21. Mai 2007 Im amerikanischen Bundesstaat Kansas darf eine Biotechnologiefirma transgenen Reis anbauen, der mit Genen des Menschen ausgestattet wurde. Die Genehmigung dafür hat das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten am 16. Mai erteilt. Das in Sacramento (Kalifornien) ansässige Unternehmen Ventria Bioscience, das den Antrag gestellt hat, will Freilandversuche mit drei Sorten transgenen Reises vornehmen. Diese besitzen Gene für jeweils eines der in der Muttermilch enthaltenen Proteine Lactoferrin, Lysozym und Serum-Albumin. Die in den Reiskörnern gebildeten Humaneiweiße sollen für Trinklösungen zur Bekämpfung von Durchfällen bei Kindern, wie sie vor allem in armen Ländern verbreitet sind, sowie zu Forschungszwecken verwendet werden.
Schon Ende Februar hatte das Ministerium die vorläufige Genehmigung zum Anbau erteilt. Nach dieser Ankündigung bestand für die Öffentlichkeit einen Monat lang die Gelegenheit, das Vorhaben zu kommentieren. Während dieser Zeit gingen 20.034 Stellungnahmen ein. Mit Ausnahme von 29 waren alle ablehnend. Nach offiziellen Angaben hatte eine einzige Interessengruppe rund 13.300 nahezu identische Kommentare eingereicht und eine zweite Interessengruppe rund 5600.
Schnelle Genesung für erkrankte Kinder
Experten des Landwirtschaftsministeriums kamen zu der Überzeugung, der Anbau stelle kein Risiko für andere Pflanzen oder eine bedeutsame Beeinträchtigung der Umwelt dar. In Kansas werde bislang kein Reis angebaut, und die für den Feldversuch vorgesehene Fläche in Geary County sei mehr als 480 Kilometer vom nächsten Reisfeld entfernt. Die transgenen Gewächse enthalten neben dem jeweiligen Gen für ein Humanprotein noch ein oder zwei sogenannte Markergene. Sie verleihen den Keimlingen eine Resistenz gegen das Antibiotikum Hygromycin und das Herbizid Bialophos.
Eine klinische Studie in Peru hat nach Angaben von Ventria Bioscience den Nutzen von aus Reis hergestellten Trinklösungen mit Lysozym und Lactoferrin belegt. An Durchfall erkrankte Kinder, die man damit behandelt habe, seien besonders schnell wieder genesen.
Text: F.A.Z., 22.05.2007, Nr. 117 / Seite 38
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
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