19. Dezember 2003 OSRBLIE (sid). Ricco Groß brannte es in den Oberschenkeln, Peter Sendel kam in der Strafrunde vom rechten Weg ab, und das kostete die deutschen Biathleten beim Weltcup im slowakischen Örtchen Osrblie einen Platz auf dem Treppchen. Beim ersten russischen Saisonsieg durch Sergej Roschkow war der Vortages-Zweite Groß als Vierter des Sprints bester deutscher Skijäger. Die Oberhofer Sven Fischer und der lange auf Position zwei liegende Sendel kamen als Siebter und 15. ins Ziel. "Ich habe gewußt, daß ich um einen Platz auf dem Siegerpodest mitkämpfen kann und wollte ganz eng auf die Zielgerade einbiegen", beschrieb Peter Sendel jenen Moment, der ihm zum Verhängnis wurde. "Auf einmal war die vermeintliche Zielgerade zu Ende. Ich konnte nur noch umdrehen", erzählte Sendel hinterher. Der Oberhofer hatte bei der letzten Zwischenzeit kurz vor dem Stadion noch auf Rang zwei gelegen. Kein Wunder, daß er im Ziel wütend seine Skistöcke wegwarf und war kaum zu beruhigen war: "Ich bin stinksauer. So etwas ist mir noch nie passiert. Aber meine Form stimmt, und ich kann auch läuferisch voll mithalten."
Das war bei Ricco Groß diesmal nicht ganz der Fall. "Ich habe erneut von meinem guten Schießen profitiert, aber zum Biathlon gehört nun mal mehr", sagte der dreimalige Staffel-Olympiasieger aus Ruhpolding, der in Osrblie nach 20 Treffern über die 20 Kilometer auch über die halbe Distanz keine einzige schwarze Klappscheibe verfehlte. "Der 20er hat mir mächtig wehgetan. In den Oberschenkeln hat's schon ziemlich gezerrt." Trotz einer tadellosen Serie lag Groß am Ende fast eine halbe Minute hinter Roschkow.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2003, Nr. 296 / Seite 32