Turnen

Paul Hamm darf Olympia-Gold behalten

Paul Hamm (links) mit seinem Bruder Morgan

Paul Hamm (links) mit seinem Bruder Morgan

21. Oktober 2004 Der Amerikaner Paul Hamm bleibt trotz nachweislich falscher Kampfrichterentscheidungen Turn-Olympiasieger im Mehrkampf. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) lehnte am Donnerstag einen Einspruch des südkoreanischen Nationalen Olympischen Komitees auf Korrektur des Ergebnisses von Athen aus formalen Gründen ab. Der Protest hätte noch während des Wettkampfes am 18. August eingelegt werden müssen und nicht erst zwei Tage nach der Entscheidung, entschied das CAS.

Der Sportgerichtshof akzeptierte damit die Vorgehensweise des Weltturnverbandes (FIG), der noch während der Olympischen Spiele die drei zuständigen Kampfrichter für ihre Fehlurteile suspendierte, das Resultat jedoch als „Tatsachenentscheidung“ und damit unveränderlich wertete. „Der Sport kann ohne Gerechtigkeit nicht leben. Unabhängig vom CAS-Urteil war die Kampfrichtersituation in Athen nicht akzeptabel. Auch in Zukunft müssen die Verantwortlichen für ihre Fehler zur Rechenschaft gezogen werden“, erklärte FIG-Präsident Bruno Grandi am Donnerstag beim FIG-Kongreß in Antalya.

Hamm: „Ich hatte das Gefühl, ich mußte dreimal siegen“

Die Südkoreaner hatten erst am 20. August Beschwerde bei der FIG eingelegt, weil ihr Turner Tae Young Yang bei seiner Barren-Übung einen nachweislich um 0,1 Punkt (9,9 statt 10,0) zu geringen Ausgangswert erhalten hatte, der dem Olympia-Dritten schließlich die Goldmedaille im Mehrkampf kostete. Nach Ablehnung der Ergebnis-Korrektur hatten sich die Asiaten an den CAS gewandt. Dieser hatte in einer zwölfstündigen Anhörung in Lausanne alle betroffenen Sportler, Trainer, Funktionäre und Kampfrichter um Stellungnahmen gebeten.

„Ich bin natürlich glücklich über die Entscheidung. Aber ich hatte das Gefühl, ich mußte dreimal siegen: Einmal im Wettkampf, einmal gegen die Medien und nun vor dem CAS“, erklärte der erste amerikanische Mehrkampf-Olympiasieger. Noch während der Tage in Athen hatte Grandi den Amerikaner in einem Brief zu einem freiwilligen Verzicht auf die Goldmedaille aufgefordert. Dieses Schreiben war aber in den Vereinigten Staaten auf heftigen Widerstand gestoßen, das Nationale Olympische Komitee der Amerikaner (USOC) hatte den Brief nicht einmal an Hamm weitergeleitet.

„Bis zum Letzten um das Gold gekämpft“

Auch Athleten anderer Länder hatten sich trotz der Fehler des Kampfgerichts mit dem Champion soldidarisiert. „Er hat seine Übungen geturnt und ist von den Kampfrichtern entsprechend bewertet worden. Ich würde an seiner Stelle auch nicht freiwillig auf das Gold verzichten“, hatte Deutschlands Jungstar Fabian Hambüchen erklärt.

Der Premierensieg eines amerikanischen Turners war in Hamms Heimat als großer Prestige-Erfolg bewertet worden. Daher stellte USOC für die Verteidigung der Goldmedaille des Star-Turners, der 2003 schon die Mehrkampf-WM gewonnen hatte, 300.000 Dollar zur Verfügung. „Wir sind extrem stolz auf das, was Paul geleistet hat. Deshalb haben wir bis zum Letzten um das Gold gekämpft“, meinte USOC-Sprecher Darryl Seibel.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AP

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