Von Alex Westhoff
29. Oktober 2007 Noch im April 1955 fragte die "Bild"-Zeitung, ob die "fußballverrückten Grazien" und der "Fußball-Sturmlauf auf Stöckelschuhen" noch zu stoppen sei. Der Deutsche Fußball-Bund tat sein Bestes, ihn aufzuhalten. Zwei Monate später untersagte der DFB seinen Vereinen, Frauenabteilungen zu gründen und Plätze für sie zur Verfügung zu stellen. Aus "grundsätzlichen Erwägungen und ästhetischen Gründen".
Im August 1955 wurde das Verbot in Duisburg-Hamborn erstmals vollstreckt. Der Zweite Vorsitzende von Hertha Hamborn betrat das Spielfeld und brach das Spiel vor 100 Zuschauern ab. "Sie kickten nur 20 Minuten, dann wurde der Damenfußball liquidiert", titelte die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ). Draußen habe "für alle Fälle ein Überfallkommando" gestanden.
Ironie, Spott und Verachtung
Für den deutschen Frauenfußball begann eine graue Zeit, die 15 Jahre dauern sollte. An die heutigen Verhältnisse, wo die deutschen Weltmeisterinnen landauf, landab als "Golden Girls" gefeiert werden, war noch längst nicht zu denken. Am Spielfeldrand und auch in den Medien wurden die Spielerinnen mit einer Mischung aus Ironie, Spott und Verachtung betrachtet. "Mit weicher Markenbutter-Flanke, aus wiegender Hüfte vorgetragen, saust das Leder, dass sich die Wollstutzen kringeln." Oder: "Die Formen sind in der Krise, o Luise, keine schießt wie diese", dichteten die "Aachener Nachrichten".
Doch viele Frauen kickten außerhalb des Hoheitsgebiets des DFB auf städtischen Plätzen unverdrossen weiter. Zum ersten Frauenländerspiel 1956 in Essen gegen Holland strömten 18.000 Zuschauer ins Stadion. Die "Wochenschau" meldete höflich einige "gute Kombinationen". Doch schon beim zweiten Länderspiel gegen England griff auch die "Wochenschau" tief in Kiste der sexistischen Klischees, als sie ihre Freude darüber kundtat, dass die deutschen Spielerinnen, "angestachelt durch echte Hausfraueninstinkte, ihr Nest sauber hielten".
Männer mit Ferngläsern
Die "Münchner Abendzeitung" machte bei einem Länderspiel 1957 unter den männlichen Zuschauern "viele mit Feldstecher" aus, die angeblich "eher zur Inspektion der westdeutschen und holländischen Hügellandschaften erschienen waren, als das Kombinationsspiel der Damen zu prüfen". Auch wenn das Zuschauerinteresse langsam nachließ, kamen die deutschen Fußballspielerinnen bis 1963 auf 70 Länderspiele.
Bei der ersten Frauen-WM 1970 in Italien bewirkte die Blockade des DFB, dass Deutschland nur mit der Mannschaft des SC 07 Bad Neuenahr vertreten war. Die Presse fragte nach dem 1:5 gegen England: "Scheiterte Deutschland am eisernen Busen der Engländerinnen?" Am 31. Oktober 1970 beschließt der DFB-Bundestag bei zwei Gegenstimmen die "Zulassung des Damenfußballs".
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28.10.2007, Nr. 43 / Seite 24
Bildmaterial: dpa
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