Leichtathletik-WM am Sonntag

Iwanowa gewinnt Gold in Weltrekord-Zeit

Olimpiada Iwanova siegte über 20-Kilometer-Gehen

Olimpiada Iwanova siegte über 20-Kilometer-Gehen

07. August 2005 Geher-Gold mit Weltrekord haben Olimpiada Iwanowa in einer Stunde, 25 Minuten und 41 Sekunden unendlich glücklich und um 160 000 Dollar reicher gemacht. Die 34 Jahre alte Russin bot am Sonntag bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften auf den Straßen Helsinkis eine Show der Extraklasse - und setzte dann nach 20 Kilometern im Olympiastadion noch einen drauf.

Kein Kampfrichter konnte die Weltmeisterin nach dem Passieren der Ziellinie stoppen, auch nicht die auf der Anzeigetafel hell aufleuchtende Weltrekordzeit „1:25:41“. Wie in Trance ging Iwanowa weiter, schwenkte die russische Fahne und genoß den Applaus der Zuschauer. Erst nach 300 Metern bemerkte sie ihren schönen Irrtum und beendete die Zugabe. „Dieser Sieg macht mich zum glücklichsten Menschen der Welt. Ich kann es noch nicht glauben. Aber ich habe auch hart dafür gearbeitet“, sagte die Russin.

100.000 Dollar für den Weltrekord

Für den WM-Titel spendiert der Weltverband IAAF jedem Einzel-Weltmeister 6.000 Dollar, für einen Weltrekord gibt es noch einmal 100.000 oben drauf. Mit dem Rückenwind von Helsinki will Olimpiada Iwanowa nun sogar noch einmal bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking antreten. Dann ist sie 37 und könnte nach einem EM- sowie zwei WM-Titeln mit Olympia-Gold abtreten.

Iwanowa triumphierte bei ihrem zweiten WM-Gold nach 2001 vor der Weißrussin Ryta Turawa (1:27:05 Stunden) und der Portugiesin Susanna Feitor (1:28:44). Sie blieb 41 Sekunden unter dem alten Weltrekord der Chinesin Yan Wang und der Russin Jelena Nikolajewa von 2001 bzw. 2003.

„Das ging heute alles daneben“

Während Melanie Seeger mit Platz elf (1:31:00) durchaus leben konnte („deshalb geht die Welt nicht unter“), flossen bei ihrer Potsdamer Vereinskollegin Sabine Zimmer die Tränen. „Ich bin total enttäuscht, das ging heute alles daneben, ich weiß auch nicht warum. Ich hatte mir mehr ausgerechnet“, erklärte die 24-Jährige, die sich mit 1:34:24 am Ende noch auf Platz 23 durchgereicht wurde.

Ihre deutsche Rekordzeit ist über sechs Minuten besser. Ex-Weltmeisterin Franka Dietzsch hatte am Vormittag souverän das Diskus-Finale erreicht. Bereits im ersten Versuch der Qualifikation übertraf die 37-jährige Neubrandenburgerin mit 63,53 m deutlich die geforderte Norm. Nur drei starke Frauen waren im Vorkampf besser.

18 Zähler oder 1,2 Sekunden

Die Entscheidung über den Weltmeistertitel im Siebenkampf von Helsinki bleibt bis zur letzten Sekunde spannend. Vor dem abschließenden 800-Meter-Lauf am Sonntagabend führt die schwedische Titelverteidigerin Carolina Klüft mit 5.906 Punkten und hat damit nur 18 Zähler mehr als ihre Konkurrentin Eunice Barber (5.888) aus Frankreich.

Dies bedeutet, daß Barber mindestens über 800 m mindestens 1,2 Sekunden schneller als Klüft sein muß, um WM-Gold zu holen. Die Olympia-Sechste Sonja Kesselschläger liegt mit 5238 Punkten auf Platz zehn, WM-Debütantin Lilly Schwarzkopf mit 5061 auf dem 11. Rang. Wegen Rückenproblemen mußte Karin Ertl aufgeben. Die französische Weltmeisterin von 1999 Eunice Barber hatte nach vier Disziplinen noch in Führung gelegen.

Karin Ertl mußte aufgeben

Im Weitsprung machte Carolina Klüft jedoch viel Boden gut und sprang mit 6,87 Meter zwölf Zentimeter weiter als Barber. Die 31jährige konnte danach den Punkteabstand im Speerwurf wieder verkürzen: Mit 48,24 Meter warf sie fast einen Meter weiter als die neun Jahre jüngere Klüft (47,20). Die 27jährige Neubrandenburgerin Sonja Kesselschläger wird ihr Ziel, erstmals 6300 Punkte zu überbieten, nicht mehr erreichen können.

Dafür stehen die Chancen gut, daß sie einen Platz unter den ersten Zehn der WM verteidigen kann. Auf einem respektablen 11. Platz liegt bei ihrer WM-Premiere Lilly Schwarzkopf aus Paderborn, die 5,87 Meter weit sprang. Pech hatte Karin Ertl (Fürth/München), die schon am ersten Tag Schmerzen im Rücken hatte. „Ich wüßte nicht, was es bringen sollte, wenn ich den Wettkampf beenden sollte“, sagte Ertl, „die Verletzung kann sich nur noch verschlimmern“.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: REUTERS

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