20. April 2008 Olympia-Goldhoffnung Britta Steffen hat den deutschen Schwimmern bei einem radikalen, verbalen Rundumschlag fehlende mentale Stärke und mangelnden Teamgeist vorgeworfen - lässt die 4x200-Meter-Freistilstaffel in Peking aber selbst im Stich.
Noch vor ihrem ersten Start bei den nationalen Meisterschaften und der Qualifikation für Olympia hat Britta Steffen in Berlin mit provokanten Aussagen und ihrem Verhalten beim Deutschen Schwimm-Verband (DSV) für Unruhe gesorgt.
Ohne Steffen sind die Staffelhoffnungen futsch
DSV-Sportdirektor Örjan Madsen nahm die Absage von Steffen über 200 Meter Freistil deutlich zerknirscht zur Kenntnis. Man muss diese Entscheidung akzeptieren, aber es ist ein bitterer Rückschlag, sagte Madsen.
Ohne Steffen kann sich die Staffel, die vor zwei Jahren beim EM-Triumph in Budapest mit Weltrekord für Aufsehen gesorgt hatte, in Peking kaum Hoffnungen auf eine Medaille machen. Zwar könnte Steffen in Peking laut DSV-Richtlinien auch ohne Qualifikationsnachweis in der Staffel starten, doch ihr Heimtrainer Norbert Warnatzsch erteilte diesen Hoffnungen eine klare Absage und versuchte zugleich, die Wogen zu glätten.
Wir tun zu wenig für das Mannschaftsgefühl, sagt Steffen - nach ihrer Absage
Britta will sich ganz auf die 50 und 100 Meter Freistil konzentrieren. Die Belastung wäre sonst zu groß, sagte Warnatzsch und warb um Verständnis. Dabei hat Steffen selbst den Zusammenhalt innerhalb des Teams kritisiert.
Wir tun zu wenig für ein Mannschaftsgefühl, sagte die WM-Dritte und ehemalige Europameisterin im Interview der Welt am Sonntag und forderte zugleich ein couragierteres Auftreten: Ich empfinde es so, dass wir deutschen Schwimmer uns immer in die Hosen machen, wenn Großereignisse anstehen. Wenn es um Olympia geht, merkst du, dass wir immer depressiver werden und die Angst vor dem Versagen immer größer wird.
Die Kollegen trainieren angeblich falsch
Die Berlinerin, die eng mit der Psychologin Frederike Janofske zusammenarbeitet, warf ihren Kollegen zudem falsches Training vor. Das kollektive Versagen schreibe ich eher der Tatsache zu, dass sich die meisten bei uns übertrainieren, erklärte die 24-Jährige. Kritik äußerte Steffen außerdem an den Nominierungskriterien für Peking.
Ich halte es für sinnvoll, sich schon bei der EM für Olympia qualifizieren zu können, meinte Steffen: Ich halte es eh für besser, dass sich die Schwimmer bei mehreren Wettkämpfen qualifizieren können. Bei der EM in Eindhoven hatte Steffen wegen Schulterproblemen allerdings selbst auf eine Teilnahme verzichtet.
Großer Ärger über die australische Rivalin
Steffen soll dem DSV in Peking das erste Olympia-Gold seit Dagmar Hase 1992 in Barcelona bescheren. Dass sie zuletzt den Weltrekord über 100 Meter Freistil an ihre australische Rivalin Lisbeth Lenton-Tricket abgegeben musste, hat sie zwar mächtig geärgert, aber nicht verunsichert. Sie habe gelernt, dass alles irgendwie Schall und Rauch sei.
Wenn es drauf ankommt, werden die Karten neu gemischt. Von daher bin ich recht entspannt. Wenn ich eine Medaille gewinne, ist es super, sagte Steffen und fügte mit einem Lachen hinzu: Wenn ich Gold gewinne, sollte ich meine Karriere beenden.
Text: FAZ.NET mit sid
Bildmaterial: dpa, REUTERS
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