Bayern

Der Bär ist los

Ein Braunbär ist auf der Flucht

Ein Braunbär ist auf der Flucht

21. Mai 2006 Der Bär ist los: Der Braunbär, der seit Tagen durch Tirol wandert, ist in Bayern angekommen. Auf einer oberbayerischen Weide riß das Tier vier Schafe, um danach gleich wieder spurlos zu verschwinden, wie die Sprecherin des World Wildlife Fund Deutschland (WWF), Ulrike Bauer, der dpa bestätigte. Den genauen Ort wollte sie nicht nennen, „um einen Bären-Tourismus zu vermeiden und Menschen nicht in Gefahr zu bringen“. Damit ist seit mehr als 170 Jahren erstmals wieder ein Bär in Deutschland. Woher der Bär genau stammt, ist bislang nicht bekannt. Es könnte sich aber um ein Tier aus dem Trentino in Italien handeln, vermutet der WWF, der Genproben in Italien überprüft und sich über die Ankunft des des Braunbären in Deutschland freut.

Martin Wehrmeister, Landwirt und Hobby-Imker im Tiroler Weiler Alach, gehört zu denjenigen, die den wanderfreudigen Meister Petz mit eigenen Augen gesehen haben. „Es ist bärig! Ich hätte nie gedacht, einmal einen Bären zu sehen - und schon gar nicht in meinem Bestand“, erzählt der 66jährige über die Begegnung vor wenigen Tagen. Abends hatte der Hund des Landwirts angeschlagen. „Ich dachte erst, das ist ein Dachs.“ Doch bei Licht stellte sich rasch heraus, daß ein leibhaftiger Bär einen Bienenstock auf seinem Hof heimgesucht hatte. „Das war kein großer Schaden. Das war ein Erlebnis!“

Hoffen auf die Röhrenfalle

Wo sich der Braunbär danach herumtrieb, konnte keiner genau sagen. „Später hat er zwei Kilometer vor der Grenze bei Pflach eine Bienenhütte ausgeräumt“, berichtete Susanne Grof, Sprecherin des WWF Österreich, am Samstag bei einem Presserundgang im Tiroler Ort Elmen.

„Dieser Bär ist ein besonderer Bär, so wie er sich verhält“, erklärt Jörg Rauer, einer von drei österreichischen „Bärenanwälten“. Dies sind offiziell bestellte Experten mit der Aufgabe, die Bevölkerung in Bären-Fragen zu beraten. Anders als gewöhnliche Bären zeige dieses Tier nämlich keine Scheu vor Menschen. Ein Verhalten, das ihm die Spezialisten austreiben wollen.

Ihre Hoffnung setzen die „Bärenanwälte“ auf eine Röhrenfalle. Darin soll der Bär gefangen werden, um ihm einen Sender zu verpassen. Damit ließe sich die Position des Bären künftig genau orten. Mit Hilfe einer Absprengeinheit löse sich das Halsband nach 48 Wochen von selbst vom Hals. „Der Bär wächst noch, das würde sonst zu eng werden.“

Knallkörper und Gummigeschosse

„Wir haben am nächsten Tag bis halb drei in der Früh gewartet, ob der Bär wiederkommt“, erzählt Wehrmeister. „Wenn er in die Bienenhütte eindringen würde, wäre das ein großer Schaden - wir haben 14 Bienenvölker.“ Furcht vor einer Rückkehr des Tieres hat Wehrmeister nicht. „Angst absolut nicht, aber Respekt schon.“

Die „Bärenanwälte“ wollen dem tapsigen Besucher solche Ausflüge in menschliche Siedlungen vermiesen. Mit Knallkörpern und Gummigeschossen soll ihm ein gehöriger Schreck eingejagt werden, um ihn wieder die natürliche Scheu vor Menschen zu lehren. „Das ist wie eine g'sunde Watschn. Das soll ihm auch am nächsten Tag noch ordentlich weh tun, sonst vergißt er das wieder“, beschreibt Wagner den Sinn der geplanten Maßnahmen.

Wenn dem Bären beigebracht werden könne, sich von Menschen fern zu halten, sei ein Miteinander durchaus möglich, beteuern die WWF- Experten. „Das hat die Erfahrung in anderen Ländern und Österreich schon gezeigt.“ Landwirt Wehrmeister steht einer dauerhaften Ansiedelung des Bären trotz aller Versicherungen der Tierschützer skeptisch gegenüber. „Daß er ständig da ist, das muß man dann doch nicht haben. Man weiß ja nicht, was er anstellt. Aber so war das schon eine bärige Geschichte.“
Der WWF warnt unterdessen eindringlich davor, auf Bärensuche zu gehen. „Der Bär ist ein Wildtier und nicht zu unterschätzen. Wenn er sich in die Enge gedrängt fühlt, kann er sehr gefährlich werden“, sagte Artenschützer Volker Homes.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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