Von Eva Mayer-Wolk
24. Juli 2002 Was ist nun richtig? Geht es ohne Fleisch oder nicht? Für Frau Müller ja, für Herrn Meier nein. Mit anderen Worten: eine für alle geltende Antwort gibt es weder in diesem Fall noch für andere Ernährungsfragen.
Grundsätzlich muss man sich klarmachen: Jeder is(s)t anders, jeder hat seinen Stoffwechsel, seine (oft in der Kindheit angelegten) Vorlieben und Gewohnheiten, und wer auf seinen Bauch hört, kann fast nichts falsch machen. Dabei sollte man aber genau unterscheiden, ob die Entscheidung - zum Beispiel für oder gegen Fleisch - aus dem Bauch kommt oder aus dem Kopf: Wir sind so sehr auf die Vernunft gepolt, dass wir den Bauch leicht überhören.
Der ultimative Test: Fleischentzug
Und die Grundlage für vernünftige Entscheidungen sind in der Regel allgemein anerkannte Expertenmeinungen, die angeblich allgemeingültige Ernährungsregeln predigen. Bleiben wir beim Beispiel Fleisch, das ernährungsphysiologisch nicht unbedingt sein muss - die Inhaltsstoffe können auch durch die richtige Kombination anderer Lebensmittel aufgenommen werden können.
Aber vielleicht fährt Ihr Organismus nun mal total auf Fleisch ab? Wenn Sie´s genau wissen wollen, dann verzichten Sie mehrere Monate konsequent auf Schnitzel, Frikadelle und Bockwurst. Natürlich müssen Sie sich das Eiweiß, die Mineralien und Vitamine dann mit einer entsprechend ausgewogenen alternativen Kost zuführen: Hülsenfrüchte, Gemüse, Käse, Milch, Eier.
Vegane Kost erfordert einen robusten Verdauungstrakt
Das heißt, Sie müssten dann eine Zeitlang zumindest ovo-lacto-vegetarisch essen. Fisch wäre auch sehr zu empfehlen, dann ist die Ernährung allerdings nicht mehr streng vegetarisch, aber noch vollwertiger. Veganer wiederum verzichten nicht nur auf Fleisch und Fisch, sondern auch auf Lebensmittel tierischer Herkunft, also auf Käse, Butter und Eier.
Dadurch haben sie es schwer, alle erforderlichen Stoffe zu sich zu nehmen. Denn über einen so robusten Verdauungstrakt, dass sie die eher schwerverdauliche rein vegane Kost in ausreichender Menge vertragen können, verfügen nicht viele.
Der Körper braucht kein Fleisch
Wenn Sie merken, dass Sie sehr gut ohne Fleisch und Wurst auskommen, dann bleiben Sie beim Verzicht, denn offenbar braucht Ihr Körper diese Nahrungsmittel nicht. Und keine Sorge: Die Verbraucherzentrale Hessen teilte neulich mit, umfangreiche Studien widerlegten die regelmäßig wiederholten Behauptungen, vegetarische Ernährung sei unzureichend.
Danach waren bei Vegetariern zwar die Eisenspeicher nicht so gut gefüllt wie bei Fleischessern - Anämien oder Leistungsschwächen wurden aber nicht beobachtet. Und die mittels Blut- und Urinwerten ermittelte Zinkversorgung liegt bei erwachsenen Vegetariern im Normalbereich.
Vegetarier sind die besseren Menschen?
Auch für Kinder ist vegetarische Ernährung geeignet: Mangelerkrankungen bei Kleinkindern wurden nur bei streng vegetarischer Kost ohne jegliche Milchprodukte beobachtet. Gegen eine gemäßigte vegetarische Kost bei Kindern ist dagegen nichts einzuwenden.
Dass Vegetarier erwiesenermaßen auch insgesamt gesünder sind als Fleischesser, heißt nicht automatisch umgekehrt: lasst Fleisch weg, und Ihr habt weniger Übergewicht, Altersdiabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Denn meist sind überzeugte Vegetarier auch Nichtraucher, trinken wenig Alkohol und bewegen sich gern und konsequent.
Fleisch oder nicht Fleisch: Hören Sie auf ihren Bauch
Wenn Sie nun aber sechs Monate nicht nur verzichtet, sondern regelrecht durchgehalten haben und auf der Stelle einen ganzen gebratenen Ochsen vertilgen könnten, dann wandeln Sie den vegetarischen Speiseplan besser wieder in einen mit Schnitzel und Co. in Maßen um.
Text: @bine
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