22. Juli 2004 Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will bis zum Sonntag die Führungsfrage seiner Nationalmannschaft klären.
Wir haben uns vorgenommen, bis zum Sonntag eine endgültige Lösung vorzulegen, sagte Werner Hackmann. Als Vorsitzender der Deutschen Fußball-Liga (DFL) gehört er der Findungskommission des Deutschen Fußball-Bundes an, die auf der Suche nach neuem Führungspersonal für die Nationalmannschaft ist. Bisher steht fest, daß der frühere Nationalspieler Jürgen Klinsmann eine führende Rolle spielen und Nachfolger des zurückgetretenen Teamchefs Rudi Völler werden soll.
Gespräche mit Osieck
Nach den Gesprächen mit Jürgen Klinsmann hat die sogenannte Trainerfindungskommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nun auch mit Holger Osieck verhandelt, der Assistenztrainer werden soll und bereits 1990 beim WM-Gewinn Deutschlands unter Teamchef Franz Beckenbauer gearbeitet hat. Osieck war von 1979 bis 1990 beim DFB. Auch bei Olympique Marseille hat Osieck als Assistent von Beckenbauer gearbeitet. Von 1. Oktober 1998 bis zum 2. September 2003 trainierte er die Nationalmannschaft Kanadas.
Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, hätten Osieck getroffen um über die weiteren Planungen im Zusammenhang mit der deutschen Nationalmannschaft zu reden. Dies bestätigte DFB-Sprecher Harald Stenger am Donnerstag. Über Ergebnisse wurde nichts bekannt. Über die Gespräche wurde auch der Internationale Fußball-Verband (Fifa) informiert, wo Osieck seit 1. Mai die Abteilung technische Entwicklung leitet.
Wie bei Klinsmann sollen die Verhandlungen in den nächsten agen fortgesetzt werden. Der DFB will sich allerdings nicht unter Druck setzen lassen. Wir setzen alles daran, um eine für alle positive Lösung zu präsentieren. Wir haben jetzt die ersten Schritte gemacht und hoffen, daß wir in den nächsten Tagen zu einem positiven Abschluß kommen, sagte Stenger.
Lob von den Bayern
Der Plan der TFK sieht zudem vor, den früheren Teamkapitän Oliver Bierhoff als Nationalmannschaftsmanager zu engagieren. Mit dem 36jährigen hat es bis Donnerstag mittag noch keine offizielle Kontaktaufnahme gegeben; diese soll aber spätestens bis Freitag erfolgen. Bierhoff hat bereits grundsätzlich seine Bereitschaft erklärt.
Beim FC Bayern München ist eine Bundestrainer-Lösung mit Jürgen Klinsmann an der Spitze indes auf Zustimmung gestoßen. Ich kenne den Jürgen gut. Er ist ein sehr intelligenter, sehr erfahrener Mann, der sich im internationalen Fußball sehr gut auskennt, sagte Oliver Kahn am Donnerstag vor der Abreise der Bayern in die Vereinigten Staaten. Die Pläne mit einem Führungstrio Klinsmann, Oliver Bierhoff und Holger Osieck nannte der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft einen Schritt in eine andere Richtung, aber mit sehr, sehr erfahrenden Leuten.
Bayern-Manager Uli Hoeneß sprach von einer Lösung, die ich sehr mutig und gut finde. Die Situation habe danach gerufen, einen Schritt zu machen, der gewisse Risiken bringe, meinte er. Ich kann mir nicht vorstellen, daß es nicht gut geht, so Hoeneß. Den früheren Bayern-Profi Klinsmann bezeichnete der Manager als Mann, der integrationsfähig ist, der wie Rudi Völler damals everybody's darling ist. Osieck sei ein erfahrener Mann, Bierhoff als Manager Hoeneß' Ansicht nach sehr gut. Ich habe das Gefühl, als hätten sich die älteren Herren in der TFK richtig ins Zeug gelegt, lobte er.
Matthäus schmollt
Lothar Matthäus dagegen, der lange im Rennen um den Posten des Bundestraners war, scheint zu schmollen. Zur Entscheidung des DFB sagte er: Wenn es so ist, wünsche ich den dreien viel Glück und eine gute WM 2006. Mich interessiert das Thema schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Es ist nur schädlich für den deutschen Fussball gewesen, was in den letzten Wochen abgelaufen ist. Der DFB soll jetzt eine Entscheidung treffen, und zu der sollen auch alle stehen.
Einmal in Fahrt, ergänzte er: Mir ist es mittlerweile eigentlich egal. Ich muß mich um meine Aufgabe in Ungarn kümmern. Ich glaube, man sollte mal Franz Beckenbauer fragen, wie die ganze Sache in den letzten zwei Wochen gelaufen ist. Ich nehme an, daß er auch ein bißchen den Mut verloren hat.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb