Eishockey-WM

Überraschungssieg gegen Slowakei

Von Hans-Joachim Leyenberg, Halifax

06. Mai 2008 Beim Abgang von der Eisfläche in die Kabine war Florian Busch zum Scherzen aufgelegt. „Das war wie Bayern München gegen Arminia Bielefeld“, sagte er. Dabei hatte gerade Deutschland gegen die Slowakei gespielt. Und es handelte sich um Eishockey statt Fußball, Weltmeisterschaft statt Bundesliga. So ein 4:2 (2:0, 1:1, 1:1) über die Slowaken lockert die Zunge.

Wobei es Buschs Geheimnis bleibt, wie er das gemeint hat - die Sache mit München und Bielefeld. Entweder war der Spruch eine Anspielung auf die Weltrangliste, wo die Slowaken als Sechste weit vor den Deutschen (Elfte) rangieren. Oder Busch wählte den Vergleich, weil sich die Arminen schon mal als ähnlich unangenehm für die Bayern erwiesen haben wie neuerdings die deutschen Eishockeycracks für die Slowaken. Diese erlebten am Montagabend (Ortszeit) bereits die dritte Niederlage innerhalb eines halben Jahres gegen eine Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes. Noch vor zwölf Monaten, bei der WM in Russland, war es umgekehrt, setzte es noch ein 1:5 für das deutsche Team.

Späte Gegentore

„Wir haben einen guten Lauf, die liegen uns aus irgendeinem Grund“, sprach der zweifache Torschütze Michael Hackert. Mit seinen Toren in der 39. und 49. Minute setzte er fort, was Marco Sturm zum 1:0 (7.) sowie Stefan Ustorf zum 2:0 (16.) mit ihren Treffern an Aufbauarbeit begonnen hatten.

In keiner Phase des Vorrunden-Gruppenspiels kamen Zweifel an einen entspannten Abend für all jene im Metro Centre zu Halifax auf, die es mit den Cracks in schwarz-rot-gold hielten. Nicht einmal, als dem Slowaken Ivan Ciernik, in der Deutschen Eishockey Liga bei den Kölner Haien tätig, das Anschlusstor zum 2:1 (30.) gelang. Der zweite Gegentreffer durch Juray Kolnik vier Sekunden vor der Schlusssirene löste kein Herzklopfen aus.

Von der ersten bis zur letzten Minute aus einem Guss

Das Ensemble spielte von der ersten bis zur letzten Minute wie aus einem Guss. „Viel besser als im ersten Spiel“, stellte Hackert einen Vergleich zugunsten der aktuellen Arbeitsprobe an. Der WM-Einstieg war beim 1:5 gegen Finnland ziemlich desillusionierend ausgefallen. Im zweiten Versuch funktionierten Überzahl - und Unterzahlspiel so gut, als hätte Bundestrainer Uwe Krupp einen Hebel umgelegt. Dabei stand mit Ausnahme von Torhüter Robert Müller, der seine Sache glänzend machte, die gleiche Auswahl wie gegen Finnland auf dem Eis.

„Wir haben fast alles richtig gemacht“, sprach Hackert, ehe er sich der kommenden Aufgabe gegen Norwegen zuwandte. Ein Sieg und die Zwischenrunde wäre erreicht. Unter Mitnahme der drei gewonnenen Punkte vom Montag. Doch vor Norwegen wird gewarnt. Unvergessen ist die Angstpartie im Vorjahr, als die deutsche Delegation bei der WM heilfroh war, mit dem 5:3 nach hartem Kampf noch einmal davongekommen zu sein. In Halifax machten die Norweger Eindruck, indem sie Finnland bis in die Verlängerung zwangen, ehe der Favorit dann doch noch 3:2 siegte.

„Wir haben keine Stars, alle müssen hart arbeiten“

„Wir wissen, wie unangenehm die sind“, ließ Krupp noch wissen, ehe er sich Personalien zuwandte, die noch eine Rolle in Nationalmannschaftskreisen spielen könnten. Während er die Stellungnahme der Nationalen Anti-Doping-Agentur im Fall Busch als „Nebengeräusche“ bezeichnete, „die nicht bis zur Mannschaft dringen“, wollte er den Einsatz weiterer deutscher Profis wie Marcel Goc („er überlegt noch“) oder Torhüter Geiss aus der National Hockey League nicht ausschließen. Nur Christian Ehrhoff hat seine Teilnahme bei dieser WM inzwischen wegen Knieproblemen definitiv verneint.

Die, die in Halifax sind, hören sich Manns genug an, auch ohne Verstärkungen für Furore zu sorgen. „Wir haben keine Passagiere“, pflegt Krupp bei diesem Thema zu sagen. Was darunter zu verstehen ist, illustriert der Vorsatz von Hackert: „Ich kann doch nicht schauen und warten, was der Sturm macht.“ Also selbst ist der Mann. Kapitän Marco Sturm, vom Zuschnitt einer mit Starstatus, beharrt auf dem Teamgedanken: „Wir haben keine großen Stars, wir alle müssen hart arbeiten.“

Gewaltschüsse statt Spielkultur

Dieser Zusammenhalt bedeutete am Montag das entscheidende Plus gegenüber den Slowaken, die sich in ihrem Mix aus Profis europäischer und amerikanischer Ligen nie als geschlossene Einheit präsentierten. Sie suchten ihr Heil in Gewaltschüssen satt Spielkultur - einst wider besseres Können aus der Not geborene Untugend der Deutschen. Verkehrte Eishockey-Welt. „Wir haben so gut gestanden und kombiniert, dass von den Weltklassespielern nichts zu sehen war“, umschrieb Sturm die neutralisierende Wirkung der einfallsreichen Kärrnerarbeit ohne überflüssige Schnörkel auf dem Eis.

„Befreiter, locker statt verkrampft“, empfand Krupp die Vorstellung, ehe er mit einem einzigen Satz das Kapitel Slowakei abschloss: „Eine Weltmeisterschaft schüttelt man nicht aus dem Ärmel, ein Sieg bedeutet noch nichts.“ Da hörte er sich dann an wie ein Fußballtrainer vor dem kommenden, entscheidenden Spiel. Damit Krupp über den Tag hinaus recht behält: „Wir spielen uns nach oben.“



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

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