Schwimm-WM

Gold für Thomas Lurz

Triumph im Meer: Sieger Thomas Lurz läuft aus dem Wasser

Triumph im Meer: Sieger Thomas Lurz läuft aus dem Wasser

18. März 2007 Thomas Lurz hat sich mit seinem fünften WM-Titel zum alleinigen Langstrecken-König gekrönt. Am Strand von St. Kilda nahm der Würzburger am Sonntag voller Stolz die Huldigungen der deutschen Beckenschwimmer entgegen. Nach der erfolgreichen Titelverteidigung über fünf Kilometer zum WM-Auftakt von Melbourne wollten die Gratulationen und Umarmungen kein Ende mehr nehmen.

Die Team-Kollegen feierten den Rekord-Weltmeister mit „la Ola“. Weltrekordlerin Britta Steffen fand ihn einfach „gigantisch“, und Cheftrainer Örjan Madsen stellte tief beeindruckt fest: „Er ist der Größte.“ Der 27 Jahre alte Lurz war gerührt: „Ich freue mich riesig. Bei mir ist der Sieg noch gar nicht angekommen.“ Umgerechnet 9000 Euro Prämie des Weltverbandes Fina und 8500 Euro von Sponsor adidas waren der verdiente Lohn für Lurz. Britta Kamrau-Corestein fühlte sich beim Doppelerfolg der russischen Frauen um eine Medaille betrogen und ärgerte sich maßlos über Platz vier. Eine Zehntel-Sekunde fehlte zu Bronze.

„Am Ende habe ich gar nichts gesehen“

Mit seinem fünften WM-Titel ist Lurz der erfolgreichste Schwimmer über die Langstrecke

Mit seinem fünften WM-Titel ist Lurz der erfolgreichste Schwimmer über die Langstrecke

Lurz musste im Ziel erst einmal tief durchatmen. Die Wellen im 19 Grad kalten Wasser hatten ihm alles abgefordert. „Das war brutal“, stellte er nach seinem Sieg in 56:49,6 Minuten vor dem Russen Jewgeni Drattsew fest, „am Ende habe ich gar nichts gesehen.“ 100 Meter vor dem Ziel übernahm er mit einem unwiderstehlichen Überholvorgang die Spitze.

Sein Trainer und Bruder Stefan Lurz war begeistert: „Ich bin stolz auf ihn.“ Vater Peter Lurz freute sich diebisch: „Soll ich eine Rede halten?“ In den olympischen 10 Kilometer am Mittwoch ist der Weltmeister wieder der Gejagte: „Das wird eine Schlacht.“ Danach will er im Becken die Konkurrenz über 1500 Meter aufmischen.

Lurz macht den Beckenschwimmern Mut

Britta Steffen zollte Lurz „großen Respekt. Mich würde da keiner reinkriegen.“ Allein die Vorstellung, dass ein Hai auftauchen könnte, würde die 100-Meter-Freistil-Weltrekordlerin davon abhalten: „Ich habe schon Angst vor Fischen.“ Die Beckenschwimmer, die sich im Trainingslager den letzten Schliff holen, sehnen den Wettkampfbeginn am kommenden Sonntag herbei. Madsen: „Wenn wir am 22. anreisen, werden sie wie Rennpferde sein.“Lurz hat ihnen Mut gemacht. Madsen: „Das ist motivierend und inspirierend.“

Britta Kamrau-Corestein war stocksauer. „Ich bin total enttäuscht“, sagte die 27 Jahre alte Rostockerin und übte harte Kritik an der drittplatzierten Australierin Kate Brookes-Peterson. „Sie hat mich 100 Meter vor dem Ziel richtig zurückgezogen und mir die Brille runtergeschlagen. Das hat mir alles versaut, sonst wäre eine Medaille sicher gewesen.“

Die Doppel-Weltmeisterin von 2004 zitterte vor Wut. Über zehn Kilometer will sie am Dienstag wieder angreifen. Die 18 Jahre alte Russin Larissa Ilschenko feierte in 1:00:41,3 Stunden ihren vierten Sieg in Serie und den fünften insgesamt. Über die Distanz von zehn Kilometern will auch Angela Maurer um die Medaillen mitstreiten. „Ich bin guter Dinge“, sagte die Weltmeisterin über 25 Kilometer. Von einer Hai-Gefahr lässt sie sich nicht beirren. „Wenn man so voller Angst wäre, dann würde einen das völlig blockieren. Man muss sich von der Angst befreien und auf die Sicherheitskräfte vertrauen.“

Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: AFP, dpa

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