28. Oktober 2004 Der als Leitender Mannschaftsarzt des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zurückgetretene Dr. Helmut Schreiber geht davon aus, daß in seiner Sportart alle Olympiasieger von Athen 2004 gedopt waren. Da würde ich mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, ja, erklärte der Freiburger Orthopäde in einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung auf eine entsprechende Frage.
Schreiber hatte während der Olympischen Spiele bereits erklärt, es werde gedopt auf Teufel komm raus mit Epo, Anabolika und Wachstumshormonen. Der frühere Weltklasse-Speerwerfer hatte daraus geschlossen: Unsere Leute sind chancenlos. In mir wächst das Gefühl, daß ich keine Lust mehr habe.
Bin ich ein Depp?
Als weitere Gründe für seinen Rücktritt nannte er nun Arbeitsüberlastung in seiner Rolle als Verbandsarzt und die Tatsache, daß von 63 Olympiakandidaten nur acht oder zehn vom Programm der Verletzungsprophylaxe Gebrauch gemacht hätten. Seine Reaktion: Da frage ich mich, wo die medizinische Betreuung ihre Position hat.
Schreiber fordert vom Internationalen Olypischen Komitee und den internationalen Fachverbänden die weltweite Ausweitung der Trainingskontrollen. Vor allem in den Nachfolgestaaten der UdSSR, in den Vereinigten Staaten und einigen europäischen Ländern würden entweder Doping-Kontrolleure unter Druck gesetzt oder Dopingproben verschwinden. Die griechischen Sprinter Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou hätten laut Protokoll vor Olympia in Athen Dopingkontrollen verweigert. Aber es passiere nichts. Der moralische Anspruch, den man selbst habe, führe zur Frage: Bin ich ein Depp?
Als in dieser Form nicht zulässigen Pauschal-Vorwurf hat Clemens Prokop als Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) die Verdächtigung Schreibers zurückgewiesen. Prokop meinte, er selbst sehe Anzeichen dafür, daß sich einige Olympiasieger durch ihre Leistungssteigerungen einerseits und ihre Wettkampf-Abstinenz bei großen Sportfesten vor den Spielen andererseits verdächtig machten. Aber wenn man solche Anschuldigungen ausspreche, müsse man auch konkrete Fakten in der Hinterhand haben. Er sei verwundert, daß sich Schreiber so weit aus dem Fenster lehne.
Text: FAZ.NET mit Material von sid
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