"Großes Potential für Computerspiele"

Marktführer Electronic Arts will in Deutschland stark wachsen. Vor allem ältere Menschen sollen als Kunden gewonnen werden. Im Herbst bringt der Konzern mehrere neue Spiele auf den Markt.

17. August 2008 csc. KÖLN, 17. August. Immer mehr Deutsche werden in den nächsten Jahren Computerspiele nutzen. "Wir können hierzulande noch stark wachsen", erwartet deshalb Olaf Coenen, Deutschland-Geschäftsführer von Electronic Arts, dem amerikanischen Marktführer bei interaktiver Unterhaltungssoftware. Momentan spielten geschätzte 30 Prozent der Bundesbürger am Computer, beruft sich Coenen auf Studien. "Bis 2010 wird die Hälfte der Deutschen aktiv mit Computerspielen in Berührung kommen." Vor allem die "älteren""Nutzer hat er dabei im Blick. Bisher sei das Gros der Computerspieler 35 Jahre alt und jünger. Es gelte nun, die Spiele im Handel attraktiver anzubieten und vermehrt bei Veranstaltungen vorzuführen.

Rund 1,4 Milliarden Euro haben die Verbraucher hierzulande im vergangenen Jahr für Computerspiele ausgegeben, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit wird dafür mehr Geld bereitgestellt als für Kinokarten oder DVDs. Mit einem Marktanteil von 21 Prozent betrachtet sich Electronic Arts als Marktführer vor Nintendo. "Wir wollen unseren Anteil 2008 mindestens halten, wenn nicht sogar ausbauen", gibt Coenen als Ziel vor. Um rund 18 Prozent soll der Umsatz von Electronic Arts in Deutschland - dem drittstärksten Markt für den Konzern nach den Vereinigten Staaten und Großbritannien - in diesem Jahr zulegen.

Impulse erwartet der seit Mai amtierende Geschäftsführer von mehreren Neuerscheinungen im Herbst. So kommt eine aktuelle Version des Fußballspiels "Fifa" heraus, das sich in der vergangenen Bundesliga-Saison 600 000 Mal verkauft hat. Neu sind außerdem das Science-Fiction-Spiel "Mirror's Edge" und die Simulation "Spore", bei der die Spieler ihre eigene Kreatur schaffen und sie durch verschiedene Evolutionsstufen führen. Erfolgreichstes Produkt sind mit 100 Millionen verkauften Exemplaren die Spiele der "Sims"-Familie.

Electronic Arts veröffentlicht Spiele für Computer, alle gängigen Spielkonsolen und Mobiltelefone. In seinen Studios in Nordamerika und Europa beschäftigt das in Kalifornien ansässige Unternehmen rund 5000 Angestellte nur für die Spielentwicklung, arbeitet aber auch mit unabhängigen Studios zusammen. Mittlerweile gebe es auch hierzulande bedeutende Spieleentwickler, sagte Coenen. Als Beispiele nannte er zwei Frankfurter Studios: Crytek ist selbständig, Phenomic gehört seit 2006 zu Electronic Arts. In Deutschland sind für den amerikanischen Konzern insgesamt 190 Mitarbeiter tätig, davon 150 in Köln. Auf der Games Convention in Leipzig werden die Spiele-Neuheiten ab 21. August präsentiert. Vom Umzug der Schau nach Köln unter dem neuen Namen Games Com erhofft sich Coenen vom nächsten Jahr an die Chance, die Messe zur europäischen Leitveranstaltung auszubauen. Die Aktie von Electronic Arts liegt zurzeit bei gut 48 Dollar, Anfang August war sie mit knapp 42 Dollar auf ein Zweijahrestief gefallen.

Text: F.A.Z.

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