15. Dezember 2006 Mehr als 300 Fossilienfunde aus dem ausgehenden Erdaltertum haben Mitglieder der Arbeitsgruppe Palaeo-Geo aus Kelkheim während einer Grabungskampage von April bis November von der Baustelle der Ortsumfahrung Dreieich-Götzenhain geborgen. Die 1,5 Kilometer lange Umgehungsstraße, die den Ortskern vom Durchgangsverkehr entlasten soll, führt von der Bleiswijker Straße in einem nordöstlichen Bogen an Götzenhain vorbei zur Dietzenbacher Straße. Sie wird heute nach eineinhalbjähriger Bauzeit vom Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, Bernd Abeln (CDU), für den Verkehr freigegeben.
Durch die Baustelle hat sich nach den Worten von Wolfgang Ott, Offenbach, der die Grabung leitete, ein für diese Region einmaliges Fenster in die Erdgeschichte geöffnet. Haie, Schmelzschupper-Fische und molchähnliche Saurier bevölkerten vor 290 Millionen Jahren, zur Zeit des höheren Rotliegend, einen Süßwassersee in der Nähe des heutigen Götzenhain. Bislang seien Fossilien aus diesen Schichten nur zufällig und selten im Raum Dreieich entdeckt worden, so Ott.
Weltweit größtes Exemplar eines Stumpfflossers
Durch die Arbeiten seien wichtige neue Erkenntnisse für die Forschung gewonnen worden. Die Funde wurden dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt übergeben, wo sie wissenschaftlich ausgewertet werden. Das Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden hatte dem Museum eine Nachforschungsgenehmigung erteilt; die Arbeitsgruppe Palaeo-Geo wurde im Auftrag des Museums tätig.
Nach Einschätzung des Geologen Thomas Schindler, Bayerfeld, handelt es sich um das reichste Material von Wirbeltieren, das bisher aus dem westdeutschen höheren Rotliegend bekannt ist. Größere Amphibien seien erstmals für die Region nachgewiesen worden. Der Fund eines weiteren, bisher nur in Rheinland-Pfalz bekannten molchähnlichen Amphibs (Eimerisaurus) dokumentiere die damals bestehende Verbindung zwischen dem Hessischen Becken, zu dem der Ablagerungsraum bei Götzenhain gehört, und dem Saar-Nahe-Becken. Ein ebenfalls entdeckter Schmelzschupper-Fisch mit einer urprünglichen Länge von 50 Zentimetern stelle das größte bisher weltweit bekannte Exemplar dieser Stumpfflosser (Amblypteriden) dar.
3000 Jahre alte Gräber entdeckt
Unterstützt wurden die Bergungsarbeiten von der an der Baustelle tätigen Firma Thomas-Bau, die bis zu wohnzimmergroße Grabungsflächen von überlagernden Erd- und Gesteinsschichten freibaggerte. Dadurch hätten die Vereinsmitglieder unmittelbar die Plattenkalke abbauen und aufspalten können. Die 2004 gegründete Arbeitsgruppe Palaeo-Geo hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, Fossilien zu bergen, um sie der Wissenschaft zugänglich zu machen.
Schon im vergangenen Jahr war die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises Offenbach auf der Trasse der Ortsumgehung fündig geworden: Eine Steinansammlung, die nicht natürlichen Ursprungs sein konnte, hatte damals den Weg zu zwei Brandgräbern aus der Zeit um 1000 vor Christus gewiesen.
Text: es., F.A.Z.
Bildmaterial: Arbeitsgruppe Palaeo-Geo