Dopingmißbrauch

Tennis-Profi Canas für zwei Jahre gesperrt

Mißverständnis? Der argentinische Tennisprofi Guillermo Canas

Mißverständnis? Der argentinische Tennisprofi Guillermo Canas

09. August 2005 Tennisprofi Guillermo Canas ist als vierter Argentinier binnen vier Jahren des Dopingmißbrauchs überführt und für zwei Jahre gesperrt worden. „Ich weiß nicht, was passiert ist. Ich hoffe nur, daß es ein Mißverständnis ist und nichts mehr“, sagte der Südamerikaner, nachdem das Urteil am Montagabend aus dem Hauptquartier der Spielerorganisation ATP in Ponte Vedra Beach im US-Bundesstaat Florida bekannt geworden war.

Der positive Befund stammt bereits aus dem Februar, als bei dem Weltranglisten-Zehnten beim Turnier in Acapulco ein erhöhter Wert verbotener Diuretika festgestellt worden war. Die entwässernd wirkenden Medikamente können den Gebrauch von Anabolika verschleiern. Im Juli hatte ein unabhängiges Anti-Doping-Tribunal den French-Open-Viertelfinalisten gehört und die Testergebnisse bestätigt.

„Unzulänglichkeiten des Systems“

„Ich habe niemals etwas Besonderes oder Verbotenes eingenommen, um mir einen Vorteil im Tennis zu verschaffen“, sagte Canas der argentinischen Tageszeitung „La Nacion“. Das Urteil bewertete er als Ablenkungsmanöver, um „die Unzulänglichkeiten des Systems zu verschleiern“. Canas will den Weg vor das internationale Sportgericht CAS gehen und darf dabei mit der Hilfe von Guillermo Vilas rechnen.

Der frühere Weltklassespieler hatte sich bereits eingeschaltet, als Canas' Landsmann Juan Ignacio Chela 2001 wegen Anabolika-Dopings für drei Monate gesperrt worden war. Clenbuterol-Mißbrauch wurde dem French-Open-Finalisten Mariano Puerta nachgewiesen. Er begründete dies mit der Einnahme eines Asthma-Mittels, was ihn 2003 allerdings nicht vor einer neunmonatigen Sperre bewahrte. Guillermo Coria schließlich dopte im April 2001 mit dem anabolen Steroid Nandrolon und wurde bis zum 13. März 2002 von allen Turnieren ausgeschlossen.

Sperre bis 11. Juni 2007

Der 27jährige Canas, der in Halle/Westfalen im Halbfinale gestanden und danach seine Absage beim Rasenturnier in Wimbledon mit einer Handverletzung begründet hatte, bleibt bis zum 11. Juni 2007 gesperrt. Der Spieler aus Buenos Aires muß 276 070 Dollar Preisgeld zurückzahlen und bekommt die Weltranglistenpunkte abgezogen, die er nach dem positiven Dopingbefund gesammelt hat. Mit Ausnahme offenbar der in Roland Garros erkämpften, weil der dortige Test „sauber“ war.

„Ich habe bisher geschwiegen, weil mir die ATP verboten hat, etwas zu sagen“, erklärte Canas. Das Kontrollsystem sei nicht ausgereift, und das wolle die ATP verschleiern. Auf ihrer Webseite wurde der neuerliche Dopingfall mit keiner Silbe erwähnt. Vor gut einem Jahr musste die Spielerorganisation im Kampf gegen das Doping eine herbe Niederlage einstecken und den Briten Greg Rusedski freisprechen. Ein Schiedsgericht sah es als erwiesen an, dass unter anderen Rusedski durch Physiotherapeuten der ATP kontaminierte Nahrungsergänzungsmittel erhalten hatte.

Insgesamt waren zwischen August 2002 und Mai 2003 43 Profis mit erhöhten Nandrolon-Werten aufgefallen. Die Proben wiesen nahezu identische Muster auf. Als Konsequenz bietet die ATP allen Spielern seit Anfang des Jahres fünf speziell entwickelte Nahrungsergänzungsmittel an und garantiert für deren Reinheit.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AP

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