27. Juni 2007 Ein Sturmtief mit orkanartigen Böen hat in Norddeutschland etliche Fähr- und Bahnverbindungen lahm gelegt. Etwa 440 Helgoland-Touristen saßen auf Deutschlands einziger Hochseeinsel fest, weil ihre Schiffsverbindung nach Hamburg angesichts des Wetters verschoben wurde. Auf der Ostsee unterbrach der Sturm am Mittwoch den Fährverkehr. Die Verbindungen Rostock-Gedser wurden ebenso eingestellt wie die Fähre nach Hiddensee und einige Verbindungen nach Rügen. Vielerorts wurden Bäume entwurzelt, Dutzende Keller liefen voll Wasser.
Auf Hiddensee registrierte die Station des Wetterdienstes Meteomedia eine Windgeschwindigkeit von 137 Stundenkilometern. Das entspricht der höchsten Windstärke 12. Auf der Nordseeinsel Helgoland waren Windgeschwindigkeiten von 100 Kilometern pro Stunde gemessen worden, am Leuchtturm Kiel in der Ostsee bis zu 107 Stundenkilometern.
Touristen in Notunterkünften untergebracht
Die gestrandeten Tagestouristen auf Helgoland wurden am Dienstagabend in Schulen, einer Jugendherberge sowie bei der Marine und der Feuerwehr untergebracht. Die Insel ist ja bereits voller Urlauber, sagte ein Polizeisprecher. Die Reederei FRS will erst im Laufe des Mittwochs entscheiden, ob der Katamaran Halunder Jet wieder fahren sollte. Das hänge von der Wetterentwicklung ab, sagte eine Sprecherin. Ein Seebäderschiff mit 275 Passagieren an Bord war am Dienstag auf der Fahrt von Helgoland nach Bremerhaven in schwere See geraten. Zwei Fahrgäste seien gestürzt und hätten sich am Kopf verletzt, teilte ein Polizeisprecher in Bremen mit.
Zwischen Rostock und dem dänischen Gedser sollten nach Angaben der Reederei Scandlines am Mittwoch insgesamt acht Abfahrten in beide Richtungen ausfallen. Der Grund: In Gedser hatte der Wind das Wasser aus dem Hafenbecken drückt. In Rostock fuhr die Warnowfähre nach Gehlsdorf nicht.
Bahnstrecken zeitweise unterbrochen
Die Bahnstrecken von Hamburg nach Berlin, Hannover und Sylt sowie zwischen Lübeck und Kiel waren am Mittwoch zeitweise unterbrochen, weil Bäume auf die Oberleitungen gefallen waren. Da ist man machtlos, sagte Bahnsprecher Dirk Pohlmann. Die Fernstrecken waren jedoch schon am Vormittag frei geräumt und wieder passierbar - wenn auch auf einigen Abschnitten zunächst nur eingleisig. Passagiere des Regionalverkehrs mussten auf einigen Teilstrecken auf Busse umsteigen.
In Hamburg hielt der Sturm die Feuerwehr in der Nacht zum Mittwoch über Stunden in Atem. Bis zwei Uhr waren die Helfer zu mehr als 200 Einsätzen ausgerückt. In Hannover und Umgebung war die Feuerwehr etwa 50 Mal alarmiert worden, um umgestürzte Bäume und abgeknickte Äste zu beseitigen. In Worpswede bei Bremen stürzte ein Baum auf ein Museum und richtete großen Schaden an. In Schwerin, Neubrandenburg und Anklam in Mecklenburg-Vorpommern registrierte die Feuerwehr rund 100 Einsätze bis zum Mittwochmorgen.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AP, dpa