Nach der Bärenjagd

Italien protestiert bei EU-Kommission gegen „Brunos“ Tod

28. Juni 2006 Der Abschuß von Braunbär „Bruno“ ruft immer massivere Proteste hervor und beschäftigt nun auch die EU. Italien legte am Mittwoch bei der EU-Kommission Protest gegen die Tötung von „JJ 1“ ein, wie der aus Norditalien eingewanderte Bär offiziell heißt. Mit ihrem Protest will die italienische Regierung erreichen, daß der Artenschutz künftig auf EU-Ebene geregelt wird.

Auch von Privatpersonen hagelte es weiter Proteste gegen die Haltung der Bayerischen Staatsregierung. Bei zahlreichen Staatsanwaltschaften und Polizeirevieren ging eine Flut von Strafanzeigen gegen Politiker und die Jäger ein, die „Bruno“ abschossen.

Mußte „Bruno“ doch leiden?

Aus dem Obduktionsbefund von „Bruno“ geht indessen hervor, daß der Bär möglicherweise doch nicht sofort tot war, wie Bayerns Umweltstaatssekretär Otmar Bernhard (CSU) noch am Montag gesagt hatte. In einer Mitteilung des Ministeriums vom Mittwoch heißt es, „JJ 1“ sei mit zwei Schüssen niedergestreckt worden. „Die beiden Projektile führten zu umfangreichen Verletzungen in Lunge und Leber“, heißt es weiter.

Es könne davon ausgegangen werden, „daß die inneren Verletzungen zu einem schnellen Tod des Bären“ führten. Das Ministerium spricht in dem Zusammenhang von einem „waidgerechten“ Abschuß. „Bruno“ war am Montag im Morgengrauen an der Rotwand im Landkreis Miesbach auf Anordnung des Ministeriums von Jägern erschossen worden.

Artenschutz EU-weit regeln

Italien brachte das jähe Ende des Braunbären beim Rat der EU-Umweltminister in Luxemburg aufs Tapet und forderte von der Europäischen Kommission in Brüssel, der Artenschutz müsse künftig auf EU-Ebene und nicht nur innerhalb nationaler Grenzen geregelt werden. Durch den formalen Protest gegen die Tötung „Brunos“ will die italienische Regierung erreichen, daß die EU beim Schutz aussterbender Tierarten besser kooperiert.

Nicht nur bei der zuständigen Staatsanwaltschaft München II, sondern auch bei anderen Anklagebehörden und bei Polizeidienststellen ging „eine Vielzahl“ von Anzeigen ein, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Rüdiger Hödl sagte. „Anzeigen kommen laufend - bei uns sind es jetzt 15.“ Sie richteten sich gegen Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) und die beim Abschuß beteiligten Jäger. In den Strafanzeigen werden unter anderem Verstöße gegen Jagdschutzgesetze und das Tierschutzgesetz genannt. „Wir prüfen das - danach entscheiden wir, ob wir ein Ermittlungsverfahren einleiten und gegen wen“, sagte Hödl. Die Entscheidung falle frühestens kommende Woche.

Unterdessen wurde in Fachkreisen die Vermutung laut, „Bruno“ hätte vielleicht eine Überlebenschance gehabt, wenn sein Problemverhalten früher erkannt worden wäre. „Je früher man beim Problembär eingreift, desto eher ist eine Chance zur Umerziehung gegeben“, sagte der oberösterreichische „Bärenanwalt“ Walter Wagner. Das österreichische Bundesland Tirol, wo sich „Bruno“ auch regelmäßig aufgehalten hatte, schloß sich am Mittwoch dem Bärenmanagement der Alpenrepublik an.

Gäste stornieren ihren Urlaub

Bis „Bruno“ ausgestopft zu bewundern sein wird, dürfte es Herbst werden. „Die Position, die der Bär für seine Betrachter einnimmt, will unter didaktischen und wildbiologischen Aspekten gut überlegt sein“, erläuterte Ministeriumssprecher Roland Eichhorn. Die Auseinandersetzung über den Ausstellungsort von „Bruno“ geht indessen weiter. Während der Freistaat das Tier im Münchner Museum „Mensch und Natur“ zeigen will, kündigte Ex-Skistar Markus Wasmeier an, er werde sich darum bemühen, daß der Bär in sein 25 Hektar großes Bauernhofmuseum in Schliersee kommt. Doch auch die Schlierseer Nachbargemeinde Bayrischzell beansprucht „Bruno“ für sich.

In der Region um den Schliersee stornieren aus Protest gegen die Erschießung des Bären immer mehr Gäste ihren Urlaub. Bei den Kurverwaltungen seien mittlerweile einige Dutzend Absagen eingegangen, hieß es.



Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: ddp

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