Aus im Halbfinale

Haas scheitert am Souverän von Wimbledon

Von Peter Penders, London

Tommy Haas scheitert am Herrscher von Wimbledon

Tommy Haas scheitert am Herrscher von Wimbledon

03. Juli 2009 Der letzte Schlag war ein Ausdruck seiner Überlegenheit. Wie ein Basketballspieler beim Dunking-Versuch hatte sich Roger Federer in die Luft geschraubt und seinen ersten Matchball ins Feld von Tommy Haas zum 7:6 (7:3)- 7:5-und 6:3-Sieg geschmettert. Dieser Schlag war einst das Markenzeichen eines anderen großen Spielers, der Geschichte geschrieben hat bei Grand-Slam-Turnieren. 14 Titel bei den vier großen Turnieren hat Pete Sampras einst eingesammelt - ein Rekord, den Federer in diesem Jahr in Paris einstellte.

Groß war der Jubel der traditionsbewussten englischen Fans über Federers Sieg, war damit doch Teil eins ihres Traumfinales perfekt. Dann aber scheiterte zu ihrem Entsetzen im zweiten Semifinale ihre große Hoffnung Andy Murray wie alle seine Vorgänger seit 1938, als erster Brite in das Endspiel einzuziehen. Tickets für diesen ultimativen Showdown waren auf dem Schwarzmarkt schon mit bis zu 20 000 Pfund gehandelt worden, aber nach der 4:6- 6:4-, 6:7 (9:7)- und 6:7 (7:5) von Murray gegen den Amerikaner Andy Roddick werden die Preise nun wieder drastisch sinken.

Der Souverän: Roger Federer
Der Souverän: Roger Federer

„Ich könnte nicht glücklicher sein“

Anders als sein Kollege Murray, vom dem scheinbar das ganze Königreich nach der verletzungsbedingten Absage des Titelverteidigers Rafael Nadal allerdings nichts weniger als den ersten britschen Wimbledonsieg seit 1937 (Fred Perry) erwartet hatte, musste sich Haas über seine Niederlage nicht grämen. „Ich könnte nicht glücklicher sein“, sagte er, auch wenn einem auf Anhieb etwas eingefallen wäre, was ihn noch glücklicher gemacht hätte. Aber viel besser als in diesem Halbfinale hätte er kaum spielen können. Doch trotz seiner starken Leistung, mit der er sein Wimbledonturnier krönte, war er letztlich gegen einen souverän wirkenden Federer trotzdem chancenlos. „Ich habe nicht viel verkehrt gemacht“, sagte Haas, der extrem gut aufschlug. Nachdem Federer den ersten Satz nach zwei leichten Fehlern des Deutschen im Tiebreak für sich entschieden hatte, war die Partie deshalb nach dem gleichen Handlungsmuster weitergegangen. Breakbälle waren für keinen der beiden auch nur in Sichtweite gewesen -aber als Federer die ersten Möglichkeiten beim 5:5 im zweiten Satz nach 1:17 Stunde Spielzeit serviert bekam, griff er im zweiten Versuch gnadenlos zu.

„Er hat die erste Chance im zweiten und die erste im dritten Satz genutzt, und das sagt alles über seine Stärken aus“, sagte Haas voller Lob und Anerkennung. Denn auch im dritten Durchgang hatten beide bis zum Stand von 3:4 ihre Aufschlagspiele mühelos gehalten. Dann aber nahm Federer dem Deutschen zum zweiten Male in dieser Partie den Aufschlag ab und ließ sich nicht mehr stoppen. „Man spielt immer gut, wenn der andere auch gut ist. Und Haas war sehr gut heute“, sagte Federer. Der Schweizer, der schon die meisten in den Tennis-Geschichtsbüchern verzeichneten Rekorde hält, ist drauf und dran, auch die letzten Leerstellen mit seinem Namen zu versehen. Natürlich hat kein anderer Tennisspieler so viele Halbfinale hintereinander bei Grand-Slam-Turnieren (21) erreicht, und mit dem abermaligen Einzug in das Endspiel hat er nun auch Ivan Lendl in dieser Bilanz endgültig überholt. Federer wird am Sonntag zum 20. Mal in einem Grand-Slam-Finale stehen.

Wie auf dem Platz viele Aufschläge, so returnierte Haas auch die Komplimente seines großen Gegners umgehend. „Er hat keine Schwächen, bewegt sich perfekt und schlägt selbst in den schwierigsten Situationen noch hervorragende Passierbälle. So wie heute laufen Spiele gegen Roger halt“, sagte Haas, der trotzdem zu Recht nicht nur stolz war auf seine Leistung in diesem Turnier. Er hatte Federer zuletzt in Paris am Rande der Niederlage gehabt, er hatte danach das Turnier in Halle gewonnen und er war nun in Wimbledon viel weitergekommen, als er es vermutlich selber vorher vermutet hätte. Das alles führt dazu, dass Haas in der am Montag veröffentlichten neuen Weltrangliste wieder unter die besten zwanzig Spieler der Welt klettert und wieder als bester Deutscher geführt wird. „Aber das bedeutet mir wirklich nichts, das juckt mich nicht mehr so wie mit 20, 21 Jahren. Da gibt es andere, die das extrem wichtig finden“, sagte Haas, was wohl als Grußadresse an Philipp Kohlschreiber gedacht war.

Alle Tricks halfen nichts: Tommy Haas verliert gegen Federer
Alle Tricks halfen nichts: Tommy Haas verliert gegen Federer

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, REUTERS

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