Artenschutz

Hessen will den Steinkrebs retten

04. April 2008 Sie sind viel zu klein, um für den menschlichen Verzehr interessant zu sein. Trotzdem sind die heimischen Steinkrebse akut vom Aussterben bedroht. Einst besiedelte der kleinere Bruder des bekannteren Edelkrebses im ganzen Land die quellnahen Oberläufe von Flüssen und Bächen. Heute müssen Experten schon lange suchen, um das acht bis zehn Zentimeter kleine nachtaktive Tierchen zu entdecken. Denn der vor gut 35 Jahren nach Deutschland eingeführte amerikanische Signalkrebs rottet die sensible Art allmählich aus: Er überträgt die Krebspest, die für das heimische Flusstier tödlich ist.

„Heute gibt es in Hessen nur noch etwa 20 Steinkrebsbestände im Taunus und im Odenwald“, sagte Regierungspräsident Gerold Dieke am Freitag im südhessischen Rimbach - und stellte vor der „Konferenz zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt“ im Mai in Bonn Hilfsmaßnahmen vor, um den seit Tausenden von Jahren in Hessen beheimateten Gliederfüßer vor dem Aussterben zu retten. Wichtigstes Vorhaben: Der nicht heimische Signalkrebs, der dem Edelkrebs zum Verwechseln ähnlich sieht, soll gezielt gefangen und zum Verzehr verkauft werden.

Probleme mit dem Signalkrebs

„Auch mit dem Erreger ist das Tier für Menschen problemlos zu genießen“, betonte Rainer Hennings, Vizepräsident des Verbands Hessischer Fischer, am Freitag in Fürth im Odenwald. Und der Diplombiologe Knut Gimpel von der Bürogemeinschaft für fisch- und gewässerökologische Studien (BFS) Marburg schwärmt: „Der Signalkrebs schmeckt sehr gut, das kann ich aus eigener Erfahrung berichten.“

Deshalb sei das Tier auch 1972 aus Schweden nach Deutschland gebracht worden. Inzwischen erwies sich dies freilich als fataler Fehler für heimische Arten. „Wir können die Bestände nur verringern und ihre Ausbreitung verzögern. Völlig abfischen können wir den Signalkrebs wohl nicht“, gesteht Gimpel. Der Schweden-Import, der künftig auf hessischen Tellern landen soll, ist mittlerweile die am weitesten verbreitete Krebsart in Hessen.
Auch von anderer Seite drohen der kleinsten einheimischen Art Gefahren.

Betonierte Bachläufe und Insektizide schrecken ab

Das sensible Tier mit kräftige Scheren, das sich gerne unter Steinen versteckt, verträgt weder betonierte Bachläufe noch Insektizide. „Wir müssen die Bäche rein halten. Selbst eine im Bach gesäuberte Gartenspritze kann die Bestände in kurzer Zeit hinwegraffen“, betont Gimpel. Gleichzeitig müsse vermieden werden, dass Nutztiere in der Nähe der Gewässer bewirtet werden und sie die Steinkrebse zertrampeln. Außerdem plant das Regierungspräsidium, Eier tragende Weibchen zu entnehmen. Sie sollen längst verloren gegangene Lebensräume neu besiedeln.



Text: FAZ.NET mit lhe
Bildmaterial: dpa

 
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