Forschung

Der Kernfusionsreaktor Iter wird gebaut

“Außergewöhnliches Abenteuer“: Chirac bei der Unterzeichung des Finanzierungsabkommen

"Außergewöhnliches Abenteuer": Chirac bei der Unterzeichung des Finanzierungsabkommen

21. November 2006 Als „Jahrhundertprojekt“ für die Energieversorgung der kommenden Generationen hat der französische Präsident Chirac am Dienstag in Paris das Finanzierungsabkommen über den Kernfusionsreaktor Iter (International Thermonuclear Experimental Reactor) begrüßt. Im Elysée-Palast setzten die sieben Partner des internationalen Projekts, der EU-Kommissionspräsident Barroso und Repräsentanten Amerikas, Japans, Chinas, Rußlands, Indiens und Südkorea, ihre Unterschrift unter das Iter-Abkommen.

Mit dem auf zehn Milliarden Euro geschätzten Projekt sollen neue Wege der Energiegewinnung durch Kernfusion erforscht werden. Damit soll auch die Entsorgungsfrage gelöst werden, die mit der bisherigen zivilen Nutzung der Atomkraft durch Kernspaltung verbunden ist. Der Versuchsreaktor wird auf dem Gelände der französischen Atomenergiebehörde CEA in Cadarache nahe Aix-en-Provence errichtet. Deutschland wird zu den Iter-Kosten nahezu 466 Millionen Euro beitragen. Nach einer Bauzeit von etwa zehn Jahren sollen etwa 600 Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker zunächst zwanzig Jahre an der Anlage arbeiten.

„Frankreich ist stolz und glücklich“

Chirac bezeichnete Iter als „außergewöhnliches Abenteuer“, mit dem die Menschheit sich „der Herausforderung der ökologischen Energie“ stelle. Die Kernverschmelzung im Gegensatz zur Kernspaltung produziere keinen radioaktiven Abfall, der noch über Tausende Jahre gefährliche Strahlungen aussende. Die Kernfusion sei deshalb eine saubere Energiequelle. „Wenn nichts passiert, dann wird die Menschheit innerhalb von 200 Jahren die fossilen Energiequellen aufgebraucht haben. Die Verknappung der Ressourcen und der Kampf gegen die Klimaveränderung verlangen eine Revolution unserer Produktions- und Konsumweisen“, sagte Chirac. Er sprach von einer Pflicht den nachfolgenden Generationen gegenüber, mit den Forschungen zu beginnen, die Energielösungen für die Zukunft versprechen. „Iter ist die Hand, die wir den künftigen Generationen im Namen der Solidarität und der Verantwortung reichen“, sagte Chirac.

Bei der feierlichen Unterzeichnungszeremonie dankte der Präsident den Gästen besonders für die Wahl Frankreichs als Standort für den Versuchsreaktor, der in der Region mehr als 3000 Stellen schaffen werde. „Frankreich ist stolz und glücklich, daß die Attraktivität und Qualität unseres Standortes auf diese Weise international anerkannt werden“, sagte Chirac. Cadarache hatte in teils heftigem Wettbewerb mit Rakkasho in Japan gestanden. Als versöhnliche Geste wurde die Nominierung des Japaners Kaname Ikeda zum Generaldirektor der Iter-Organisation bewertet.

Text: mic. / F.A.Z., 22.11.2006, Nr. 272 / Seite 1
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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