinde. Sind diese Leute klüger als der Rest der Welt, der auf die grüne Gentechnik setzt? Aber auch hier wird am deutschen Wesen die Welt wieder einmal nicht genesen (wollen)- und das ist auch gut so!

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26. März 2008 17:09

Forschen "Ja" Freilandversuche "Nein"!

Andreas Bächtle (Andreas_B.)

Genmanipulierte Pflanzen bringen nur den jeweiligen Herstellern etwas, und zwar fette Gewinne. Die Bauern werden nur in Abhängigkeiten gebracht und müssen wenn z.B. eine Ernte durch Unwetter oder Dürre verloren geht (dagegen hilft auch keine Genmanipulation) für die nächste Aussaat auch noch teures Saatgut kaufen, denn das lässt sich aus den Hybridpflanzen nicht gewinnen und wenn, wäre es nicht gestattet.
Und was soll es bitte bringen Soja gegen einen Unkrautvernichter resistent zu machen nur um dann kübelweise Chemie auf die Pflanzen auszuschütten, außer eben klingelnde Kassen bei der Saatgut- und Chemie-Industrie, dabei aber unser Grundwasser zu verseuchen.
Der im Beitrag genannte BT-Mais steht im übrigen im Verdacht am Bienensterben schuld zu sein, anscheinend wird der Giftstoff im Verdauungstrakt der Bienen, anders als dies beim Menschen der Fall sei, nicht unschädlich.

Trotzdem muss auch Gentechnik-Forschung möglich sein, jedoch nur in Geschlossenen Systemen wie es Beispielsweise bei der Herstellung von synthetischem Insulin durch gentechnisch veränderte Bakterien der Fall ist. Hierbei ist ein entweichen in die Umwelt kaum vorstellbar und damit auch keine Schädigung der selben.

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26. März 2008 11:57

Naive und gefährliche Wissenschaftsgläubigkeit

Gabor von Zoltan (Putinras)

Es ist erschreckend mit welcher Leichtgläubigkeit (von Gewinnaussichten zusätzlich schmackhaft gemacht) sich ein Grossteil deutscher Politiker auf ein Spiel einlässt, dessen Auswirkungen vollkommen unklar sind.

Gerade Deutschland müsste doch eigentlich ein etwas feineres Gespür dafür besitzen, dass auch "wissenschaftliche Erkenntnisse" sich bereits wenige Jahrzehnte später als Humbug erweisen können. Auch in der Wissenschaft gibt es Modeströmungen... Und wenn dann noch Konzerne das grosse Geld wittern (Hybridpflanzen), ist doch klar, dass die Strömung in gewissen Kanälen noch viel intensiver in die eine Richtung sprudelt.

Zum Thema "Modeerscheinung in der Wissenschaft" muss noch nicht einmal so etwas wie die "Rassenlehre" herangezogen werden. Das Ausblenden von Risiken zieht sich auch weiter durch die Nachkriegswissenschaft. Ein Blick auf den naiven Prosperitätsglauben für die Atomindustrie oder die Schädlingsbekämpfung per Chemiekeule in den 50ern genügt.

Man muss doch in einer Demokratie fähig sein Lobbies zu hinterfragen!

Das Gegenteil geschieht. Bsp. übrigens auch die biometrische Datenerfassung per Fingerabdruck: Längst als einfachst zu überlisten enttarnt, weiterhin angepriesen von Lobby und "Fachleuten"!

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26. März 2008 09:54

Ja und Nein

Hans C. Kienzler (Trivalent)

Ja zu Forschung, nein zu weiter zunehmender Abhängigkeit der Landwirte von industriellen Pflanzgut-Monopolisten, die mit Hilfe von Patenten und politischer Einflussnahme den großen Reibach machen. Es ist wohl langfristig gesehen der eigentliche Berufs-GAU, dass die Bauernverbände die Handlungsfreiheit in Sachen Pflanzenzucht, der Vermehrung und damit die Zukunft, zu welchem Preis auch immer, verdummbeutelt haben. Was man aus der Hand gibt, das hat man nicht mehr!

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26. März 2008 09:28

Langzeitschäden nicht bekannt

Paul Rabe (heidelpaul)

Wenn man Pflanzen genetisch so verändert, daß diese für Schädlinge giftig sind so kann man höchstens hoffen es aber nie wissen welche langfristige Auswirkung diese Giftigkeit dann für den Menschen hat.
Wir verstehen den hochkomplexen menschlichen Organismus und das Zusammenspiel der verschiedensten Botenstoffe (Hormone etc.) die in geringsten Mengen schon große Auswirkungen haben noch so gut wie gar nicht.
Es ist ein reines Glücksspiel ob ein gentechnisch veränderte Pflanze (dann zu einer unnatürlichen "Giftpflanze" mutiert) unseren Organismus langfristig nicht schadet.

Die Ursache vieler (oft tödlicher) Krankheiten ist zudem kaum bekannt und erst recht nicht nachweisbar. Wie sollte z.B. jemand der an Darmkrebs erkrankt (jedes Jahr 28.000 Tote in Deutschland, Tendenz steigend) beweisen, daß dies eine Langfristfolge von gentechnisch veränderten Lebensmitteln ist ?

In einer freien Gesellschaft muss dem Bürger die Gelegenheit gegeben werden auf von solche Lebensmitteln zu verzichten indem die Kennzeichnungspflicht umfassend und deutlich erweitert wird.

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26. März 2008 09:24

Monsanto

Los Närgli (lma666)

Allein die Tatsache, daß der GenMais von Monsante stammt, macht mich hellhörig.
Der Vorstand dieses Ladens bürstet sich morgens die Hufe, bevor er in sein Gucchi-Schuhe steigt ;-)

Aber mal ernsthaft: Die Argumente der Gen-Gegner sind nicht widerlegbar, eine Vermischung von genmanipuliertem Erbgut, dessen langfristige Effekte nicht mal ansatzweise erforscht sind mit "normalen" Sorten kann bei Freilandversuchen nicht verhindert werden.
Also müssen diese unterbleiben, bis in langangelegte Studien u.a. nachgewiesen wurde, daß auch die Kreuzung des "Gen-Mais" mit anderen Sorten keine gefährlichen Ergebnisse bringt... und dieser Nachweis dürfte, wenn er denn wissenschaftlich und nicht politisch geführt wird, ein paar Jahrzehnte dauern...

Und spätestens, wenn ein "patentgeschützes Gen" in normalen Sorten auftaucht, wird Monsanto kommen und alle verklagen, denn es ist ja "ihr Gen"... ;-)


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25. März 2008 23:04

das fragwürdige "Wie"

Johanna Colsman (nebomoreoblaka)

Das Argument, man dürfe sich in Europa nicht von den Amerikanern abhängen lassen, ist doch Unsinn. Nur weil die anderen das haben, wollen /sollen wir auch. Oder sind wir Schafe, die dem Leitschaf in den Brunnen hinterherspringen müssen?So etwas kann man nur am Stammtisch mit Erfolg probieren, müsste man meinen. Seltsamerweise hat sich diese Einstellung in Deutschland auf allen Ebenen verbreitet. Sobald es gilt, irgendeine Errungenschaft aus den Staaten, die dank gesponserten Studien und Politikern, unterwanderten Prüfungsbehörden und u.ä. nur vorteilhaft erscheint, nach Europa einzuführen, und sobald berechtigte Zweifel auftauchen, kommt das Totschlagargument: Wettbewerbsfähigkeit. Bei Kindern nennt man das doch Gruppenzwang, oder nicht?

Was auch immer Gentechnik für Nutzen haben mag - der größte Nutzen, der sich bislang offenbart hat, war der, Abhängigkeiten zu schaffen und damit Geld zu verdienen. Außerdem ist die Art und Weise, wie sie durchgesetzt wird, alles andere als beruhigend. Da sind lächerliche Wettbewerbsargumente oder die übliche Praxis, Gegner grundsätzlich als altmodische, verkalkte Esotheriker ihrer Glaubwürdigkeit zu berauben, noch das kleinere Übel (siehe unten).

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25. März 2008 21:14

Monsanto

Jens Harke (jha2000)

Jeder, der diesen Dreck einsetzen will, sei der arte-Beitrag zur Firma Monsanto zu empfehlen.
Ich hatte nie das Verlangen danach und jetzt noch viel weniger.
Zumal es Jahrtausende auch ohne ging...
Hier geht es ausschließlich um Profit!
Nicht um den Pflanzenschädling.
Nicht um den Boden.
Nicht um das Grundwasser.
Nicht um den Bauern.
Nicht um den Konsumenten.
Nicht um den Hunger in der Welt.

Die Nahrungskette in der industriellen Landwirtschaft kann niemand kontrollieren. Der Mensch ist diesem Produkt schutzlos ausgeliefert.

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