Alternativer Nobelpreis

Gewürdigt: Kampf gegen Korruption, Kampf für Frauen- und Bürgerrechte

28. September 2006 Mit dem Alternativen Nobelpreis werden in diesem Jahr eine indische Frauenrechtlerin, ein Bürgerrechtler aus Brasilien, ein früherer Mitarbeiter des amerikanischen Verteidigungsministeriums und ein Poesie-Festival in Kolumbien ausgezeichnet. Die Preise seien eine Würdigung von „Gerechtigkeit, Wahrheit und Engagement für den Frieden“, erklärte die Jury bei der Bekanntgabe der Preisträger in Stockholm.

Den mit zwei Millionen schwedischen Kronen (215.000 Euro) dotierten Right Livelihood Award teilen sich das Anfang der neunziger Jahre gegründete Poesie-Festival der von Gewalt erschütterten kolumbianischen Stadt Medellin, die Inderin Ruth Manorama und der ehemalige Pentagon-Mitarbeiter Daniel Ellsberg, der während des Vietnam-Kriegs geheime Dokumente an die Öffentlichkeit spielte. Aus ihnen ging hervor, daß die amerikanische Regierung die Öffentlichkeit über die Zahl der Opfer und die Aussicht auf einen Sieg in dem Krieg belogen hatte. Damit habe er Frieden und Wahrheit an erste Stelle gesetzt, würdigte das Komitee Ellsberg.

Geheimhaltungsargument werde mißbraucht

Der Gründer und Stifter der Alternativen Nobelpreise, Jakob von Uexküll, wies auf Parallelen zum Irak-Krieg hin: Es sei klar, daß Regierungen Entscheidungen hinter dem Rücken der Bevölkerung träfen und das Geheimhaltungsargument mißbraucht werde. „Ich denke, wir stehen im Irak vor derselben Situation. Die Menschen sind über die Gründe für diesen Krieg angelogen worden.“ Manorama wird für ihre Arbeit zur Förderung von Frauen in der Schicht der Unberührbaren geehrt, die keinen Platz im indischen Kastenwesen haben. Er hoffe, daß andere junge Frauen aus dieser Schicht von der Ehrung inspiriert würden und daraus Selbstvertrauen schöpften, sagte Uexküll.

Der Anti-Korruptions-Aktivist Chico Whitaker Ferreira aus Brasilien erhält den diesjährigen Ehrenpreis. Damit wird sein Einsatz für soziale Gerechtigkeit gewürdigt, „der die Demokratie in Brasilien gestärkt hat und die Geburt des Weltsozialforums gefördert hat“.

Die Alternativen Nobelpreise, die sogenannten Right Livelihood Awards, wurden 1980 vom deutsch-schwedischen Journalisten Uexküll ins Leben gerufen, der zur Finanzierung seine wertvolle Briefmarkensammlung verkaufte. Ausgezeichnet werden Leistungen, die die klassischen Nobelpreise in der Regel nicht berücksichtigen. Die Auszeichnungen werden am 8. Dezember in Stockholm verliehen, zwei Tage vor den Nobelpreisen.



Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: dpa

 
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