Proteste

Norwegen und Japan starten Waljagd

Die größten Gefahren: Netze und Sprengharpunen

Die größten Gefahren: Netze und Sprengharpunen

11. Mai 2004 Trotz internationaler Proteste haben Norwegen und Japan abermals mit der Waljagd begonnen. Rund 880 der Meeressäugetiere werden dieses Jahr wohl durch Sprengharpunen der beiden Nationen getötet, wie Thilo Maack von der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Hamburg mitteilte.

Während es die norwegische Fangflotte vor allem auf die kleineren Minkwale abgesehen habe, jagten die Japaner unter anderem die auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten stehenden Seiwale sowie die bis zu 18 Meter langen Pottwale. Greenpeace forderte beide Länder auf, das internationale Moratorium von 1986 zum Fangverbot von Walen einzuhalten.

Norwegen hatte gegen das Moratorium Protest eingelegt und 1993 als einziges Land der Welt mit der kommerziellen Jagd auf die Wale wieder begonnen. Für dieses Jahr legten die norwegischen Behörden eine Abschußquote von 670 Tieren fest. Sie sehen darin keine Bedrohung für die Minkwale, deren Bestand im Nordatlanik auf mehr als 100.000 Exemplare geschätzt wird. Begründet wird die Jagd in Norwegen unter anderem mit der Nachfrage nach Walfleisch bei den heimischen Verbrauchern.

Fleisch mit giftigem Quecksilber verseucht

Das Fleisch der Pottwale und das Fett all der anderen bejagten Walarten sind laut Maack jedoch inzwischen so stark mit giftigem Quecksilber und Chlor-Verbindungen verseucht, daß der Verzehr für den Menschen verboten ist. Deshalb werde der größte Teil der getöteten Tiere weggeworfen. Nur etwa 15 Prozent würden verwertet.

Japan jagt offiziell aus „wissenschaftlichen Zwecken“ und will unter anderem untersuchen, ob die Wale und nicht die Fischfangindustrie verantwortlich sind für den Rückgang der Fischbestände in den Weltmeeren. Diese Annahme sei „ebenso absurd wie die Vermutung, daß Spechte die Ursache für die Entwaldung des Planeten sind“, erklärte Maack.

Der Protest der Tierschützer richtet sich auch gegen den Einsatz der Sprengharpunen, deren Sprengladung im Körper der Wale explodiert. Eine weit größere Bedrohung als die Jagd sind für die Lungenatmer jedoch die Netze der internationalen Berufsfischerei: Jedes Jahr verheddern sich bis zu 300.000 Wale und Delfine in den Netzen und ertrinken, weil sie nicht mehr zum Luftholen an die Meeresoberfläche kommen können.

Text: AFP
Bildmaterial: Science

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