"Es war eine tolle Zeit"

Mainz geht - aber bleibt Klopp?

06. Mai 2007 STUTTGART. Das war's. Wer vorgab, etwas anderes zu glauben, zog sich den Zorn des Präsidenten zu. Harald Strutz, Chef des FSV Mainz 05 seit mehr als einem Jahrzehnt, hat am Samstag nach der 0:2-Niederlage in Stuttgart Bilanz gezogen. "Es war eine tolle Zeit", sagte er mit betrübter Miene. Es war. Das hundertste Bundesligaspiel in der Geschichte des rheinhessischen Fußballvereins sorgte für Abstiegs- und Abschiedsstimmung. Fünf Punkte Rückstand bei zwei ausstehenden Spielen samt einer miserablen Tordifferenz - da stirbt die Hoffnung schon ein wenig früher als zuletzt. Der Mainzer Manager Christian Heidel hat am Samstag gleich nach Spielschluss die Planungen für die zweite Liga aufgenommen, oder besser gesagt: Er hat sie weitergeführt, denn natürlich sind sie in Mainz zweigleisig gefahren in den vergangenen Wochen.

Alles spricht seit Samstag gegen die Rheinhessen, nicht nur der Punktestand, nicht nur die Tordifferenz, nicht nur das Restprogramm, sondern, das kommt erschwerend hinzu, auch der Zustand der Mannschaft. Heidel nahm sie nach einer rundum enttäuschenden Vorstellung im Gottlieb-Daimler-Stadion erst einmal in Schutz. Die Spieler hätten alles versucht, alles gegeben, am Einsatz, an der Einstellung, an der Bereitschaft habe es nicht gelegen. Das war ein einigermaßen geschöntes Bild. In Wahrheit spielte Mainz wie ein Absteiger, ohne rechten Mumm, ohne vernünftige Organisation. Auch die Taktik hatte nicht funktioniert. Trainer Klopp hatte Andreasen, den Kämpfer im Mittelfeld, bei eigenen Angriffen in die Spitze beordert, neben den überforderten Zidan, das machte gegen die Stuttgarter Abwehr keinen Sinn. Die zaghaften Mainzer Angriffsversuche verpufften. Das Mainzer Team wirkte ausgelaugt, spätestens nach dem zweiten Stuttgarter Treffer durch den überragenden Hilbert (64. Minute) fügte es sich in die Niederlage, spätestens von da an stand ein Zweitligist auf dem Platz.

Wie es nun weitergeht in Mainz, das ist die Frage. Und dabei dreht sich alles um den Trainer. Bleibt Klopp? Geht er? Sein Vertrag läuft bis 2008, doch wenn er gehen wollte, würden sie einen Weg finden, sich nach großartigen gemeinsamen Jahren in Freundschaft zu trennen. "Durch die Hintertür", sagte Klopp in Stuttgart, werde er sich nicht verabschieden. Diese Aussage wurde unterschiedlich aufgenommen. Die einen nahmen es als deutliches Bekenntnis zum Verein, die anderen als ersten rhetorischen Schritt in Richtung Abschied. Klopp selbst vermied eine eindeutige Formulierung, er wolle sich jetzt auf das nächste Spiel gegen Mönchengladbach konzentrieren, in dieser Partie würden die Zuschauer noch einmal "den Mainzer Fußball zu sehen bekommen, den sie verdienen". Die Wahrscheinlichkeit ist groß, sehr groß, dass diese Partie, die laufende Nummer 101, die vorerst letzte Mainzer Heimpartie unter erstklassigen Bedingungen sein wird, eine Abschiedsvorstellung. MICHAEL EDER

Text: F.A.Z., 07.05.2007, Nr. 105 / Seite 27

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