Leichtathletik-WM

Clay gewinnt Zehnkampf - Unger und Bolm sprinten ins Finale

Der neue König der Athleten: Bryan Clay (Vereinigte Staaten)

Der neue König der Athleten: Bryan Clay (Vereinigte Staaten)

10. August 2005 Der Amerikaner Bryan Clay hat sich im Duell mit Tschechiens Weltrekordler Roman Sebrle zum „König der Athleten“ selbst gekrönt. Der Berliner Andre Niklaus landete im Zehnkampf der Giganten fast sensationell auf Rang vier. Am naßkalten fünften Tag der Leichtathletik-Weltmeisterschaft von Helsinki flogen „Schwabenpfeil“ Tobias Unger (200 m) und Kirsten Bolm (100 m Hürden) zielsicher ins Finale, dagegen setzte Ex-Weltmeister Charles Friedek seine Pleitenserie im Dreisprung fort.

Das sechste Gold für die Vereinigten Staaten gewann überraschend Tianna Madison im Weitsprung, über 400 Meter triumphierte Tonique Williams-Darling (Bahamas) und im Speerwurf gab es statt des von 30.000 Zuschauern erhofften vierten WM-Goldes seit 1987 keine Medaille für Finnland. Überraschend siegte der Este Andrus Värnik. Achter wurde der Rostocker Europacupsieger Mark Frank mit 77,56 m. Regen, starker Wind und Temperaturen um 13 Grad veranlaßten die Organisation zur Verlegung des Stabhochsprung-Finals auf Freitag, um Rußlands Fünf-Meter-Springerin Jelena Isinbajewa eine größere Chance auf den 18. Weltrekord ihrer Karriere zu geben.

Unger: „Träume nicht von einer Medaille“

Tobias Unger erzielte im 200-Meter-Halbfinale in 20,63 Sekunden die sechstbeste Zeit. „Ich träume nicht von einer Medaille. Aber ich werde im Finale um jeden Platz kämpfen“, meinte der 26 Jahre alte Kornwestheimer, der den deutschen Rekord bei wesentlich besseren Bedingungen auf 20,20 Sekunden gesteigert hatte. Unger wurde Halbfinal-Dritter hinter Titelverteidiger John Capel (20,45) und dem Jahres-Weltbesten Wallace Spearmon (20,49). Im zweiten Lauf siegte Tyson Gay (20,27/Vorlauf 19,99) vor 100-Meter-Olympiasieger Justin Gatlin (alle Vereinigte Staaten/20,49). Unger: „Ich lag nur 14 Hundertstelsekunden hinter dem Weltjahresbesten. Im Finale kann ich noch zulegen.“

Die Mannheimer Hürdensprinterin Kirsten Bolm zog in 12,86 Sekunden bei strömendem Regen und 3,3 m Gegenwind als Zweite ins Finale ein und meinte: „Ich wußte, ich durfte nicht Dritte werden und hatte mächtig Bammel.“ Die Finalteilnahme schaffte im Hammerwerfen nur Rekordlerin Susanne Keil (Leverkusen) mit 67,82 m. Den Sprung ins Halbfinale vollzogen Hürdensprinter Thomas Blaschek (Leipzig) als Vorlaufsieger in 13,86 Sekunden bei 5,1 Meter Gegenwind („Ich dachte, die Welt geht unter“) und Claudia Marx (Erfurt) in 56,60 über 400 Meter Hürden.

„Ich habe es mal wieder verbockt“

Von acht Deutschen blieben erneut vier auf der Strecke und erhöhten die Ausfallquote des Teams in Runde eins auf acht. Im 200-Meter-Zwischenlauf scheiterte der Schalker Sebastian Ernst bei 3,7 Meter Gegenwind in 21,54 Sekunden, in der Hammerwurf-Qualifikation scheiterten die Olympiavierte Betty Heidler mit schwachen 61,91 und Kathrin Klaas (beide LG Frankfurt) mit drei Fehlversuchen.

Und für Charles Friedek endete das Unternehmen Helsinki mit indiskutablen 15,75 m sowie einer Verletzung. „Ich habe es mal wieder verbockt. Aber 2006 bin ich wieder dabei“, meinte der 33 Jahre alte Leverkusener, der beim letzten Versuch einen Riß des Innenbandes am linken Knöchel erlitt. DLV-Chefarzt Dr. Uwe Wegner: „Damit hätte er unmöglich im Finale springen können.“

Niklaus - „der absolute Hammer“

Im Zehnkampf „joggte“ der Olympiazweite Bryan Clay nach Glanzleistungen mit Diskus (53,68 m) und Speer (72,00) sowie 346 Punkten Vorsprung vor dem 1500-m-Lauf regelrecht zum Gold, denn die Punktzahl (8732) war ihm zweitrangig. Mit 8521 Zählern verfehlte Olympiasieger Sebrle auch beim fünften WM-Start den ersten Titel, Bronze gab es für den Ungarn Attila Zsivoczky (8385). Andre Niklaus erklärte nach sechs persönlichen Bestleistungen inklusive seiner 8316 Punkte: „Der vierte Platz ist der absolute Hammer.“

Im 400-Meter-Lauf siegte Williams-Darling wie bei Olympia in Athen, und Sanya Richards (Vereinigte Staaten) verwies Mexikos Titelverteidigerin Ana Guevara auf Rang drei. Im Weitsprung holte Tianna Madison im schwächsten WM-Weitsprung aller Zeiten mit 6,89 m überraschend das sechste Gold für die Vereinigten Staaten und machte die Russin Tatjana Kotowa (6,79) zum dritten Mal in Folge zur Vize-Weltmeisterin vor der französischen Siebenkampf-Zweiten Eunice Barber (6,76).

Erstmals WM-Gold für Estland und Bahrain

Im Speerwurf wurde Finnlands Weltranglisten-Spitzenreiter Tero Pitkämäki (91,53) nur Vierter und Ex-Weltmeister Aki Parviainen Neunter beim Sieg des Esten Andrus Värnik (87,17), der das erste WM-Gold für sein Land vor Norwegens Olympiasieger Andreas Thorkildsen (86,18) und Rußlands Titelverteidiger Sergej Makarow (83,54) gewann.

Rashid Ramzi hat die erste WM-Goldmedaille für den Wüstenstaat Bahrain in der Leichtathletik gewonnen. Der unter dem Namen Rashid Khoula als Marokkaner geborene Favorit setzte sich im Finale über 1500 Metern bei den Welttitelkämpfen in Helsinki im Spurt in 3:37,88 Minuten vor seinem früheren Landsmann Adil Kaouch in 3:38,00 durch. Weitere zwei Hundertstel zurück lief der Portugiese Rui Silva zu Bronze. Deutsche Läufer waren auf dieser Strecke nicht am Start.

Text: FAZ.NET mit Material von sid
Bildmaterial: dpa/dpaweb, REUTERS

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