17. Juni 2003 Wale und verwandte Fischarten werden künftig besser geschützt: Gegen den Widerstand von Walfangnationen wie Japan und Norwegen konnten bei der 55. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Berlin die Walfanggegner den Schutz der Meeressäuger ausweiten. Damit wird erstmals der Schutzgedanke ausdrücklich in der seit Jahren zerstrittenen IWC verankert. Für die so genannte Berliner Initiative stimmten 25 Mitglieder bei 20 Gegenstimmen.
Nicht nur der Fang, sondern auch andere Bedrohungen für die Tiere wie etwa Umweltverschmutzung würden künftig geächtet, sagte eine Sprecherin der Umweltorganisation World Wide Fund (WWF) am Montag. Auch sei der Schutz auf kleinere Walarten wie Delfine und Tümmler ausgeweitet worden. Die Sprecherin nannte die Initiative, mit der dem Schutz der Meeressäuger künftig höchste Priorität eingeräumt wird, historisch. Auch Deutschland trat für die Initiative ein.
"Modernisierung und Stärkung des IWC"
Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) sprach von einem großen Erfolg. Damit wird der Walschutz als ein Kernanliegen in der IWC anerkannt und erhält einen eindeutig höheren Stellenwert als bisher. Die Annahme der Resolution sei ein wichtiger Schritt zur Modernisierung und damit zur Stärkung der IWC. Auch Umwelt- und Artenschutzorganisationen begrüßten den Beschluß als Schritt in die richtige Richtung. Trotz des bestehenden Walfangverbots werden jedes Jahr von Japan und Norwegen Wale gejagt. Beschlüsse der IWC werden seit Jahren wegen der unversöhnlichen Positionen der Walfangbefürworter und -gegner blockiert.
Japan und Norwegen kündigten an, dem neuen Schutz-Komitee nicht beizutreten. Zum Auftakt der Tagung, die erstmals in Deutschland stattfindet, war Japan mit dem Antrag gescheitert, die Schutz- Initiative von der Tagesordnung zu nehmen. Tokio und Oslo hatten dagegen zuvor bereits angekündigt, für eine Rückkehr zum kontrollierten kommerziellen Walfang eintreten zu wollen. Trotz eines Verbots geben beide Länder jährlich eine bestimmte Anzahl von Großwalen zum Abschuß frei.
Wissenschaftlicher Walfang umstritten
Die Umweltorganisation WWF verurteilte die Blockade Japans und Norwegens. Der WWF-Artenschutzexperte Volker Homes bezeichnete die Annahme der Initiative aber dennoch als Meilenstein für den Walschutz. Die Kommission erkenne jetzt an, daß außer den Großwalen auch die kleinen Walarten geschützt werden müßten. Jetzt werde auch endlich das größte Problem des Beifangs angegangen, durch den zehntausende Wale, vor allem kleinere Arten, in den Fischernetzen verenden. Der Greenpeace-Experte Thilo Maack sagte: Die Annahme der Berliner Initiative ist der erste Schritt auf dem langen Weg, aus der Walfang-Kommission eine Schutzkommission zu machen. Jetzt müßten konkrete Maßnahmen folgen.
Während der viertägigen IWC-Sitzung soll auch eine Resolution gegen den umstrittenen wissenschaftlichen Walfang eingebracht werden, den Japan betreibt und mit dem auch Island beginnen will. Wir haben dafür kein Verständnis, sagte Künast. Um herauszufinden, wie Wale sich ernähren, müßten die Tiere nicht in so großer Zahl getötet werden. Artenschutzorganisationen warfen Island, das 500 Wale innerhalb von zwei Jahren angeblich zu Forschungszwecken fangen will, ein Täuschungsmanöver vor.
Text: AFP, dpa
Bildmaterial: AP, dpa