10. Januar 2007 Klappernde Störche, putzmuntere Bären und daheim gebliebene Rotkehlchen: Die milden Temperaturen lassen viele Tiere nicht zur Winterruhe kommen und wecken bei einigen sogar erste Frühlingsgefühle. Manche Vogelarten haben auf ihren Flug in wärmere Regionen verzichtet. Experten beobachten diese Entwicklung mit Sorge: So könnte die Fortpflanzung der Tiere im Frühling leiden oder ein Wintereinbruch für die Tiere zur Falle werden.
Die Kraniche sind erst im Januar nach Westen abgezogen, das ist deutlich später als sonst, sagte Ornithologe Jürgen Bosselmann vom Naturschutzbund (Nabu) in Rheinland-Pfalz. In anderen Teilen Deutschlands wurden jedoch weiterhin Kraniche gesichtet. Andere Zugvögel bleiben wegen des ausbleibenden Frostes gänzlich in hiesigen Breiten: So seien vielerorts Bachstelzen, Feldlerchen ebenso wie Rotkehlchen, Eisvögel und Zaunkönige wegen des guten Nahrungsangebotes zu Hause geblieben. Zugleich seien nur wenige Drosseln und Erlenzeisige eingetroffen - sie fliegen normalerweise im Herbst von Osten her ein.
Erste Vogelbrut im Februar?
Bei einigen Tieren haben Experten sogar erste Frühlingsgefühle beobachtet. Wir sehen schon den einen oder anderen Storch klappern, sagte der Leiter des Wildparks Eekholt in Schleswig-Holstein, Wolf von Schenck. Auch im Tierpark Dessau paaren sich die Störche. Andernorts bauen Vögel bereits Nester: Im Osnabrücker Zoo sind selbst die afrikanischen Webervögel in Balz-Laune. Sollten die Temperaturen weitere vier Wochen so mild bleiben, dann sei mit einer ersten Brut zu rechnen, sagte Zoodirektor Wolf Everts.
Die Frühlingsgefühle der Tiere im Januar bereiten einigen Experten jedoch Sorge. Nach Erwartungen des Schweriner Zoos werden die Tiere deshalb im Frühjahr nicht so richtig in Fortpflanzungsstimmung kommen. Im Frühling wird es nicht ganz so wild zugehen, sagte Tierdirektor Mirko Daus. Die Frösche werden nicht so laut quaken wie nach einem ordentlichen Winter. Und das milde Wetter kann auch für viele überwinternde Tiere zur Falle werden. Wenn schlagartig Schnee fällt und die Gewässer zufrieren, dann werden vor allem Jungvögel und brütende Tiere vom Wintereinbruch überrascht und können nicht schnell genug reagieren, sagt Nabu-Experte Krzysztof Wesolowski.
Zecken- und Mückenplage im Sommer
Doch nicht nur Vögel, sondern auch Bären, Igel und Eichhörnchen werden vom Wetter durcheinander gebracht. So verzichten viele Tiere im Bärenpark Worbis (Thüringen) auf ihre Winterruhe und streifen durchs Gelände. Auch bei den Braunbären im Wildpark Johannismühle im brandenburgischen Klasdorf ist die Winterruhe bislang ausgefallen. Zwar habe Braunbärin Karla wie üblich Ende Oktober eine Höhle gegraben sowie Moos und Zweige gesammelt, um ihr Winterquartier auszupolstern. Doch in der Höhle sei sie nur selten, sagten die Betreiber des Wildparks.
Für Mensch und Tier könnte ein milder Winter im Sommer lästige Folgen haben: Wenn es weiterhin so warm bleibt, dann plagen uns im kommenden Sommer besonders viele Zecken und Mücken, befürchtet Marcus Börner von der Deutschen Wildtier Stiftung in Hamburg. Und auch Blattläuse, Schnecken und Raupen könnten verstärkt auftreten.
Pilzkrankheiten bedrohen Insekten
Allerdings betonen einige Experten, dass der warme Winter auch für Insekten nicht unproblematisch ist. Bei Plusgraden und Regen drohten tödliche Pilzkrankheiten. Frost mache den heimischen Insekten wie dem als Waldschädling gefürchteten Borkenkäfer dagegen gar nichts aus, sagt der Leiter des Forstamts Hanau, Dieter Müller. Je kälter und trockener, desto besser geht es ihnen. Insekten verbringen den Winter meist als Puppen oder Larven oder legen Eier im Boden oder unter der Rinde von Bäumen. Wochenlanger Frost sei für sie kein Problem, Erfrieren sei praktisch auszuschließen, so Müller.
Von den zurzeit herrschenden frühlingshaften Temperaturen hätten sich schon einige Marienkäfer täuschen lassen und seien ausgeflogen, sagte Müller. Auch ganz vereinzelt seien Schmetterlinge unterwegs. Sie finden allerdings derzeit keine Nahrung und gehen zu Grunde.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: Reuters